Politik
Sauli Niinistö und seine Frau Jenni Haukio.
Sauli Niinistö und seine Frau Jenni Haukio.(Foto: dpa)
Sonntag, 05. Februar 2012

Wenig Macht, viel Einfluss: Niinistö gewinnt Wahl in Finnland

Die eine Sensation bleibt aus, die andere ist bestätigt: Finnland wählt keinen grünen Präsidenten, hat aber zum ersten Mal seit 30 Jahren ein konservatives Staatsoberhaupt. Sauli Niinistö ist überzeugter Europäer. Viel zu sagen hat der finnische Präsident nicht mehr, doch Niinistö will seinen Einfluss nutzen.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt in Finnland ist entschieden: Der Grünen-Politiker Pekka Haavisto gestand am Sonntagabend seine Niederlage ein und gratulierte seinem konservativen Mitbewerber Sauli Niinistö zum Wahlsieg. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen kommt Niinistö auf gut 63 Prozent, Haavisto auf knapp 37 Prozent.

Pekka Haavisto und sein Lebensgefährte Nexar Antonio Flores.
Pekka Haavisto und sein Lebensgefährte Nexar Antonio Flores.(Foto: AP)

Rund 4,4 Millionen Finnen waren aufgerufen, einen Nachfolger der bisherigen sozialdemokratischen Präsidentin Tarja Halonen zu wählen, die nach zwei aufeinanderfolgenden Mandaten nicht wieder antreten durfte. Damit geht eine 30 Jahre lange Folge von sozialdemokratischen Staatsoberhäuptern in Finnland zu Ende.

Die Programme des 63-jährigen Niinistö, des Kandidaten der regierenden Partei Nationale Koalition, und des 53-jährigen Umweltpolitikers Haavisto unterschieden sich nur wenig. Der mit einem Ecuadorianer in registrierter Partnerschaft zusammenlebende Grünen-Politiker bekannte sich im Wahlkampf ebenso eindeutig wie Niinistö zur EU und zum Euro.

"Wahrer Finne" chancenlos

Niinistö war von 1996 bis 2003 Finanzminister. Er hatte schon die erste Runde der Präsidentenwahl mit acht Kandidaten für sich entschieden, die erforderliche absolute Mehrheit dabei aber verfehlt. Euroskeptiker wie Timo Soini von den rechtspopulistischen "Wahren Finnen" waren in der ersten Runde ausgeschieden.

"Ich werde als Präsident nicht wacklig sein", hatte Niinistö im Wahlkampf immer wieder gesagt und eine kräftige Einflussnahme auf die konkrete Politik angekündigt. Dabei beruht die Popularität des studierten Juristen, Ex-Justiz- sowie Finanzministers zeitweiligen Bankchefs und Parlamentspräsidenten auch gerade darauf, dass er sich seit langem schon aus dem politischen Alltagsgeschäft herausgehalten hat. Stattdessen übernahm er 2009 die Präsidentschaft in Finnlands Fußballverband.

Tsunami nur knapp überlebt

Bleibende Sympathiewerte haben Niinistö nicht zuletzt familiäre Schicksalsschläge gebracht. 1995 starb seine Frau Marja-Leena bei einem Verkehrsunfall, Niinistö wurde alleinerziehender Vater zweier Söhne. 2004 überlebte er im Thailand-Urlaub mit den Jungen die Tsunami-Katastrophe nur knapp: Mit einem Sohn klammerte er sich an einen Straßenmast, der zweite konnte auf ein Hoteldach flüchten.

Starken Anteil nahm die Öffentlichkeit dann auch an mehreren Anläufen Niinistös zu einer neuen Ehe. 2006 verlor er die Direktwahl zur Präsidentschaft überraschend knapp gegen Halonen. Drei Jahre später heiratete Niinistö die 29 Jahre jüngere Pressechefin seiner konservativen Partei, Jenni Haukio. Das Paar teilt neben der Parteizugehörigkeit auch literarische Ambitionen. Finnlands künftige First Lady hat nebenberuflich drei Gedichtsammlungen veröffentlicht, ihr Ehemann einige belletristische Texte.

Kompetenzen wurden beschnitten

Die Kompetenzen des Staatsoberhaupts in Finnland wurden in den vergangenen Jahren beschnitten, so dass das Amt heute ähnlich wie der deutsche Bundespräsident vorwiegend repräsentativen Charakter hat. Allerdings hat der Amtsträger eine wichtige symbolische Rolle und kann die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflussen.

Die Sechs-Parteien-Koalition des konservativen Ministerpräsidenten Jyrki Katainen kann Schützenhilfe gut gebrauchen: In der Bevölkerung wuchs zuletzt der Unmut über die Rettungspakete für Schuldenstaaten wie Griechenland. Die "Wahren Finnen" hatten im vergangenen Jahr von solchen Stimmungen kräftig profitiert und waren als drittstärkste Kraft ins Parlament in Helsinki eingezogen. Kurzzeitig drohte eine Blockade des EU-Rettungspakts für Portugal - bis sich die Rechtspopulisten aus der Regierungsbildung verabschiedeten.

Quelle: n-tv.de