Politik
Tripolis, 26. März: Ein Mitarbeiter des Informationsministeriums führt Al-Obaidi ab.
Tripolis, 26. März: Ein Mitarbeiter des Informationsministeriums führt Al-Obaidi ab.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Montag, 09. Mai 2011

Zwei Tage gefoltert und vergewaltigt: Iman al-Obaidi entkommt

Iman al-Obaidi, die Libyerin, die Ende März in ein Hotel stürmte, um den dort anwesenden ausländischen Journalisten von ihrer Leidensgeschichte zu erzählen, flieht mit der Hilfe eine Offiziers nach Tunesien. Mit Hilfe europäischer Diplomaten hält sie sich in Tunis versteckt.

Die junge Frau, die vor acht Wochen nach eigenen Angaben von Soldaten des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi vergewaltigt worden war, ist über die Grenze nach Tunesien geflohen. In Libyen habe sie sich nicht mehr sicher gefühlt, sagte Iman al-Obaidi dem US-Sender CNN. Sie habe die libysche Hauptstadt Tripolis im Wagen eines Armeeoffiziers verlassen, der selbst auf der Flucht gewesen sei.

Die Libyerin war international bekannt geworden, als sie Ende März in das Hotel in Tripolis stürmte, in dem die ausländischen Journalisten untergebracht sind. Ihnen berichtete sie von ihrer Vergewaltigung. Demnach war sei an einer Straßensperre verschleppt worden. Anschließend habe man sie zwei Tage lang eingesperrt und gefoltert. Nach eigenen Angaben wurde sie von 15 Männern vergewaltigt.

Geheimdienst-Spitzel, die die Journalisten und das Hotel rund um die Uhr überwachen, mischten sich ein und verschleppten die Frau. Nach drei Tagen kam sie wieder frei. Wegen des Vorfalls im Hotel sei sie aber immer wieder von Beamten und Regimeanhängern beschimpft worden, hatte sie damals berichtet.

Voll verschleiert

Ihre traurige Geschichte und ihr Mut, unter der Gaddafi-Diktatur offen darüber zu sprechen, machte die Frau zu einer Symbolfigur für die Regimegegner. Auch ihre Eltern, die in Tobruk in dem von den Aufständischen kontrollierten Osten des Landes leben, äußerten Stolz auf ihre Tochter.

Die Überfahrt nach Tunesien beschrieb Al-Obaidi gegenüber CNN als anstrengend. In dem Fahrzeug des Offiziers, das in Libyen an mehreren Kontrollpunkten angehalten wurde, habe sie in voller Verschleierung gesessen. Dadurch sei sie nicht weiter aufgefallen. Der Offizier habe über Sondergenehmigungen verfügt, die ihm die Fahrt an die Grenze mit seiner Familie ermöglichten.

Europäische Diplomaten holten sie am tunesischen Grenzübergang Dehiba ab und brachten sie an einen sicheren Ort in Tunis, hieß es in dem CNN-Bericht. Dort denke sie derzeit darüber nach, ob es für sie sicher sei, zu ihren Eltern zu fahren. "Ich weiß noch nicht, was ich machen werde. Natürlich würde ich gern meine Familie sehen." CNN zufolge steht ein Team von Diplomaten Al-Obaidi zur Seite. Frankreichs Präsident Nikolas Sarkozy habe ein großes Interesse an ihrem Fall signalisiert.

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Quelle: n-tv.de