Politik
Donnerstag, 04. Oktober 2007

Friedenserklärung: Kim und Roh einig

Mehr als 50 Jahre nach dem Korea-Krieg (1950-53) wollen Süd- und Nordkorea eine neue Friedensordnung auf der koreanischen Halbinsel schaffen. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il und der südkoreanische Präsident Roh Moon Hyun setzten nach dreitägigen Gesprächen in Pjöngjang ihre Unterschrift unter das Dokument.

Beide Seiten bekunden darin ihren Willen, das Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung des Koreakriegs von 1953 letztendlich durch einen Friedensvertrag zu ersetzen. Laut der Erklärung wollen Nord- und Südkorea künftig eng zusammenarbeiten, um die militärischen Feindseligkeiten auf der koreanischen Halbinsel zu beenden und den Frieden zu sichern. Beide Seiten vereinbarten ferner, sich häufiger zu Gipfelbegegnungen zu treffen. Ein Zeitrahmen wurde aber nicht genannt.

Ihre Wirtschaftsbeziehungen wollen Nord- und Südkorea mit einem regelmäßigen Güterverkehr auf der Schiene über die immer noch stark gesicherte Grenze hinweg verbessern. Außerdem vereinbarten sie eine gemeinsame Fischereizone entlang der zwischen beiden Staaten strittigen Seegrenze.

Von großer Symbolkraft

Nach der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung schüttelten die beiden Staatschefs vor den Fotografen die Hände. Der südkoreanische Präsident Roh ergriff danach mit seiner linken Hand Kims rechte Hand und streckte seinen und Kims Arm wie bei Boxern in die Höhe.

Sport als verbindendes Element

Süd- und Nordkorea wollen zumindest ein gemeinsames Aufgebot an Zuschauern zu den Olympischen Spielen 2008 nach Peking senden. Nachdem Verhandlungen über eine gemeinsamen Mannschaft in der Vergangenheit immer wieder gescheitert sind, einigten sich beide Länder am Rande des Gipfeltreffens zwischen Nordkoreas Diktator Kim Jong Il und Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun auf die Zusammenführung der Fans. Die Gruppe soll mit dem Zug im kommenden Jahr gemeinsam nach China reisen.

"Diese Mauer wird fallen"

Der Besuch Rohs hatte am Dienstag in unterkühlter Atmosphäre begonnen. Dabei kamen die beiden Präsidenten lediglich zu einer zwölfminütigen Begrüßungszeremonie zusammen. Roh legte die 200 Kilometer weite Fahrt von Seoul nach Pjöngjang mit dem Auto zurück. An der Grenze zum Norden unterbrach er die Reise und überschritt bei Stadt Kaesong zu Fuß die Demarkationslinie, die dort ein gelber Streifen mit der Aufschrift "Frieden" und "Wohlstand" markiert. "Diese Linie ist eine Mauer, die unsere Nation seit einem halben Jahrhundert geteilt hat", sagte Roh. "Diese Mauer wird fallen."

Atomstreit beendet

Nach jahrelangem Tauziehen um Nordkoreas Atomwaffenprogramm gibt es einen Durchbruch: Bis zum Jahresende macht der stalinistische Staat seinen umstrittenen Nuklearkomplex in Yongbyon unbrauchbar. Ferner will Pjöngjang bis dahin sein Atomprogramm "vollständig und korrekt" offenlegen.

Auf diesen Aktionsplan haben sich alle Teilnehmer an den Sechs-Länder-Gesprächen mit Nordkorea geeinigt. Gastgeber China veröffentlichte in Peking das Abschlussdokument der bereits am Sonntag beendeten Verhandlungsrunde. Im Gegenzug erhält das verarmte Nordkorea umfangreiche Wirtschafts- und Energiehilfen.

Die nach zähem Ringen gefundene Einigung im Atomstreit wurde zeitgleich mit dem historischen, zweiten innerkoreanischen Gipfeltreffen zwischen Militärmachthaber Kim Jong Il und Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun in Pjöngjang veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de