Stalin ließ 21.000 Polen tötenRussland macht in Katyn Massaker-Opfer zu Tätern

Im Frühjahr 1940 erschießt die Sowjetunion mehr als 21.000 Polen - 4400 davon allein im russischen Katyn. Zum Jahrestag des Massakers zeigt Russland dort nun eine Ausstellung, die Opfer und Täter vertauscht: Statt der Ermordeten zu gedenken, beklagen die Russen eine angebliche "Russophobie" der Polen.
Zum Jahrestag des Massenmords an gefangenen polnischen Offizieren in der Sowjetunion 1940 hat Russlands Militärhistorische Gesellschaft eine antipolnische Ausstellung in der Gedenkstätte Katyn gezeigt. Die Bildtafeln stehen unter der Überschrift "Zehn Jahrhunderte polnischer Russophobie". Als Russophobie wird in der Moskauer Propagandasprache derzeit jede ausländische Kritik an Russland verunglimpft.
"Die Ausstellung widmet sich der Geschichte der polnischen Russophobie, also des Hasses der Eliten des polnischen Staates in verschiedenen Epochen gegen Russland und das russische Volk", erklärte der wissenschaftliche Direktor der Militärhistorischen Gesellschaft, Michail Magkow, in einer Mitteilung. Moskau sieht Polen als feindliches Land, weil es die Ukraine unterstützt und die Ostflanke von EU und Nato schützt.
Den Angaben nach öffnete die Ausstellung am 10. April - drei Tage, bevor in Polen die traditionellen Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer von Katyn stattfanden. In dem Wald im westrussischen Gebiet Smolensk und an anderen Orten hatte der sowjetische Geheimdienst NKWD im Frühjahr 1940 mehr als 21.000 Offiziere und andere Vertreter Polens erschossen. Allein in Katyn wurden 4400 Polen ermordet.
Die Sowjetunion bestritt über Jahrzehnte ihre Täterschaft, ein Bericht von 1944 schrieb das Massaker der deutschen Besatzungsmacht zu. Erst unter Präsident Michail Gorbatschow bekannte sich Moskau 1990 zu den Tötungen; der russische Präsident Boris Jelzin übergab 1992 Beweisdokumente an Polen.
Die Geschichtspolitik unter Kremlchef Wladimir Putin verfolgt aber die Linie, Verbrechen des Sowjetdiktators Josef Stalin zu leugnen. Dementsprechend stellen Historiker auch die Verantwortung für Katyn wieder infrage. Die Schaubilder wurden nach russischen Medien bereits vergangenes Jahr in Moskau gezeigt - darunter eins, welches das Massaker von Katyn Nazi-Deutschland zuschreibt, das Teile der Sowjetunion von 1941 bis 1944 besetzt hielt.