Politik

Zu viele Atomphysiker und Ärzte Kuba braucht Arbeiter

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Kuba mangelt es an Bauern, die Lebensmittel produzieren.

dpa

Kuba will die sozialistische Staatswirtschaft Schritt für Schritt reformieren. Über eine Million Staatsangestellte sollen in einer noch nicht vorhandenen Privatwirtschaft eine Arbeit finden. Dazu müssen sie aber erst noch befähigt werden.

Der aus sozialistischen Ländern bekannte Satz "Wir tun so, als ob wir arbeiten, und die tun so, als ob sie uns bezahlen" soll auch in Kuba bald der Vergangenheit angehören. Im kommenden Jahr werden wohl mehr als eine Million Kubaner ihre schlecht bezahlten und unproduktiven Stellen in den Staatsbetrieben verlieren. Sie sollen eine Arbeit in der Privatwirtschaft bekommen. Damit verfolgt die Regierung das Ziel, die lahmende Wirtschaft vor dem Ruin zu bewahren und das sozialistische Modell zu retten.

Eine freie Wirtschaft gibt es allerdings in Kuba nicht mehr, seit Revolutionsführer Fidel Castro von rund 50 Jahren auf der Karibikinsel den Kommunismus einführte und fast die gesamte Wirtschaft verstaatlichte. Nur wenn Kuba in Not geriet, wie Anfang der 90er Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa, ließ die Regierung Privatinitiative sehr eingeschränkt zu. Doch dieses Mal ist die Krise so schwer, dass die Regierung mit langfristigen Wirtschaftsreformen dem Niedergang entgegensteuert.

Zu wenig Bauern und Handwerker

Aber es fehlen die Menschen, die den Reformen Leben verleihen könnten. Es gibt zu wenig Bauern, die Lebensmittel produzieren, es fehlen die Handwerker, die in größerer Zahl Häuser bauen oder renovieren können, es fehlen Ingenieure, Verwaltungsfachleute und Manager, die moderne Privatbetriebe führen oder Ortschaften, Städte und Gebiete verwalten könnten. "Heute verlangt unser Land, dass wir mehr Techniker und Arbeiter heranziehen", sagte der Schulleiter Roberto Bosch vor wenigen Tagen in der Parteizeitung "Granma".

Kuba hat mit seinem Bildungssystem jahrzehntelang an den Bedürfnissen und Notwendigkeiten vorbei ausgebildet: Zu viele Ärzte, von denen die Mehrzahl ins Ausland geschickt wird, zu viele Intellektuelle, Physiker, Chemiker und Biologen, die die kleine Insel in dieser Zahl nicht sinnvoll einsetzen konnte und kann.

Atomphysiker im Taxi

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Die Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte ist schwierig. Es fehlen die Lehrer.

(Foto: dpa)

Erst in den vergangenen Tagen war aus dem Munde Fidel Castros selbst zu erfahren, dass der Direktor des Aquariums von Havanna, Guillermo García, ein Atomphysiker ist. "Wir haben ihn hierher gesetzt, damit er keine Atombomben baut", scherzte Fidel dem staunenden amerikanischen Journalisten Jeffrey Goldberg zu. Viele Menschen in Kuba haben die Fehlentwicklung längst begriffen, wenn sie etwa einen Handwerker brauchen, aber keinen finden.

"Es muss nun Schluss sein mit der Heranziehung von Atomphysikern", sagte etwa Carlos Blanco, ein Einwohner von Havanna, der mexikanischen Zeitung "Reforma". "Was wir brauchen, sind Wohnungen, Lebensmittel und gut ausgebildete Lehrer." Blanco hat in den 80er Jahren in der Sowjetunion Atomphysik studiert und ist jetzt Taxifahrer. In Kuba gibt es keine Atomindustrie mehr. Der zu Sowjetzeiten begonnene Bau eines Kernkraftwerkes in Juaragua wurde schon 1992 eingestellt.

Lehrer fehlen

So hat die Führung des Landes jetzt beschlossen, das Bildungssystem zu reformieren und es an den wirklichen Bedürfnissen des Landes auszurichten. Das Ziel ist, mehr qualifizierte Arbeitskräfte zu hervorzubringen, das Niveau der Universitäten anzuheben, und die Kosten zu "optimieren", die der Staat für die vielen Studenten aufbringen muss.

Das bedeutet, künftig sollen möglichst nur diejenigen zur Universität gehen, die das Talent dazu haben. Der obligatorische Landaufenthalt, den die Jugendlichen nach der Mittelstufe, aber vor der Universität drei Jahre absolvieren mussten, wurde bereits abgeschafft.

Dass die Ausbildung von Fachkräften sehr schwierig sein wird, ist den Kubanern klar: Es fehlen auch die Lehrer, die dazu in der Lage sind, etwa Bauern und Arbeitern ihr Handwerk beizubringen.

Quelle: n-tv.de, Franz Smets, dpa