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Donnerstag, 31. Oktober 2013

US-Botschafter Emerson im Interview: "Ja, wir haben Elektronik in diesem Gebäude"

Der Botschafter der USA in Berlin steht unter Druck - von dem Dach seines Dienstgebäudes aus soll unter anderem Bundeskanzlerin Merkel ausgespäht worden sein. Im Interview mit n-tv.de äußert sich John B. Emerson zu den mysteriösen Aufbauten - und ob Präsident Obama davon wusste.

n-tv.de: Herr Botschafter, Medienberichten zufolge ist die US-Amerikanische Botschaft im Herzen Berlins ein regelrechtes Agentennest. Können Sie das bestätigen? Und falls nicht, dürfen wir uns hier einmal etwas umsehen, vor allem auch unter dem Dach?

John B. Emerson: Bevor ich Ihre Frage beantworte, lassen Sie mich folgendes sagen. Wir verstehen voll die Intensität der Reaktionen, nicht nur in der deutschen Regierung, sondern auch in der deutschen Bevölkerung, über die verschiedenen Anschuldigungen gegen die NSA, vor allem aus jüngster Zeit. Ich habe das nach Washington auf höchster Ebene kommuniziert. Das Weiße Haus und die amerikanische Regierung nehmen das sehr ernst.

Aber zurück zu meiner Frage. Ist dieses Gebäude sauber? Oder wird es auch zur Spionagetätigkeit genutzt? Es existieren mysteriöse Aufbauten auf dem Dach, die sich diversen Berichten zufolge hervorragend zum Ausspähen eignen.

Ja, wir haben hier Elektronik in diesem Gebäude, so wie Sie es auch in ihrem TV-Studio haben. Fakt ist: Jede Botschaft auf der Welt ist ein Kommunikationsvehikel, Nachrichten gehen ein und aus, wir haben Satellitenschüsseln, um TV-Signale zu empfangen, genau wie bei Ihnen auch. Ich würde nicht allzu viel geben auf Berichte, nach denen sich auf dem Dach der Botschaft Elektronik befindet. Fakt ist, jede Botschaft auf der Welt besitzt Elektronik. Soweit ich weiß, wird in diesem Gebäude das Gesetz nicht gebrochen.

Aber warum spionierten die USA ihre Freundin, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus? Vor zwei Jahren erhielt sie die Freiheitsmedaille des Präsidenten im Weißen Haus. Gleichzeitig trauten Sie ihr offensichtlich nicht und hörten ihre Telefongespräche ab.

Der Präsident hat eine Untersuchung angeordnet, um sicherzustellen, dass wir den Unterschied verstehen zwischen Dingen, die technologisch machbar sind, und Dingen, die man machen sollte, vor allem dann, wenn es um Freunde und Verbündete geht.

Wie ist es möglich, dass der Präsident nicht wusste, dass die USA 35 Staats- und Regierungschefs ausspionieren? Erhält er nicht jeden Tag ein Sicherheitsbriefing, bei dem genau über solche Angelegenheiten gesprochen wird?

Ich werde sicherlich nicht über die Natur dieser Briefings berichten. Ich kann aber ganz allgemein sagen, dass der Chef jeder großen Organisation abhängig ist von Mitarbeitern, die Informationen filtern, bevor sie zum Vorgesetzten gelangen.

Herr Botschafter, vielen Dank.

Mit John B. Emerson sprach Christian Wilp

Quelle: n-tv.de