Politik

Pisa-Studie 2009 Lesekompetenz: Handysicherheit

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kernaussage

Ende der 1990er Jahre erschienen widersprüchliche Berichte über die gesundheitlichen Risiken von Handys. Millionen von Euro sind bis jetzt in die wissenschaftliche Forschung investiert worden, um die Auswirkungen von Handys zu untersuchen.

Sind Handys gefährlich?

JaNein

1. Funkwellen, die vom Handy ausgestrahlt werden, können Körpergewebe erwärmen und Schäden verursachen.

Funkwellen sind nicht stark genug, um dem Körper durch Wärme Schaden zuzufügen.

2. Die durch Handys erzeugten Magnetfelder können die Funktionsweise der Körperzellen beeinflussen.

Die magnetischen Felder sind unglaublichschwach und es ist unwahrscheinlich, dass sie die Zellen in unserem Körper beeinflussen.

3. Menschen, die mit dem Handy lange Telefongespräche führen, klagen manchmal über Erschöpfung, Kopfschmerzen und verminderte Konzentrationsfähigkeit.

Diese Auswirkungen wurden im Labor noch nie beobachtet und können auch auf andere Faktoren des modernen Lebensstils zurückzuführen sein.

4. Für Handybenutzerinnen und -benutzer besteht ein 2,5mal größeres Risiko, an einem Gehirntumor in der Nähe des Handy-Ohrs erkranken.

Forscherinnen und Forscher geben zu, dass es unklar ist, ob dieser Anstieg direkt mit dem Gebrauch von Handys zusammenhängt.

5. Das Das internationale Zentrum für Krebsforschung hat einen Zusammenhang zwischen Krebs in der Kindheit und Starkstromleitungen festgestellt. Wie Handys geben auch Starkstromleitungen Strahlen ab.

Die Strahlung, die von Starkstromleitungen ausgeht, ist anders als Handystrahlung. Und sie ist viel stärker.

6. Hochfrequenzwellen, ähnlich denen von Handys, haben die Erbfaktoren von Fadenwürmern verändert.

Würmer sind keine Menschen, also gibt es keine Garantie, dass unsere Hirnzellen gleich reagieren.


Kernaussage

Angesichts der großen Zahl an Handy-Benutzerinnen und –Benutzern könnten selbst geringe nachteilige Wirkungen auf die Gesundheit eine große Auswirkung auf die Volksgesundheit haben. Im Jahr 2000 verzeichnete der "Stewart Report" (ein britischer Bericht) keine vom Handy verursachten gesundheitlichen Probleme, rief aber dennoch, vor allem bei Jugendlichen, zur Vorsicht auf, bis weitere Studien durchgeführt würden. Ein weiterer Bericht im Jahr 2004 bestätigte dies.

Wenn du ein Handy benutzt ...

Tu diesTu dies nicht

Halte die Gespräche kurz.

Benutze dein Handy nicht, wenn der Empfang schwach ist, weil es dann mehr Strom benötigt, um mit der Netzantenne in Verbindung zu stehen, wodurch die Strahlung stärker wird.

Trage das Handy nicht am Körper, wenn es im Stand-by-Modus ist.

Kaufe kein Handy mit einem hohen "SAR-Wert"1. Dieser bedeutet, dass es mehr Strahlung abgibt.

Kaufe ein Handy mit einer langen Gesprächsleistung. Es ist leistungsfähiger und hat eine weniger starke Strahlung.

Kaufe kein abschirmendes Zubehör, außer wenn es von unabhängiger Seite getestet wurde.

Was ist der Zweck der Kernaussagen?

A. Die Gefahren der Nutzung von Handys zu beschreiben.
B. Auf die Aktualität der Diskussion über die Sicherheit von Handys hinzuweisen.
C. Zu beschreiben, welche Vorsichtsmaßnahmen Handybenutzer treffen sollten.
D. Darauf hinzuweisen, dass keine vom Handy verursachten gesundheitlichen Probleme bekannt sind.

Bewertung

Volle Punktzahl: B. Auf die Aktualität der Diskussion über die Sicherheit von Handys hinzuweisen.

