Politik

Türken in Deutschland sollen "Goethe verstehen" Erdogan ermahnt Landsleute

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"Wir erstarken von Tag zu Tag", sagt der türkische Regierungschef Erdogan über sein Land.

(Foto: REUTERS)

Der türkische Regierungschef Erdogan eröffnet die neue Botschaft seines Landes in Berlin. In seiner Rede präsentiert er sich moderat - und bietet sogar Unterstützung in der Euro-Krise an. Über die anhaltenden Schwierigkeiten im Verhältnis beider Länder täuscht das aber nicht hinweg.

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Die neue türkische Botschaft in Berlin ist die größte weltweit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei der Eröffnung der neuen Botschaft in Berlin aktive Beiträge seiner Landsleute zur Integration gefordert. "Wir wollen, dass die Türken in Deutschland fließend Deutsch sprechen", sagte Erdogan. In diesem Sinne müssten sie Doppelsprachler sein und sich mehr und mehr am Leben beteiligen.

"Von dem Moment an, an denen Sie beschlossen haben, dauerhaft hier zu bleiben, sich anzusiedeln, ein Haus zu kaufen und ein Unternehmen zu gründen, sind Sie ein Teil von hier geworden", sagte Erdogan. Bei der Integration der Türken in Deutschland dürfe es keinerlei Probleme geben. Wenn die Türken in Deutschland zugleich ihren Zusammenhalt bewahrten, dann würden sie "eine der mächtigsten, einflussreichsten und dynamischsten Gruppen in Europa".

Erdogan sagte, Türken in Deutschland sollten nicht nur türkische Autoren kennen, "sondern auch Hegel, Kant und Goethe verstehen". Zugleich bekräftigte der Premier den Anspruch der Türkei auf eine Mitgliedschaft in der EU. "Wir bereiten uns darauf vor, dass wir Vollmitglied in der EU werden." Auf die Frage, ob die Türkei bis 2023 EU-Mitglied sein werde, antwortete er: "So lange wird man uns nicht hinhalten, oder?" Als Problem benannte Erdogan allerdings die Zypern-Frage - die Türkei erkennt das EU-Mitglied Zypern nicht an.

"Wir kommen, um Last zu übernehmen"

Selbstbewusst bot der türkische Regierungschef auch Hilfe in der Euro-Krise an. "Wir erstarken von Tag zu Tag", sagte er. Die Türkei werde jeden Beitrag leisten, damit die Euro-Krise überwunden werden könne. Sein Land werde keine Belastung für die EU sein. "Wir kommen, um Last zu übernehmen", sagte Erdogan.

Zu der Feier kamen mehr als 1400 Gäste, darunter Außenminister Guido Westerwelle. Nach fast 70 Jahren bekommt die Türkei damit wieder eine Vertretung im historischen Botschaftsviertel der Hauptstadt. Westerwelle sprach sich laut Redemanuskript in seinem Grußwort für eine weitere Annäherung zwischen der Türkei und der Europäischen Union aus. Der Stillstand in den Beitrittsverhandlungen seit zwei Jahren sei für beide Seiten nicht gut. Im kommenden Jahr solle hier ein "neuer Anfang" gemacht werden. Die Türkei habe viele Reformen verwirklicht. "Viel bleibt zu tun, aber wichtige Etappen sind geschafft", sagte Westerwelle. Der Außenminister betonte die enge Partnerschaft mit Ankara auch angesichts der dramatischen Lage in Syrien. "Als Nato-Partner stehen wir Deutsche an der Seite der Türkei." Westerwelle lobte die Besonnenheit der türkischen Regierung und versicherte ihr Deutschlands Solidarität. Über 100.000 Flüchtlinge aus Syrien haben in der Türkei Zuflucht gesucht.

Polenz fordert "neuen Schwung"

In Deutschland leben rund 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, in Berlin haben mehr als 100.000 Menschen einen türkischen Pass. Mehrere Gruppen, etwa die Minderheit der Aleviten, hatten Demonstrationen gegen Erdogan angekündigt. Auch das deutsch-türkische Verhältnis ist derzeit nicht frei von Spannungen.

Bei seinen politischen Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wird es um die Lage in Syrien und um die Situation der syrischen Flüchtlinge gehen. Die Bundesregierung ist bisher der Ansicht, dass den Flüchtlingen am besten in der Region geholfen werden kann. Berlin hat dafür über 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt - vor allem für Flüchtlinge in Syrien selbst, in Jordanien und im Libanon. Ein Streitthema zwischen Berlin und Ankara ist auch das Kurdenproblem. Erdogan wirft Deutschland und Frankreich vor, nicht entschlossen genug gegen die als terroristisch eingestufte kurdische PKK vorzugehen. Auch die angestrebte, aber in weite Ferne gerückte EU-Mitgliedschaft der Türkei dürfte zur Sprache kommen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, erwartet vom Berlin-Besuch Erdogans eindeutige pro-europäische Signale. Nötig sei "eine klare Ansage, dass die Türkei am Reformkurs in Richtung EU festhält und diesen mit neuem Schwung versehen will", sagte Polenz der "Süddeutschen Zeitung".

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußerte sich besorgt über die Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei. Hier gebe es Rückschritte, sagte die Ministerin am Dienstag zum Start einer viertägigen Türkei-Reise in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. In internationalen Berichten werde beklagt, dass in der Türkei zuletzt doppelt so viele Journalisten inhaftiert worden seien wie im vergangenen Jahr, mahnte die Ministerin. "Der Rechtsstaat muss eine kritische Recherche und Berichterstattung aushalten können, gerade darin zeigt sich seine Stärke."

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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