Politik

"Erstaunliche Offenheit"Köhler in China

07.09.2008, 12:04 Uhr

Nach den diplomatischen Irritationen zwischen China und Deutschland wird der Dialog über Menschenrechtsfragen fortgesetzt. Bundespräsident Köhler sprach von einer "erstaunlichen Offenheit" Chinas bei diesen Themen.

China will ungeachtet mancher Irritationen im Verhältnis mit Deutschland die Zusammenarbeit ausbauen. Auch der Dialog über Menschenrechtsfragen soll fortgesetzt werden. Nach einem 45-minütigen Gespräch mit Staats- und Parteichef Hu Jintao in Peking zeigte sich Bundespräsident Horst Köhler "sehr zufrieden".

"Der Präsident hat gezeigt, dass China eindeutig an einer Vertiefung der Beziehungen interessiert ist", sagte Köhler.

Paralympics bevorzugt

Bei der Unterredung in der Großen Halle des Volkes erklärte Köhler dem Präsidenten auch, warum er nicht zu den Olympischen Spielen, sondern zu den Paralympischen Spielen gekommen sei. Er habe sich so entschieden, "um den Menschen mit Behinderungen besondere Aufmerksamkeit zu geben", sagte Köhler, der selbst eine sehbehinderte Tochter hat. In seiner Amtszeit hat der Bundespräsident bisher alle paralympischen Spiele besucht.

Die Abwesenheit hohen Besuches aus Deutschland bei der Olympia-Eröffnung, zu der rund 80 ausländische Staats- und Regierungschefs angereist waren, hatte in China nach den Boykott-Diskussionen um das Vorgehen in Tibet zu leichten Irritationen geführt, auch wenn Chinas Regierung nie eine Verstimmung zu erkennen gegeben hatte.

Peking ist die letzte Station der Asienreise des Bundespräsidenten, der zuvor Kasachstan und die Mongolei besucht hatte. Köhler reist am Montag nach Deutschland zurück.

Überraschende Äußerungen

Nach dem Gespräch mit Hu Jintao über die Menschenrechte zeigte sich Köhler erstaunt über dessen Offenheit. Der Präsident habe gesagt, China wolle "den Weg menschenrechtlicher Verbesserungen weitergehen und den Dialog darüber fortsetzen". "Eine harmonische Gesellschaft muss immer auch das Individuum im Blick haben", zitierte ihn Köhler weiter. "Mich haben die Äußerung von Hu Jintao in dieser Deutlichkeit überrascht", sagte Köhler, der anschließend deutsche Sportler im Paralympischen Dorf und Wettbewerbe besuchte.

Köhler lobte die chinesischen Organisatoren, die den Paralympics "die gleiche technische und politische Aufmerksamkeit schenken wie den Olympischen Spielen". Zur Förderung der Behinderten und ihres Sports in Deutschland sagte Köhler, der Leistungssport werde immer mit viel Aufwand betrieben, egal ob Athleten behindert seien oder nicht.

Dabei stiegen auch die Kosten. "Aber Geld ist nichts das Wichtigste", sagte Köhler. "Das Wichtigste ist, dass Behinderte in der Gesellschaft wahrgenommen werden mit den gleichen Emotionen und dem gleichen Leistungswillen."