Kommentar

Im Mittelpunkt dieser Aufgabe, die innerhalb des Aspekts Kombinieren und Interpretieren dem Bereich Allgemeines Textverständnis entwickeln zugeordnet wird, steht die Ermittlung des Themas einer bestimmten, wiederkehrenden Kategorie von Informationen, in diesem Fall der "Kernaussagen", einer Serie von vier umrahmten Textelementen, die links des zweiseitigen Textes angeordnet sind.

Aufgaben der Kategorie, bei der es um die Entwicklung eines allgemeinen Textverständnisses geht, sind in der Regel relativ einfach, da sie sich zumeist auf in einem Text wiederholte und oftmals deutlich hervorgehobene Gedanken beziehen. In diesem Fall kommen in Text und Aufgabenstellung allerdings mehrere Faktoren zusammen, auf Grund derer die Aufgabe verhältnismäßig schwierig ist und Stufe 4 zugeordnet wurde.

Die vier kurzen Kernaussagen haben jeweils ein eigenes Thema: Sie stehen mit den Informationen im Text der beiden Haupttabellen im Zusammenhang, fassen diese jedoch nicht zusammen, so dass der Leser sich auf das konzentrieren muss, was als peripherer Bestandteil der Textstruktur dargestellt ist. Darüber hinaus unterscheidet sich der Inhalt der Kästen trotz der einheitlichen Überschrift "Kernaussagen" in Bezug auf den Texttyp, was die Zusammenfassung ihres Zwecks schwieriger macht.

In den ersten beiden Kernaussagen wird kurz auf die Geschichte der Handykontroverse eingegangen, in der dritten wird eine bedingte Behauptung aufgestellt und in der vierten wird auf uneindeutige Forschungsergebnisse verwiesen. Die Tatsache, dass der Inhalt der Kernaussagen durch Ambivalenz, Ungewissheit und widersprüchliche Gedanken bestimmt ist, dürfte an sich bereits genügen, um die Aufgabe zu erschweren.

Zur Ermittlung des "Zwecks" (der in diesem Zusammenhang dem "Hauptthema" entspricht) ist es hier nötig, die in den Kernaussagen dargestellten Gedanken zu hierarchisieren und denjenigen auszuwählen, der am allgemeinsten und übergreifendsten ist. Die Antwortoptionen A und C beziehen sich auf unterschiedliche Einzelpunkte der Kernaussagen, jedoch nicht auf einen einzelnen Gedanken, der als übergeordnet betrachtet werden könnte. Die Antwortoption D greift einen (aus dem Zusammenhang gerissenen) Satz aus der vierten Kernaussage auf. Lediglich Antwortoption B, die im OECD-Durchschnitt von 45% der Schülerinnen und Schüler gewählt wurde, stellt eine Aussage dar, die die unterschiedlichen Elemente der Kernaussagen zusammenfasst.

"Es ist schwierig zu beweisen, dass eine Sache zwingend von einer anderen verursacht wurde.” Wie hängt diese Information mit den Ja-/Nein-Argumenten bei Punkt 4 in der Tabelle "Sind Handys gefährlich?" zusammen?

A. Sie stützt das Ja-Argument, beweist es aber nicht.
B. Sie beweist das Ja-Argument.
C. Sie stützt das Nein-Argument, beweist es aber nicht.
D. Sie zeigt, dass das Nein-Argument falsch ist.

Bewertung

Volle Punktzahl: C. Sie stützt das Nein-Argument, beweist es aber nicht.

Kommentar

Bei dieser Aufgabe müssen die Schüler den Zusammenhang zwischen einer allgemeinen Aussage, die nicht im Text enthalten ist, und einem Aussagenpaar in einer Tabelle erkennen. Auf Grund dieses externen Bezugspunkts wird sie dem Aspekt Reflektieren und Bewerten zugeordnet. Es handelt sich um die schwierigste Aufgabe in der Unit Handysicherheit; sie liegt genau an der Grenze zwischen Stufe 4 und Stufe 5.

