Politik

Wie viel Text umfasst ein "Snippet"? Lex Google bleibt vage

Nach heftiger Kritik auch aus den eigenen Reihen hat die Regierungskoalition in aller Eile den Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage noch einmal geändert. Textanrisse sollen nun lizenzfrei bleiben. Doch die Definition ist schwammig. Und der Streit geht weiter.

Die Zeitungs- und Zeitschriftenbranche will die Suchmaschinen zur Kasse bitten.

Die Zeitungs- und Zeitschriftenbranche will die Suchmaschinen zur Kasse bitten.

Die schwarz-gelbe Koalition will offenbar dem geplanten Leistungsschutzrecht für Presseverlage im Internet die Schärfe nehmen. "Einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte" sollten nicht von dem Gesetz betroffen sein, sagte der FDP-Netzpolitiker Manuel Höferlin. Auf einen entsprechenden Änderungsvorschlag hätten sich Rechtspolitiker von FDP und Union verständigt.

Damit würden die kurzen Textanrisse, die Suchmaschinen in ihren Ergebnislisten anzeigen, nicht mehr unter das Gesetz fallen. Eine konkrete Textlänge, die künftig lizenzfrei von Suchmaschinen und News-Aggregatoren zitiert werden darf, wird in der neuen Regelung allerdings nicht genannt.

"Besuch der Originalseite" soll "nötig" bleiben

 "Mir war wichtig, dass man eine Lösung findet, die die Darstellung des Suchergebnisses ermöglicht, ohne dass der Besuch der Originalseite unnötig wird", sagte Höferlin. Der Regierungsentwurf soll nun vom Rechtsausschuss des Bundestages beschlossen und am Freitag dann im Parlament verabschiedet werden.

Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz kritisierte das Vorgehen der Regierungskoalition: "Das ist eine wesentliche Änderung des Gesetzes zum Leistungsschutzrecht und dazu muss es eine neue Anhörung geben", schrieb von Notz bei Twitter.

"Snippet" = "Thumbnail"?

Höferlin betonte, das Leistungsschutzrecht solle sich an den Regeln zur Bildersuche im Internet orientieren. Der Bundesgerichtshof hatte Ende 2011 entschieden, dass die Suchmaschine Google Vorschaubilder ("Thumbnails") in ihren Suchergebnissen anzeigen darf.

Bei Texten sollten die Auszüge ("Snippets") durchaus mehr als die Überschrift und den Link zur Textquelle enthalt dürfen, sagte Höferlin. Damit könnten die Anwender sich bei der Internetsuche besser orientieren. Das Leistungsschutzrecht ziele in dieser Fassung vor allem auf Dienste, die komplette Zeitungsinhalte im Internet sammeln.

Das Leistungsschutzrecht in seiner ursprünglichen Form war von Internetfirmen wie Google und Branchenverbänden entschieden abgelehnt worden. Auch etliche Rechtsexperten äußerten verfassungsrechtliche Bedenken und bezweifelten die praktische Umsetzbarkeit.

Die Verleger begrüßen dagegen ein Leistungsschutzrecht, weil sie meinen, dass Internet-Konzerne und News-Aggregatoren - allen voran der US-Konzern Google - mit ihren Inhalten Geld verdienen, ohne sie angemessen an damit verbundenen Erlösen zu beteiligen. Stellungnahmen von Google und den Verlegerverbänden zu dem veränderten Gesetzentwurf liegen derzeit noch nicht vor.

Quelle: ntv.de, tle/dpa