Politik

Bahrains Armee zieht sich zurück Opposition erobert Perlenplatz

1298201388.jpg4626366794987738441.jpg

Ausdruck der Hoffnung: Dieser Demonstrant will, dass die Regierung in Bahrain nach Tunesien und Ägypten als nächstes kippt.

AP

In Bahrain herrscht nach dem Rückzug der Armee angespannte Ruhe. Tausende Demonstranten besetzen den Perlenplatz in der Hauptstadt Manama, das Herrscherhaus will die Opposition mit Zugeständnissen locken.

Nach dem Rückzug der Armee hat die Opposition in Bahrain den Perlenplatz in der Hauptstadt Manama wieder zum Zentrum ihrer Proteste gemacht. Tausende Menschen versammelten sich auf dem Platz und forderten den Rücktritt der Regierung. Dem Dialogangebot von Kronprinz Salman bin Hamad el Chalifa steht die Opposition nach wie vor skeptisch gegenüber.

Die Armee gab am Samstag den Perlenplatz wieder frei, den die Sicherheitskräfte in der Nacht zum Donnerstag gewaltsam geräumt hatten. Sofort versammelten sich dort hunderte Demonstranten. An einem Zugang zu dem Platz setzten die Sicherheitskräfte kurzzeitig Tränengas ein, konnten die Demonstranten aber nicht daran hindern, weiter auf das Gelände zu drängen. Viele Anhänger der Protestbewegung verbrachten auf dem Perlenplatz die Nacht in Zelten, die Lage blieb ruhig.

Schiitische Mehrheit kämpft um Rechte

Angesichts des Rückzugs der Armee vom Perlenplatz zog der Gewerkschaftsverband in Bahrain seinen Aufruf zu einem unbefristeten Generalstreik wieder zurück. Das Recht auf friedliche Demonstrationen werde wieder gewährleistet, teilten die Gewerkschaftler mit.

Die mehrheitlich schiitische Bevölkerung Bahrains beschwert sich über Diskriminierungen und fordert von der sunnitischen Herrscherdynastie unter König Hamad bin Issa el Chalifa Reformen. Bei der Niederschlagung der Proteste in der vergangenen Woche waren sechs Menschen ums Leben gekommen, dutzende Menschen wurden verletzt. Kronprinz Salman hatte daraufhin den Rückzug der Armee angeordnet und der Protestbewegung einen Dialog angeboten.

Opposition verlangt weitere Schritte

2011-02-20T090120Z_01_BAH01D_RTRMDNP_3_BAHRAIN.JPG6133445777398965530.jpg

Wieder besetzt: Der Perlenplatz in der Hauptstadt Manama.

(Foto: REUTERS)

Die Opposition bewertete die Offerte allerdings kritisch. Die wichtigste schiitische Bewegung El Wefak fordert weiter den Rücktritt der Regierung. Die Verantwortlichen für das "Massaker" an den Demonstranten müssten zur Verantwortung gezogen werden, sagte der Chef der Parlamentsfraktion von El Wefak, Abdel Dschalil Chalil Ibrahim. Seine Bewegung werde sich einem Dialog aber nicht verweigern, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.

Sieben bahrainische Oppositionsgruppen veröffentlichten zudem eine Erklärung. Darin forderten sie "weitere positive Schritte, um den Boden vorzubereiten für einen ernsthaften nationalen Dialog". Dazu gehöre unter anderem die Freilassung aller politischen Gefangenen.

Wichtiger US-Stützpunkt

EU-Außenministerin Catherine Ashton forderte einen "unverzüglichen Beginn" des Dialoges zwischen der politischen Führung und der Opposition. Zugleich rief Ashton die Führung des Landes auf, "die Menschenrechte einschließlich der Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu achten".

US-Präsident Barack Obama verurteilte in einem Telefonat mit Bahrains König den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten. Obama habe "die Regierung Bahrains gedrängt, Zurückhaltung zu zeigen sowie die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte das Weiße Haus. Der Präsident habe betont, dass die Stabilität des Königreichs von der Einhaltung der Bürgerrechte und der Umsetzung von Reformen abhänge. In dem Golfstaat Bahrain befindet sich das Hauptquartier der Fünften US-Flotte, die eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Handelswege in der für die USA strategisch bedeutsamen Region spielt.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

Mehr zum Thema