Politik
Tausende Haitianer leben in Notunterkünften - und die Hurrikansaison steht bevor.
Tausende Haitianer leben in Notunterkünften - und die Hurrikansaison steht bevor.(Foto: dpa)
Donnerstag, 01. April 2010

Erwartungen werden übertroffen: Haiti bekommt Milliardenhilfe

Auf der internationalen Geberkonferenz für das von einem Erdbeben zerstörte Haiti sagen die Staaten und Organisationen Hilfen in Höhe von 7,4 Milliarden Euro zu. Das Geld soll für Infrastruktur und Gesundheitswesen, aber auch für einen politischen Neuanfang genutzt werden. Zu den größten Spendern zählen die USA und die EU - sowie Venezuela.

Knapp drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti stellt die internationale Gemeinschaft dem zerstörten Karibikstaat fast zehn Milliarden Dollar für den Wiederaufbau zur Verfügung. Allein für die kommenden zwei Jahre sagten die Teilnehmer einer Geberkonferenz in New York Hilfen in Höhe von 5,3 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) zu, wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mitteilte.

Über einen längeren Zeitraum soll Haiti den Angaben zufolge 9,9 Milliarden Dollar (7,4 Milliarden Euro) finanzielle Unterstützung erhalten. "Die Freunde Haitis haben unsere Erwartungen übertroffen", sagte Ban, der im Vorfeld der Konferenz 3,8 Milliarden Dollar für die kommenden 18 Monate als Hilfsziel ausgegeben hatte. Die internationale Gemeinschaft habe sich "spektakulär" an die Seite der Menschen in Haiti gestellt. "Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass das Geld in der gewünschten Zeit in Haiti ankommt und besonnen und koordiniert ausgegeben wird", sagte der UN-Generalsekretär.

Die Kinderhilfsorganisation UNICEF forderte vor der Konferenz, die Lebensbedingungen für Kinder zu verbessern.
Die Kinderhilfsorganisation UNICEF forderte vor der Konferenz, die Lebensbedingungen für Kinder zu verbessern.(Foto: dpa)

Durch das Erdbeben in Haiti am 12. Januar waren 220.000 Menschen ums Leben gekommen, 1,3 Millionen wurden obdachlos. Große Teile der Hauptstadt Port-au-Prince liegen in Trümmern. Die Schäden des Bebens werden auf acht Milliarden Dollar geschätzt - das ist weit mehr als Haitis jährliche Wirtschaftsleistung vor dem Erdbeben.

Zwei Milliarden Dollar aus Venezuela

An der eintägigen Geberkonferenz nahmen Vertreter von 138 Staaten, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen teil. Die größten Summen sagten die USA mit 1,15 Milliarden Dollar, die Europäische Union mit rund 1,6 Milliarden Dollar und die Interamerikanische Entwicklungsbank mit 2,2 Milliarden Dollar zu.

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Für einen Paukenschlag sorgte Venezuela, das Haiti fast 2,12 Milliarden Dollar versprach, wenn auch knapp die Hälfte davon über zehn Jahre verteilt. Brasilien legte für den Wiederaufbau Haitis 172 Millionen Dollar auf dem Tisch, vor allem für das Gesundheitswesen. Kanada stellte rund 390 Millionen Dollar bereit. Die Weltbank gab bekannt, ihre Hilfszusagen um 250 Millionen Dollar auf 479 Millionen Dollar bis Juni 2011 aufzustocken.

Viele Privatspenden aus Europa

Für Deutschland weist die EU einen Anteil von gut 53 Millionen Dollar aus. Knapp hinter Italien mit 54 Millionen ist Deutschland damit das EU-Mitglied mit dem viertgrößten Anteil. "Es geht bei den Spenden der einzelnen Länder nicht um einen Wettbewerb", sagte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton auf die Frage, ob der deutsche Anteil nicht zu gering sei. Mehr als ein Drittel des EU-Geldes kommt aus dem Haushalt der Europäischen Kommission, den die Deutschen zu einem Fünftel füllen. Damit kommen zu den 53 Millionen Dollar aus Deutschland indirekt noch einmal gut 120 Millionen hinzu.

Die Europäer können nach Angaben der EU noch zusätzlich fast 650 Millionen Euro nach Haiti schicken, die privat gespendet wurden. Dabei kommt mit 195 Millionen der mit Abstand größte Teil aus Deutschland. In Relation zur Einwohnerzahl werden die Deutschen aber zum Beispiel erneut von den Niederländern übertroffen, die 68 Millionen Euro sammelten. Jeder Deutsche gab damit im Schnitt gut 2,30 Euro, jeder Niederländer aber 4,12 Euro. Am großzügigsten zeigten sich aber die Luxemburger, die im Schnitt 9,12 Euro spendeten.

Grundlegender Neuaufbau geplant

Vertreter von 138 Staaten, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen trafen sich in New York.
Vertreter von 138 Staaten, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen trafen sich in New York.(Foto: dpa)

Vertreter der Geberländer betonten die Notwendigkeit, die Hilfen für einen grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Neubeginn in Haiti zu nutzen. Haiti zählte bereits vor dem Beben zu einem der ärmsten - und nach Einschätzung vieler Experten am schlechtesten regierten - Länder der Erde. "Es wird verlockend sein, wieder in alte Gepflogenheiten zurückzufallen", warnte US-Außenministerin Hillary Clinton. "Wir dürfen aber nicht zu den gescheiterten Strategien zurückkehren."

Haitis Regierung stellte in New York einen "Aktionsplan für nationalen Wiederaufbau und Entwicklung" vor, wobei der Wiederaufbau staatlicher Institutionen und Strukturen im Mittelpunkt stehen soll. Der haitianische Präsident René Préval sprach sich auch für die Gründung einer humanitären Eingreiftruppe der UNO aus, die den Namen "Rothelme" tragen und nach verheerenden Naturkatastrophen zum Einsatz kommen könnte.

Deutschland wurde auf der Konferenz vom deutschen Botschafter bei der UNO vertreten, Entwicklungsminister Dirk Niebel reiste nicht nach New York. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Entwicklung, Dagmar Wöhrl, sagte im SWR, Deutschland habe direkt, über die EU und über die Weltbank bislang knapp 180 Millionen Euro für Haiti bereitgestellt.

Quelle: n-tv.de