Politik

Übersetzungsprobleme Jungfrau oder junge Frau?

Für die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ist die landläufige Vorstellung der Jungfrauengeburt Jesu überholt. "Es handelt sich für viele Christen um einen Stolperstein beim Verständnis der Weihnachtsgeschichte", sagte die evangelische Landesbischöfin.

Die historisch- kritische Bibelforschung habe dargelegt, dass es sich um ein Übersetzungsproblem handele. "In der damaligen hebräischen Welt des Jesaja, den Matthäus zitiert, bedeutet der Begriff ganz einfach eine junge Frau." Das habe nichts mit der Vorstellung sexueller Unberührtheit zu tun. "Dies kam erst später bei der Übersetzung in die griechische Gedankenwelt in den Bibeltext und ist nur in dem einen Evangelium als Vorstellung zu finden. "

Die evangelische Landesbischöfin fügte hinzu: Ich habe mit dem Begriff Jungfrau keine Probleme. Für mich ist Maria eine junge Frau, die auf wundersame Weise die Mutter des Gottessohnes wurde. Eine junge Frau, die insofern Jungfrau war, als sie offen war für Gottes Heiligen Geist. "Dies ändere aber nichts daran, dass die Geburt Jesu für Christen auch weiterhin ein Geheimnis bleibt, das wir nie vollkommen begreifen werden".

Käßmann räumte weiter ein, das die traditionelle Darstellung der Jungfräulichkeit auch eine Ursache der früheren Sexualfeindlichkeit in den Kirchen gewesen sei. "Es gab eine Aufspaltung in die sündige Welt, die andere für die unbefleckte Empfängnis." Zugleich wandte sich die Bischöfin dagegen, die christliche Weihnachtsgeschichte zu versüßen und zu verkitschen. "Das Weihnachtsereignis ist keine romantische Geschichte. Es ist eine sehr brutale Geschichte. Eine Geburt mitten im Stall. Das erinnert schon eher an Flüchtlinge, an Elend und an arme Menschen heute. "

Quelle: n-tv.de