Politik

Türkei "duldet" 100.000 Armenier Erdogan droht mit Ausweisung

Nach Entscheidungen in Schweden und den USA, die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkriegs als Völkermord einzustufen, droht der türkische Regierungschef der armenischen Minderheit mit Ausweisung. Betroffen wären rund 100.000 Menschen.

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Premier Erdogan schlägt bewusst nationalistische Töne an.

(Foto: dpa)

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat damit gedroht, bis zu 100.000 Armenier aus seinem Land auszuweisen. "Ich muss sie nicht in meinem Land behalten", sagte er in einem Interview mit dem türkischsprachigen Dienst der britischen BBC.

"Derzeit leben 170.000 Armenier in unserem Land. Davon sind nur 70.000 türkische Bürger. Aber wir dulden den Rest. Falls nötig, muss ich diese 100.000 vielleicht auffordern, in ihr Land zurückzukehren, weil sie nicht meine Bürger sind." Armenien reagierte mit Unverständnis auf die Drohungen. "Solche politischen Äußerungen tragen nicht dazu bei, die Beziehungen zwischen den Staaten zu verbessern", sagte Ministerpräsident Tigran Sarksyan.

Reaktion auf US-Entscheidung

Erdogan reagierte auf Entschließungen eines US-Kongressausschusses und des schwedischen Parlaments, die die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnen. Antriebskraft hinter solchen Resolutionen seien im Ausland lebende Armenier, sagte Erdogan.

Die türkische Regierung erkennt zwar an, dass osmanische Türken zahlreiche christliche Armenier zu Beginn des 20. Jahrhunderts töteten. Die Einstufung als Völkermord, bei dem bis zu 1,5 Millionen Armenier durch Verfolgung und Abschiebung ums Leben gekommen sein sollen, lehnt sie aber vehement ab.

Armenier nicht beunruhigt

In den Äußerungen Erdogans würden die Armenier keine ernsthafte Drohung sehen, sagte Aris Nalci, der eine türkisch-armenische Zeitung herausgibt. In der Türkei leben die meisten seiner Landsleute in Istanbul. Viele kamen nach dem verheerenden Erdbeben von 1988 in die Metropole am Bosporus, wo sie illegal arbeiten, oft als Putzfrauen oder in anderen schlecht bezahlten Jobs.

Im vergangenen Jahr unterzeichneten die muslimische Türkei und das christliche Armenien ein historisches Abkommen zum Aufbau diplomatischer Beziehungen. Es ist jedoch noch nicht von den jeweiligen Parlamenten ratifiziert worden.

Quelle: n-tv.de, rts

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