Politik

"Größter Verräter aller Zeiten" Onkel von Kim Jong Un hingerichtet

Nach Tagen der Spekulationen wird es zur Gewissheit: Nordkoreas Machthaber Kim lässt seinen Onkel Jang nach kurzem Prozess exekutieren. Dieser habe die Macht an sich reißen wollen, heißt es.

32871A006789778B.jpg2333338184257508483.jpg

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un mit Jang Song Thaek im Juli 2013 auf einem Friedhof für Kriegsveteranen in Pjönjang.

(Foto: AP)

Der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen Umsturzversuchen und anderer Vergehen hingerichtet worden. Jang Song Thaek sei kurz nach einem Militärprozess als "Verräter" hingerichtet worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Kim hatte seinen Onkel, der als zweitwichtigster Mann im Staat galt, zuvor öffentlichkeitswirksam entmachtet.

Jang sei kurz nach einem Prozess vor einem militärischen Sondertribunal hingerichtet worden, berichtete KCNA. Vor Gericht habe er gestanden, weil er einen Staatsstreich geplant haben soll. "Er hat sein wahres Gesicht als größter Verräter aller Zeiten gezeigt und gesagt, der Putsch habe auf den obersten Führer (Kim Jong Un) gezielt". Das Militärgericht habe Jang wegen Umsturzplänen zum Tode verurteilt. Das Urteil sei umgehend vollstreckt worden.

"Verabscheuungswürdiger Abschaum"

Jang habe das Ziel gehabt, "die oberste Macht unserer Partei und unseres Staates an sich zu reißen", schrieb KCNA. Er habe das Vertrauen Kim Jong Uns und von dessen Vater Kim Jong Il missbraucht. Die Agentur bezeichnete Jang als "verabscheuungswürdigen menschlichen Abschaum", "schlimmer als ein Hund".

Die kommunistische Führung Nordkoreas hat die am 3. Dezember publik gewordene Entmachtung Jangs bestätigt. Der Spitzenfunktionär sei wegen "krimineller" Handlungen und "konterrevolutionärer" Umtriebe aus allen Ämtern entlassen worden. Im Staatsfernsehen veröffentlichte undatierte Bilder zeigten, wie der in Ungnade gefallene Parteikader von Sicherheitskräften aus einer Gremiensitzung abgeführt wurde.

Laut KCNA unterhielt Jang "unangemessene Beziehungen zu mehreren Frauen und ließ sich in den Hinterzimmern von Luxus-Restaurants verwöhnen". Der langjährige Führungskader sei "dem kapitalistischen Lebensstil verfallen", "ideologisch verdorben und faul", und habe "Drogen konsumiert und Devisen in Kasinos verzockt, während er auf Kosten der Partei zur medizinischen Behandlung im Ausland war".

Südkorea und China äußerten sich angesichts der Vorgänge in Nordkorea besorgt. Aus Deutschland kam Kritik: "Die Todesstrafe ist nach Sicht der Bundesregierung kein angemessenes Mittel der Strafe", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, in Berlin.

"Graue Eminenz" im Staat

Jang war mit Kim Jong Ils einflussreicher Schwester Kim Kyong Hui verheiratet. Er war unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsausschusses und galt nach dem Tod von Kims Vater Kim Jong Il Ende 2011 als starker Mann und "Graue Eminenz" im kommunistischen Staatsapparat. Seine Entmachtung bedeutet die größte Umwälzung in der nordkoreanischen Führung seit dem damaligen Führungswechsel.

Jang war maßgeblich daran beteiligt gewesen, den jungen und politisch unerfahrenen Kim Jong Un zum Nachfolger von dessen Vater aufzubauen. Beobachter hatten gemutmaßt, dass Kim Jong Un zunächst unter Jangs Aufsicht stehen würde. Kim Jong Un ist um die 30 Jahre alt.

Quelle: n-tv.de, hla/AFP

Mehr zum Thema