Politik

StichwortLicht- und Sonnenallergie

05.07.2001, 16:14 Uhr

Eine Lichtallergie kann sehr unangenehm sein, ist aber nicht lebensgefährlich. Durch den Einfluss des Sonnenlichts können sich bei den Betroffenen beispielsweise Entzündungen auf der Haut bilden.

Die relativ häufigen Lichtallergien umfassen eine ganze Reihe von Krankheiten, die auf der Unverträglichkeit von Sonnen- oder künstlichem Licht beruhen. In der schweren Verlaufsform, unter der Hannelore Kohl bis zu ihrem Tod gelitten hatte, ist die so genannte Photoallergie allerdings äußerst selten. "Von 1.000 Patienten jährlich kommen höchstens zwei bis vier mit solchen Symptomen in unser Krankenhaus", sagte Johannes Ring von Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München der AP.

Die Ursachen dieser allergischen Erkrankung sind nach Angaben des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie bis heute ungeklärt. In der Fachliteratur ist von einer so genannten Photosensibilisierung der Haut infolge bestimmter Substanzen im Blut die Rede. Da diese Stoffe und deren Abbauprodukte mit dem Blut auch direkt in die Haut gelangten, werde die Wirkung der Sonnenstrahlen hier übermäßig verstärkt.

Meistens werde die allergische Reaktion vom ultravioletten Teil im Sonnenlicht ausgelöst, manchmal aber auch vom Infrarotanteil. Im Verdacht, für diese Photosensibilisierung verantwortlich zu sein, stehen zum Beispiel Antibiotika. Auch Hannelore Kohl hatte noch im April erklärt, ihre solchen Erklärungen skeptisch gegenüber: "Dass Penizillin alleine eine so schwere Allergie entstehen lässt, halte ich für unwahrscheinlich."

Die Verlaufsformen einer Photoallergie reichen nach Angaben des Experten von leichten Befindlichkeitsstörungen über juckende und schmerzende Hautekzeme bis hin zu lebensbedrohlichen Schockzuständen. Die schwerste bekannte Form sei die so genannte Lichturtikaria, bei der der Patient praktisch zu einem Leben in Dunkelheit verurteilt sei und nur nachts das Haus verlassen könne. "Das ist ein ganz schlimmes Schicksal", erklärte Ring. Auch im Haus der Familie Kohl in Oggersheim blieben die Rollläden meist geschlossen, wie Hannelore Kohl in einem ihrer letzten Interviews berichtet hatte.

Behandlungsmöglichkeiten gibt es nur begrenzt: Neben dem konsequenten Lichtschutz werden in der Fachliteratur Beta-Carotinin- und Kalzium-Tabletten und in besonders schweren Fällen auch Immunsuppressiva empfohlen, also Medikamente, die die Abwehrreaktionen des Körpers abschwächen. In der Mitteilung, die das Büro von Altbundeskanzler Helmut Kohl in Berlin am Donnerstag zum Tod von Hannelore Kohl verbreitete, hieß es: "Leider hatten jahrelange, intensive ärztliche Bemühungen im In- und Ausland keinen Erfolg, da ihr Fall von Lichtallergie äußerst selten und kaum medizinisch erforscht ist." Der Allergologe Ring erklärte dazu: "Ich hätte Frau Kohl sehr gerne intensiv untersucht."