Politik

"Anschlussverwendung" noch offen FDP sucht den Königsmörder

DI10054-20120501.jpg6695386764889975556.jpg

Philipp Rösler steht der FDP erst seit einem Jahr vor - dem schlimmsten Jahr der Partei.

(Foto: dapd)

Führende Liberale scharren schon mit den Füßen und wetzen ihre Klingen. Doch wem sie das Schwert für den Königsmord in die Hand drücken, bleibt zur Stunde ihr großes Geheimnis. Allein das Opfer steht fest: Parteichef Philipp Rösler. Mit ihm wird man wohl nicht mehr in den bevorstehenden Bundestagswahlkampf ziehen.

Die Strategen der sogenannten Südschiene sollen sich nach übereinstimmenden Medienberichten auf eine Ablösung von FDP-Chef Philipp Rösler festgelegt haben. Ganz offensichtlich wollen die Liberalen nicht mehr mit ihm in den Wahlkampf 2013 ziehen, schreibt der "Spiegel". Die Gerüchte werden zielgenau vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein gestreut, bei der Meinungsforscher der schon totgesagten FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zutrauen. Zu denen, die Rösler stürzen wollen, zählen nach Angaben des Nachrichtenmagazins Minister, Landeschef und Präsidiumsmitglieder der Partei aus Baden-Württemberg, Bayern und Hessen.

"Königsmörder gesucht", schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Das Täterprofil wurde gleich mitgeliefert. Am Ende laufe es auf Wolfgang Kubicki hinaus. Der ewige Querulant von der Förde ist auf bestem Weg, mit einem fulminanten Ego-Wahlkampf die FDP aus dem Sumpf zu ziehen. Kubicki müsse Rösler unabhängig von den Wahlergebnissen in Kiel und eine Woche später in Nordrhein-Westfalen beibringen, dass er als Parteichef gescheitert sei, lautete die Schlussfolgerung.

Der Frosch hat es nicht gemerkt

DI10400-20120503.jpg8615476206301267338.jpg

Hat er erkannt, dass er (r.) diesmal die Rolle des Froschs spielt?

(Foto: dapd)

Diese Variante brachte am Wochenende die liberale Familie in Wallung. In hochrangigen Parteikreisen hieß es, niemand rechne derzeit mit einem Sturz Röslers. Fakt ist, dass der Parteichef in den vergangenen Landtagswahlkämpfen eher blass wirkte gegen das Power-Duo Lindner-Kubicki. Der Phönix und der Querulant haben den Frosch gekocht, ohne dass es dieser so recht merkte.

Glaubt man dem "Spiegel", dann könnte Fraktionschef Rainer Brüderle den Parteivorsitz übernehmen. Der 66-Jährige, der sich schon als Wirtschaftsminister nicht die Butter vom Brot nehmen ließ, genießt nun auch als Fraktionschef hohes Ansehen bei seinen Leuten.

Eine Lanze für Lindner

Zudem machte FDP-Übervater Hans-Dietrich Genscher seiner Partei zum zweiten Mal binnen weniger Wochen sehr deutlich klar, wer für ihn die strahlende Zukunft der Liberalen verkörpert: "Christian Lindner steht für eine neue, moderne, weltoffene FDP", sagte er. Für Rösler fand er indes keine warmen Worte.

Lindner habe die richtigen Konsequenzen aus der Strukturkrise gezogen. "Die neue FDP, mit dem von Lindner geforderten neuen Denken, vertritt eine neue Haltung, sie ist keine Ein-Mann-Show, und sie ist keine Ein-Themen-Partei", schwärmte Genscher, dessen Worte in der FDP Gewicht haben. Viele Liberale treibt die Sorge um, es sei ein zu großes Risiko, mit Rösler, dem laut ARD-Deutschlandtrend unbeliebtesten aller Spitzenpolitiker, in den Bundestagswahlkampf 2013 zu ziehen.

Weil die Liberalen für dieses Jahr keinen Parteitag mehr angesetzt haben, ist völlig offen, wann der Königsmord erfolgen könnte. So hofft mancher in der FDP, dass Rösler von sich aus das Feld räumt. Als Termin favorisiert der "Spiegel" eine Klausurtagung in Herbst, auf der der 39-Jährige zu Fall gebracht werden könnte.

So wie einst der Wirtschaftsminister von einer "lukrativen Anschlussverwendung für die Schlecker-Frauen" sprach, muss in diesem Fall auch über Rösler nachgedacht werden. Aber schließlich hat er einen echten Beruf und ist als Militärarzt vielseitig einsetzbar – nur eben nicht an der Spitze der FDP.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

Mehr zum Thema