Politik
Samstag, 06. Januar 2007

"Shit happens": SPD sauer auf Wiesbaden

Die Wiesbadener SPD hat sich nach der Panne bei der Vorbereitung der Oberbürgermeisterwahl schriftlich bei ihrem Kandidaten und seinen Unterstützern entschuldigt. "Wir möchten uns bei all denjenigen, die Ernst-Ewald Roth in den letzten Wochen unterstützt haben, bedanken. Vor allem aber möchten wir uns bei Ihnen und Ernst-Ewald Roth entschuldigen", hieß es am Samstag im Internet auf der Homepage der SPD Wiesbaden.

Die Geschäftsstelle der SPD hatte es versäumt, rechtzeitig den Wahlvorschlag für ihren Kandidaten Roth einzureichen. Bei der Oberbürgermeisterwahl am 11. März kann der Parteilose daher nicht antreten. Roth war als Stadtdekan einer der höchsten katholischen Geistlichen Hessens, wegen der Kandidatur hatte er um die Entbindung von seinem Kirchenamt gebeten.

Roth selbst erklärt auf der Homepage, er sei "tief enttäuscht", werde aber nicht resignieren. "Über meine Zukunft entscheide ich später. Ich habe über ein Jahr gebraucht, mich für die Kandidatur zu entscheiden. Jetzt lasse ich mir ein paar Tage Zeit für eine neue Perspektive."

SPD-Chef Kurt Beck bedauerte am Rande einer Sitzung des SPD-Präsidiums in Bremen das Fristversäumnis. Die Panne habe aber nichts mit der SPD in Hessen zu tun, sagte Beck laut einem Bericht des Hessischen Rundfunks. "Was an Fehlern gemacht werden kann auf dieser Welt, wird wohl offensichtlich gemacht." SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kommentierte die Ereignisse mit den Worten: "Shit happens."

Der Generalsekretär der CDU Hessen, Michael Boddenberg, interpretierte den Vorfall in Wiesbaden als "bezeichnend für den Zustand der gesamten Hessen-SPD".

Das Echo in den Medien war am Tag nach dem Debakel verheerend: Die "Bild" übersetzte SPD mit "So Peinlich Doof", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" blickte in einen "Abgrund an Blödigkeit" und zerstreute Mutmaßungen, Roths Kandidatur sei absichtlich torpediert worden: Wäre dem so gewesen, hätten die SPD-Mannen "einen Oscar für die weltweit überzeugendste Darstellung von Enttäuschung verdient".

Quelle: n-tv.de