Politik
Igor Strelkow hat jetzt "andere Aufgaben".
Igor Strelkow hat jetzt "andere Aufgaben".(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 14. August 2014

Kiews Armee umstellt Lugansk: Separatistenführer Strelkow tritt zurück

Die Separatisten in der Ukraine wechseln erneut ihre Spitze aus: der bisherige Befehlshaber Igor Strelkow tritt zurück. Ein Nachfolger steht bereits fest. Kiews Armee umzingelt derweil die Rebellenhochburg Lugansk. Und Kremlchef Putin spricht auf der Krim.

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In der Ostukraine ist der führende Rebellen-Kommandeur Igor Strelkow zurückgetreten. Sein Nachfolger solle Wladimir Kononow werden, teilte die von den prorussischen Separatisten ausgerufene Volksrepublik Donezk mit. Strelkow habe jetzt "andere Aufgaben". Mit seinem Rücktritt gibt bereits der dritte Rebellenanführer innerhalb weniger Tage seinen Posten auf.

Der gebürtige Moskauer und frühere Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB heißt eigentlich Igor Girkin. Unter seinem Kampfnamen Strelkow hatte er die Aufständischen in Slawjansk befehligt. Von dort war er wegen des Heranrückens der Regierungstruppen Anfang Juli nach Donezk abgezogen. Er hatte für den Schritt harsche Kritik aus den eigenen Reihen geerntet. Strelkow hatte argumentiert, er habe Menschenleben retten wollen. Die ukrainischen Soldaten haben nun auch Donezk unter heftigen Beschuss genommen.

In der zweiten Rebellenhochburg Lugansk trat ebenfalls der Separatisten-Anführer Waleri Bolotow zurück. Er könne wegen einer Verletzung nicht mehr weitermachen, erklärte Bolotow dem staatlichen russischen Sender Rossija 24 zufolge. Nachfolger sei der bisherige Verteidigungsminister der von Rebellen ausgerufenen Volksrepublik Lugansk, Igor Plotnizki. Erst vor einer Woche war der Regierungschef der proklamierten Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai, zurückgetreten.

Putin schlägt auf der Krim versöhnliche Töne an

Kremlchef Wladimir Putin hat unterdessen bei einem Treffen mit Regierung und Abgeordneten auf der Krim ein Ende der erbitterten Gefechte in der Ostukraine gefordert. "Das Land ist in blutigem Chaos versunken, in einem mörderischen Bruderkrieg", sagte er auf der im März von Russland einverleibten Schwarzmeerhalbinsel.

Die Lage in der Ukraine sei eine humanitäre Katastrophe. "Russland wird alles in seiner Macht stehende tun, um die Kämpfe so schnell wie möglich zu beenden", betonte Putin vor den Politikern.

In seiner mit vier Stunden Verspätung im Krimkurort Jalta begonnenen Rede ging Putin auch auf Russlands Auseinandersetzung mit dem Westen ein. Der im Ukraine-Konflikt entbrannte Handelsstreit mit dem Westen bedeute nicht das Kappen aller Verbindungen, sagte er. "Aber wir sollten nicht zulassen, dass sie uns mit Verachtung behandeln." Die Anfang August verhängten Sanktionen Russlands verteidigte er als "rechtmäßig und begründet".

Ukrainische Armee umstellt Lugansk komplett

Derweil hat die ukrainische Armee die seit Wochen belagerte Rebellenhochburg Lugansk im Osten des Landes nach eigenen Angaben vollständig umstellt. Die Regierungstruppen hätten das Dorf Nowoswitliwka eingenommen und damit die letzte Verbindungsstraße zum russischen Grenzübergang von Iswaryn abgeschnitten, sagte der Armeesprecher Andrej Lyssenko. Damit sei Lugansk nun vollständig von der ukrainischen Armee eingeschlossen.

Die Regierungstruppen versuchen seit Wochen, die Rebellenhochburg zu erobern, doch leisten die prorussischen Separatisten erbitterten Widerstand. Die humanitäre Lage in der Industriestadt ist äußert schwierig, da es seit zwei Wochen keinen Strom und kein Wasser mehr gibt und Lebensmittel und Treibstoff knapp sind. Moskau hat einen Hilfskonvoi mit knapp 300 Lastwagen Richtung Lugansk entsandt, doch gibt es seit Tagen Streit mit Kiew, ob und wie er in die Ukraine gelassen wird.

Quelle: n-tv.de