Der Schwierigkeitsgrad wird von einer Reihe von Faktoren beeinflusst. Erstens werden in der Stimulusaussage abstrakte Begriffe verwendet ("Es ist schwierig zu beweisen, dass eine Sache zwingend von einer anderen verursacht wurde"). Zweitens muss – was ein relativ einfacher Aspekt der Aufgabe ist – herausgefunden werden, welche der beiden Tabellen für diese Aufgabe relevant ist (die erste) und welchen Punkt es zu betrachten gilt (Punkt 4). Drittens muss die Struktur der relevanten Tabelle verstanden werden, das heißt dass ihre beiden Spalten gegensätzliche Argumente enthalten; wie wir bereits festgestellt haben, sind gegensätzliche Aussagen schwieriger zu verarbeiten als solche, die sich gegenseitig ergänzen. Viertens müssen die Schüler genau erkennen, inwiefern das Nein-Argument das JA-Argument in diesem konkreten Fall in Frage stellt. Zuletzt muss die logische Beziehung zwischen dem Ja- und dem Nein-Argument in Punkt 4 – wiederum auf abstrakter Ebene – mit einer der im Multiple-Choice-Format vorgegebenen Antwortoptionen in Verbindung gebracht werden.

Angesichts all der mit dieser Aufgabe verbundenen Schwierigkeiten ist es nicht überraschend, dass lediglich etwas über ein Drittel der Schülerinnen und Schüler in den OECD-Ländern sie richtig gelöst hat.

Schau dir Punkt 3 in der Nein-Spalte der Tabelle an. Was könnte einer der "anderen Faktoren" in diesem Zusammenhang sein? Begründe deine Antwort.

Bewertung

Volle Punktzahl: Nennt einen Faktor des modernen Lebensstils, auf den Erschöpfung, Kopfschmerzen oder verminderte Konzentrationsfähigkeit zurückzuführen sein könnten. Die Erklärung kann auf der Hand liegen oder explizit genannt werden. Hier einige Beispiele:

  • Nicht ausreichend Schlaf bekommen. Wenn dies der Fall ist, ist man müde.
  • Zu viel zu tun haben. Das macht müde.
  • Zu viele Hausaufgaben, dies macht müde und verursacht Kopfschmerzen.
  • Lärm – Lärm verursacht Kopfschmerzen.
  • Stress.
  • Bis abends spät arbeiten.
  • Prüfungen.
  • Die Welt ist einfach zu laut.
  • Die Menschen nehmen sich heutzutage keine Zeit mehr, um sich zu entspannen.
  • Die Menschen räumen den wichtigen Dingen keine Priorität ein, das macht sie verdrießlich und krank.
  • Computer.
  • Umweltverschmutzung.
  • Zu viel Fernsehen.
  • Medikament.
  • Mikrowellengeräte.
  • Zu viele E-Mails.

Kommentar

Auch bei dieser Aufgabe müssen die Schüler über den Inhalt eines Textes reflektieren und diesen bewerten; hier geht es um die Fähigkeit, einen Zusammenhang zu textexternem Wissen herzustellen. Die Schüler müssen ein Beispiel aus ihrer eigenen Erfahrung für andere – nicht mit Handys zusammenhängende – Faktoren des modernen Lebens nennen, auf die "Erschöpfung, Kopfschmerzen und verminderte Konzentrationsfähigkeit" zurückzuführen sein könnten.

Wie bei der vorherigen Aufgabe besteht ein Schritt zur richtigen Lösung darin, die relevante Information anhand einer Zahlenangabe zu ermitteln (hier "Punkt 3"). Die anschließenden Lösungsschritte sind weniger komplex als bei der vorherigen Aufgabe, da nur das Ja-Argument von Punkt 3 zu berücksichtigen ist. Darüber hinaus kann die erforderliche externe Information unmittelbar aus der persönlichen Erfahrung abgeleitet werden, ohne dass ein Bezug zu einem abstrakten logischen Argument hergestellt werden müsste.

Bei dieser Aufgabe konnte die volle Punktzahl mit einer breiten Palette von Antworten erzielt werden. Die volle Punktzahl wurde für das Nennen eines Faktors sowie einer Erklärung dafür vergeben, weshalb Erschöpfung, Kopfschmerzen und verminderte Konzentrationsfähigkeit auf diesen Faktor zurückzuführen sein könnten. Ein Beispiel hierfür war die Antwort "Nicht ausreichend Schlaf bekommen. Wenn man es nicht tut, wird man erschöpft."

