Politik

Raketen mit moderner Radar-Technologie Russland liefert "Schiff-Killer" an Syrien

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Ein Archivbild einer Jachont-Rakete aus dem Jahr 1997, damals veröffentlicht von "Jane's Defense Weekly".

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Syrien verfügt über hochmoderne Anti-Schiff-Raketen aus Russland. Im Kampf gegen die Aufständischen sind diese Waffen zwar wertlos, zur Abwehr ausländischer Unterstützung für die Rebellen könnten sie jedoch eingesetzt werden. Zudem ist die Lieferung ein Signal: Russland will Assad offenbar nicht fallen lassen.

Russland hat modernere Anti-Schiff-Lenkwaffen an Syrien geliefert als bislang bekannt. Das meldet die "New York Times" unter Berufung auf Vertreter der US-Regierung.

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Kämpfer der Freien Syrischen Armee feuern in Deir al-Zor eine Rakete ab.

(Foto: REUTERS)

Syrien bestellte die Raketen des Typs SS-N-26, auch bekannt unter dem Namen Jachont, bereits im Jahr 2007. Anfang 2011, kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien, seien die ersten Raketen geliefert worden, zitiert die Zeitung Experten der Fachzeitschrift "Jane's International Defense Review". Insgesamt habe die Bestellung 72 Raketen und 36 Trägerfahrzeuge umfasst. Über den Umfang der aktuellen Lieferung machte die "New York Times" keine Angaben.

Ähnlich wie Patriot-Abschussrampen sind die Anlagen mobil, was es schwierig macht, sie anzugreifen. Im Unterschied zu den von Bundeswehr und Nato genutzten Patriots sind die Jachont-Raketen allerdings nicht defensiv ausgerichtet. "Das sind echte Schiff-Killer", sagte "Jane's"-Chefredakteur Nick Brown der "New York Times".

Jachont würden Hilfe für Opposition erschweren

Die jetzt gelieferten Raketen sind mit einem modernen Radarsystem ausgestattet, das sie noch effektiver macht, sagten US-Regierungskreise. Im Kampf gegen die Aufständischen sind die Anti-Schiff-Raketen für das Regime von Präsident Baschar al-Assad wertlos. Wichtig könnten sie allerdings werden, wenn ausländische Regierungen in den Bürgerkrieg eingreifen sollten. US-Präsident Barack Obama hat davon gesprochen, dass mit dem Einsatz von Chemiewaffen gegen Aufständische eine "rote Linie" überschritten wäre, und für diesen Fall mit "enormen Konsequenzen" gedroht.

Die Jachont-Raketen würden das Assad-Regime in die Lage versetzen, ausländische Streitkräfte daran zu hindern, die Opposition vom Meer aus zu unterstützen, sagte Brown. Auch die Errichtung einer Flugverbotszone oder eines Schiffsembargos könnte schwierig werden. Besonders bedrohlich sind moderne Anti-Schiffsraketen für Flugzeugträger, die vergleichsweise große und überaus empfindliche Ziele darstellen.

Die "New York Times" zitiert den Nahost-Experten und früheren US-Geheimdienstbeamten Jeffrey White mit den Worten, die Raketenlieferung sei zudem ein Hinweis, dass Russland an der syrischen Regierung festhalte. US-Außenminister John Kerry hatte kürzlich klargemacht, dass er hofft, dass Russland von Assad abrücken könnte.

Russland will auch S-300 liefern

Die israelische Regierung befürchtet zudem, dass die mögliche Lieferung russischer Flugabwehrraketen des Typs S-300 an Syrien die Lage weiter eskalieren könnte. Mit den Raketen könnten israelische Kampfjets und Marschflugkörper abgeschossen werden. Netanjahu hatte bei einem Blitzbesuch in Russland noch versucht, Präsident Wladimir Putin umzustimmen. Moskaus Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte jedoch, sein Land werde die Lieferverträge mit Syrien einhalten.

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Soldaten der Regierungsarmee in der Provinz Daraa.

(Foto: dpa)

Kurz darauf warnte ein israelischer Regierungsvertreter einem Bericht der "New York Times" zufolge, sein Land werde auch in Zukunft in Syrien gegen Waffentransfers vorgehen. Assad riskiere seinen Sturz, wenn er darauf mit Gegenangriffen auf Israel reagieren sollte. Zudem gibt es seit geraumer Zeit Medienberichte, Assads Verbündeter Iran wolle den Syrienkonflikt an der israelischen Grenze eskalieren. Teheran habe Assad überzeugt, auf den Golanhöhen "die Tür zum Dschihad" gegen Israel aufzustoßen, schrieb die irankritische arabische Zeitung "Al-Hayat".

Russische Kriegsschiffe in Zypern

Unterdessen verstärkt Russland seine Flotte im östlichen Mittelmeer. Drei russische Kriegsschiffe liefen in den Hafen der zyprischen Stadt Limassol ein: ein Zerstörer, ein Tanker und ein Begleitschiff. Ein Offizier der zyprischen Küstenwache sagte, es handele sich um die "Admiral Pantelejew" sowie die "Petschenga" und die "Fotij Krylow".

Die "Admiral Pantelejew" ist ein für die U-Boot-Jagd konzipierter Zerstörer, der auch zwei Hubschrauber trägt. Die Schiffe gehören zur russischen Pazifikflotte und waren Anfang der Woche durch den ägyptischen Suez-Kanal gekommen. Es ist unklar, wie lange sie in Limassol bleiben werden.

Zwei weitere russische Kriegsschiffe der Pazifikflotte bewegten sich nach Informationen aus zyprischen Militärquellen zwischen Zypern und dem syrischen Hafen Tartus. Dort unterhält Russland einen Marinestützpunkt.

Chef der CIA in Israel

CIA-Direktor John Brennan traf überraschend zu Gesprächen in Israel über die Lage in Syrien ein. Er traf mit dem israelischen Verteidigungsminister Mosche Jaalon gefahren, berichtete die "Times of Israel".

Brennan und Jaalon hätten Geheimdiensterkenntnisse über Syrien ausgetauscht, hieß es. Auch der Atomkonflikt mit dem Iran sei angesprochen worden.

Jaalon habe bei dem Treffen mit Brennan bekräftigt, Israel werde die Übergabe von Chemiewaffen und anderen modernen Waffen in Syrien an die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah nicht tolerieren und notfalls erneut angreifen, hieß es. Medienberichten zufolge hat Israel seit Jahresbeginn bereits dreimal Ziele in Syrien bombardiert, um die Übergabe solcher Waffen an die Hisbollah zu verhindern.

Quelle: n-tv.de, wne/hvo/dpa

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