Politik

KindesmissbrauchNiederlande beenden Verjährung

28.03.2010, 12:01 Uhr

Die Niederlande schaffen die Verjährungsfristen beim Kindesmissbrauch ab. Das könnte der Debatte in Deutschland neuen Auftrieb geben.

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(Foto: dpa)

Wer in den Niederlanden Kinder sexuell missbraucht, soll dafür künftig bis an sein Lebensende strafrechtlich verfolgt werden können. Die Verjährungsfrist für solche Taten werde aufgehoben, kündigte Justizminister Ernst Hirsch Ballin an.

Für ein entsprechendes Gesetz gebe es eine klare Mehrheit im Parlament dank der Unterstützung durch Christ- und Sozialdemokraten sowie die Rechtsliberalen. In Deutschland könnte die Debatte über die Verjährung von Kindesmissbrauch durch die Neuregelung im Nachbarland neue Impulse bekommen.

Bislang beträgt die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch von Kindern in den Niederlanden 20 Jahre nach Volljährigkeit des Opfers. Die Aufhebung dieser Frist, nach der Opfer einen Missbrauch maximal bis zu ihrem 38. Geburtstag strafrechtlich verfolgen lassen können, sei unbedingt erforderlich, sagte der christdemokratische Justizminister. Erfahrungen zeigten, dass Opfer sich oft erst in höherem Alter entschließen, über ihre oft traumatischen Missbrauchserfahrungen zu sprechen und die Täter zu benennen.

CDU für längere Verjährungsfristen

In der Bundesrepublik verjährt sexueller Missbrauch von Kindern zehn Jahre nach dem 18. Geburtstag der Opfer; in besonders schweren Fällen 20 Jahre danach. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich kürzlich für die Verlängerung der Verjährungsfristen ausgesprochen. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) äußerte hingegen Bedenken. Es sei sehr schwierig, 40 oder 50 Jahre nach einer Tat noch die Sachverhalte zu ermitteln.

Ähnlich wie in Deutschland, Österreich und anderen Ländern sind in den letzten Monaten auch in den Niederlanden zahlreiche Fälle von Sexualstraftaten gegen Kinder in den 50er und 60er Jahren bekannt geworden - größtenteils in Einrichtungen der katholischen Kirche. Die niederländische Bischofskonferenz hat eine unabhängige Kommission zur Untersuchung aller Vorwürfe berufen. Bei der kirchlichen Hilfsorganisation "Hulp & Recht" (Hilfe und Recht) gingen bislang mehr als 1100 entsprechend Hinweise ein.

Quelle: dpa