Die volle Punktzahl wurde auch vergeben, wenn die Erklärung implizit bereits in der Nennung des Faktors enthalten war und deshalb keine explizite Erklärung erforderlich war. Ein Beispiel hierfür ist die Antwort "Stress". Eine Antwort wie "Lebensstil" ohne weitere Erklärung oder Ausführung wurde hingegen als zu vage beurteilt und brachte daher keine Punkte.

Diese Aufgabe liegt am oberen Ende von Stufe 3 und wurde von knapp über der Hälfte der Schülerinnen und Schüler in den OECD-Ländern erfolgreich gelöst.

Schau dir die Tabelle mit dem Titel "Wenn du ein Handy benutzt ..." an. Auf welcher der folgenden Annahmen beruht die Tabelle?

A. Es gibt keine Gefahren beim Gebrauch von Handys.
B. Es gibt ein erwiesenes Risiko durch den Gebrauch von Handys.
C. Es kann eine Gefahr darstellen, Handys zu gebrauchen, oder auch nicht, jedenfalls ist es sinnvoll, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
D. Es kann eine Gefahr darstellen, Handys zu gebrauchen, oder auch nicht, aber sie sollten nicht benutzt werden, bis man es mit Sicherheit weiß.
E. Die Tu-dies-Anweisungen sind für jene, die diese Bedrohung ernst nehmen, die Tu-dies-nicht-Anweisungen gelten für alle anderen.

Bewertung

Volle Punktzahl: C. Es kann eine Gefahr darstellen, Handys zu gebrauchen, oder auch nicht, jedenfalls ist es sinnvoll, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Kommentar

Die Schülerinnen und Schüler werden in dieser Aufgabe explizit aufgefordert, die zweite Tabelle zu betrachten und die ihr zu Grunde liegende Annahme zu erkennen. Auf diesen Grundgedanken – nämlich, dass in Ermangelung eindeutiger Beweise für die von Handys ausgehende Gefahr Vorsicht angebracht sei – wird effektiv in der letzten umrahmten Kernaussage hingewiesen. Bei dieser Aufgabe müssen die Konsequenzen dieser Beurteilung herausgelesen werden, wozu geprüft werden kann, ob der Inhalt der Tabelle der Kernaussage entspricht. Alternativ dazu kann auch nur die Tabelle angeschaut und daraus eine unabhängige Schlussfolgerung abgeleitet werden.

Antwortoption A ist falsch, da sie der Kernaussage inhaltlich widerspricht und nicht mit dieser Reihe von Anweisungen vereinbar ist, die die Handynutzung weder verbieten noch ihr einen Freibrief ausstellen.

Antwortoption B erscheint plausibler, kann auf Grund des Wortes "erwiesen" jedoch nicht richtig sein, da in der Kernaussage ja steht, dass in den beiden angeführten Studien keine vom Handy verursachten gesundheitlichen Probleme nachgewiesen werden konnten.

Antwortoption C bietet sich als beste Antwort an, da sie sowohl mit der Kernaussage als auch mit den einzelnen Anweisungen in den Spalten "Tu dies" und "Tu dies nicht" im Einklang steht.

Antwortoption D kann schon allein auf Grund der Überschrift der Tabelle verworfen werden, die lautet "Wenn du ein Handy benutzt ...", und in Antwortoption E wird ein Scheingegensatz hergestellt, für den es im Text keine Entsprechung gibt.

Knapp unter zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler wählten die richtige Antwort aus, womit dies die einfachste Aufgabe zu diesem eher schwierigen Stimulusmaterial war.

Mathematik: Wechselkurs

Lesekompetenz: Fabel

Lesekompetenz: Telearbeit

Lesekompetenz: Blutspende

Lesekompetenz: Zähneputzen

Naturwissenschaft: Kleidung

Naturwissenschaft: Mary Montagu

Naturwissenschaft: Gentechnik

Quelle: n-tv.de, OECD