Politik

"Europa ist destabilisiert"Iran-Krieg kann Wachstumshoffnungen zunichtemachen

09.03.2026, 16:08 Uhr
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Wirtschaftlich stehen die Zeichen auf Unruhe, sagt die Expertin für internationale Politik, Daniela Schwarzer. Vor allem Europa sei davon betroffen. Die Begründungen von US-Präsident Trump für den Iran-Krieg sieht sie vor allem innenpolitisch motiviert.

Die Auswirkungen des Iran-Kriegs sind in Europa bereits zu spüren - vor allem an der Zapfsäule. Dazu kommen Unruhen an den Börsen. "Es wird bereits spekuliert, ob die Zentralbank ihren Leitzins wird erhöhen müssen", sagt die Politologin Daniela Schwarzer bei ntv.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht zeige sich: "Definitiv ist Europa destabilisiert", sagt Schwarzer, Expertin für internationale Politik und Wirtschaft sowie Mitglied des Vorstands der Bertelsmann-Stiftung. Das gelte auch für die USA, auch wenn die Abhängigkeiten dort geringer seien.

"Die Zeichen stehen im Moment auf jeden Fall auf Unruhe." Erhöhte Energiepreise würden die Wirtschaft schwächen und das Wachstum belasten. "Aber es ist auch die Volatilität, die der Volkswirtschaft zu schaffen macht. Denn je mehr Unruhe geopolitischer Natur wir weltweit haben, desto weniger sicher sind Investitionen, desto mehr hält man sie zurück." Dies könne dazu führen, dass auch in Deutschland die Wachstumshoffnungen zunichtegemacht werden.

Schon jetzt gebe es die Sorge vor neuen Migrationsströmen. Deshalb habe Europa ein großes Interesse daran, die Region zu stabilisieren. US-Präsident Donald Trump allerdings habe Europa immer wieder zu verstehen gegeben, dass sie sich aus der Außenpolitik der USA heraushalten sollten, so Schwarzer. "Es sei denn, es geht um die Ukraine, da möchten die USA Europa sehr viel mehr Verantwortung übergeben."

Als Motiv für den Angriff auf den Iran habe Trump "immer wieder unterschiedliche Begründungen ins Feld geführt", sagt die Expertin. Zunächst habe er gesagt, er wolle die Menschen im Iran unterstützen und für Demokratisierung sorgen. "Dann ging es mal um die Sicherheitslage der Vereinigten Staaten, die nukleare Bedrohung, die er im Iran sieht, und auch die Bedrohung auf Israel. Dann ging es immer mal wieder um Ölversorgung." Insgesamt sei von Trump "ein ganzes Potpourri an Gründen" angeführt worden.

Schwarzer geht davon aus, dass die unterschiedlichen Begründungen vor allem von der innenpolitischen Diskussion in den Vereinigten Staaten beeinflusst ist. "Denn dort ist er auch im eigenen politischen Lager hinterfragt worden, sogar öffentlich unter Druck geraten. Und es wird deutlich in Frage gestellt, warum er diesen Krieg, der eine ganze Region destabilisiert und langfristige Folgen haben kann, auf diese Art und Weise angezettelt hat."

Quelle: ntv.de, nba/hvo