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13 Jahre Kampf in Afghanistan Hat sich der Isaf-Einsatz gelohnt?

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Bundeswehrsoldaten im Einsatz für die Nato Response Force, der schnellen Einsatztruppe des Militärbündnisses.

(Foto: REUTERS)

Die Isaf-Mission endet. Politiker, Hilfsorganisationen und Militärs sprechen von einem Erfolg. Die Deutschen sind noch nicht überzeugt.

Als Gerhard Schröder am 22. Dezember 2001 den Bundestag um Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz bat, klang alles nach einer überschaubaren Mission. Von einer "Friedenstruppe" mit bis zu 5000 deutschen Soldaten sprach der damalige Bundeskanzler. Er sprach auch von einem zeitlich begrenzten Mandat. Von sechs Monaten war die Rede.

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55 deutsche Soldaten verloren im Einsatz in Afghanistan ihr Leben.

(Foto: REUTERS)

Heute gilt: Der Einsatz der Internationalen Schutztruppe (Isaf) war vieles, nur nicht überschaubar. Die deutsche Beteiligung dauerte nicht ein halbes, sondern 13 Jahre. Es nahmen nicht 5000, sondern insgesamt 135.000 deutsche Soldaten daran teil. 55 von ihnen verloren am Hindukusch ihr Leben, Tausende kamen traumatisiert in ihre Heimat zurück. Haben sich die Entbehrungen und Opfer, die mit diesem Einsatz einhergingen, gelohnt? In der deutschen Gesellschaft klaffen die Meinungen über den Erfolg der Mission weit auseinander.

Der deutsche Bundestag stand, zumindest abgesehen von der Linkspartei, stets hinter der Mission. Bei der letzten Verlängerung des Mandats Anfang 2014 stimmten 83 Prozent der Abgeordneten dafür. Laut Rainer Arnold, Sprecher der SPD im Verteidigungsausschuss, gibt es zwei entscheidende Kriterien, an denen sich der Erfolg der Mission bemisst. Erstens: Ist es gelungen, Afghanistan davor zu bewahren, ein zerfallener Staat zu werden, in dem Terroristen einen Rückzugsort behalten? Zweitens: Hat die Mission den Afghanen dabei geholfen, ihr Gemeinwesen besser zu organisieren? Arnold antwortet auf diese Fragen im Gespräch mit n-tv.de: "Beide Ziele sind erreicht".

16.000 "sicherheitsrelevante Vorfälle"

Arnold kann sich mit seiner Einschätzung auf Statistiken stützen. So ist etwa die Zahl sogenannter "sicherheitsrelevanter Zwischenfälle" gesunken. Von Ruhe kann allerdings noch lange keine Rede sein. Laut dem jüngsten Fortschrittsbericht Afghanistan der Bundesregierung ging ihre Zahl allein im vergangenen Jahr zwar um mehr als 20 Prozent zurück. Es blieben aber noch immer mehr als 16.000 Vorfälle - darunter etliche mit tödlichem Ausgang für Zivilisten, Isaf-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte.

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Afghanische Kräfte haben die Sicherheitsverantwortung für das Land offiziell bereits übernommen. Nach der chauvinistischen Herrschaft der Taliban ist der Einsatz von Frauen etwas Besonderes.

(Foto: REUTERS)

Arnold gibt sich hier pragmatisch: "Was nicht erreicht wurde, ist, dass dieses Land sicher und stabil geworden ist. Aber gegen Aufständische, die mit Selbstmordattentaten und Sprengfallen arbeiten, kann auch die stärkste Armee nicht siegen. Das kann man allenfalls eindämmen, aber nicht überwinden."

Ähnlich sieht das Bundeswehr-Generalleutnant Carsten Jacobson. Isaf-Ziel sei gewesen, die Bildung einer afghanischen Regierung zu ermöglichen, einheimische Sicherheitskräfte aufzubauen und die Verantwortung an diese zu übergeben, sagt er der dpa. "Dieser Auftrag der Isaf ist zu 100 Prozent erfüllt."

Ohne den militärischen und politischen Nutzen des Einsatzes bewerten zu wollen, zeichnet Simone Pott von der Welthungerhilfe ebenfalls ein optimistisches Bild: "Die humanitäre Situation hat sich bis zu einem gewissen Grad verbessert", sagt sie n-tv.de. "Es gibt mehr Schulen. Die Lebenserwartung ist von 42 auf 49 Jahre gestiegen. Es gibt besseren Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen. Insgesamt hat sich die Infrastruktur verbessert." Auch Pott schränkt ihren Optimismus aber ein. "Man muss sagen: Afghanistan ist immer noch eines der ärmsten und eines der am wenigsten entwickelten Länder." Zudem sei die Zahl der Binnenvertriebenen zuletzt stark gestiegen.

Sechs von zehn Bürgern zweifeln am Erfolg

Unter Bürgern der Bundesrepublik überwiegt dagegen die Skepsis. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagen sechs von zehn Deutschen: Der Einsatz hat sich nicht gelohnt. Demnach steht auch die Mehrheit der Ausbildungs- und Beratungsmission "Resolute Support", die auf den Isaf-Einsatz folgen soll, kritisch entgegen.

Die Bundeswehr wird von 2015 an mit bis zu 850 Soldaten afghanische Sicherheitskräfte schulen und Personal auf Stabsebene beraten. Das wirkt zunächst überschaubar. Aus dem Bundestag heißt es allerdings schon: Das Mandat - das Parlament hat es am 18. Dezember beschlossen - ist "auf Kante genäht". Und es heißt: Weil mit Georgien ein internationaler Partner seinen Verpflichtungen Anfang 2015 wohl nicht restlos nachkommen werde, wird Deutschland zu Beginn eher 1000 statt 850 Soldaten stellen müssen.

Quelle: n-tv.de

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