Politik

Aids-Konferenz in Bremen HIV-Neuinfektionen steigen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Staatengemeinschaft zu einem konsequenten Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids aufgerufen. "Die Verantwortung darf nicht an einer Landesgrenze enden", sagte Merkel auf einer internationalen Aids-Konferenz am Montag in Bremen. Sie kündigte an, die HIV/Aids-Bekämpfung sowohl auf dem nächsten EU- als auch auf dem G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm thematisieren und in die jeweiligen Schlussfolgerungen aufnehmen zu wollen. Deutschland werde das Thema "nicht an die Seite drücken", sicherte die Bundeskanzlerin zu.

Der Kampf gegen die Krankheit sei eine "gesamtzivilisatorische Aufgabe", sagte Merkel und mahnte, das Thema müsse in vielen Staaten "aus der Tabuzone" geholt werden. In vielen Staaten fehle es nicht nur an Geld, sondern teilweise auch an der Kraft zur Vorbeugung. Europa habe "mit Sicherheit die Verantwortung", alles Denkbare zu tun, um der Krankheit zu Leibe zu rücken, betonte Merkel.

Weltwelt leben rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, davon rund 25 Millionen in Afrika südlich der Sahara. In Deutschland gibt es rund 56.000 HIV-Infizierte. Etwa 2.700 davon haben sich 2006 neu infiziert, 200 mehr als ein Jahr zuvor. An der Bremer Konferenz nahmen rund 600 Experten teil, darunter EU-Gesundheitsminister, der Chef des Aids-Bekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen, Peter Piot, sowie Vertreter von Nichtregierungsorganisationen.

Piot warnte vor einer zunehmenden und unbegründeten Sorglosigkeit auch in Westeuropa, ausgelöst durch neue Medikamente. Vor allem bei homosexuellen Männern stiegen die Infektionen stark an. In vielen Ländern seien sie seit 2000 um 15 Prozent nach oben gegangen. Auch bei Randgruppen, etwa bei Zuwanderern, stiegen die Infektionen an.

Zum Auftakt hatte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gefordert, die HIV/Aids-Bekämpfung müsse in der EU zur Chefsache werden. Ziel seien eine bessere Prävention und bezahlbare Behandlungsmöglichkeiten überall in Europa. HIV-Infizierte dürften nicht diskriminiert werden, sagte Schmidt. Weil Aids noch nicht heilbar sei, müsse man zudem alle Anstrengungen auf die Verhinderung der Ansteckung konzentrieren.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bezeichnete die Krankheit als eine "globale Katastrophe". "Wir werden HIV/Aids nur erfolgreich bekämpfen können und besiegen können, wenn wir das gemeinsam tun", sagte sie und forderte ebenso wie Schmidt eine enge Kooperation mit Hilfsorganisationen. Das Thema Aids werde die Menschen noch Jahrzehnte beschäftigen.

Mehrere Prominente sicherten dem Kampf gegen Aids ihre Unterstützung zu. "Das Gefahrenbewusstsein nimmt ab. Wir müssen noch besser aufklären", forderte die Schauspielerin Gudrun Landgrebe in Bremen. Der Fußballspieler Per Mertesacker befand, dass Aids in seiner Generation "eine abstrakte Krankheit" ist: "Der Schutz vor Aids muss so selbstverständlich werden wie Zähneputzen."

Quelle: ntv.de