Politik

Warnung vor voreiliger Öffnung Spahn: Realität fühlt sich härter an als erwartet

Der Lockdown wird verlängert, fallenden Infektionszahlen zum Trotz: Auch Gesundheitsminister Spahn sieht positive Tendenzen. Doch der CDU-Politiker und RKI-Chef Wieler erinnern an die Corona-Mutationen, die ein übereiltes Ende der Maßnahmen bitter bestrafen könnten.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat dazu aufgerufen, in den kommenden Wochen die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus konsequent beizubehalten. Der CDU-Politiker sagte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler: "Dieser Winter ist hart, das hatten wir erwartet. Aber die Realität fühlt sich nach diesen vielen Wochen noch härter an." Die Infektionszahlen gingen zurück - "auch ermutigend stark". Er erwarte, dass die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Wochenende die Schwelle 60 unterschreiten werde. Jedoch müsste die tägliche Zahl der neuen Fälle noch weiter sinken, bevor der Lockdown zurückgefahren werden könne.

Spahn sprach sich dafür aus, nicht voreilig zu handeln: "Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg dieser Maßnahmen." Es sei besser, jetzt noch eine Weile durchzuhalten als noch einen Rückschlag zu erleiden. Die schrittweise Wiederaufnahme des Schul- und Kitabetriebs verteidigte Spahn dagegen angesichts der Situation der Kinder und Jugendlichen als richtig.

RKI-Chef Wieler äußerte sich ebenfalls verhalten optimistisch: "Erfreulicherweise gehen die Fallzahlen zurück", sagte er. Auch auf vielen Intensivstationen stabilisiere sich die Situation, auch wenn sie noch immer angespannt sei. Zudem sei die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle noch immer zu hoch. "Trotzdem sind wir alles in allem auf einem guten Weg", sagte Wieler. Jedoch: "Jede Infektion ist eine zu viel." Die Daten zeigten, dass Anstrengungen wie Maskentragen, Kontaktreduktionen, Hygiene und Lüften wirkten - auch gegen viele andere ansteckende Krankheiten wie Grippe, Erkältungen, Durchfall und Masern.

Er erinnerte jedoch daran, dass das Virus durch die Ausbreitung neuer Varianten einen "Boost" erhalten habe. Wieler sagte, die ansteckenderen Varianten könnten die Bekämpfung der Pandemie erschweren. "Ich gehe von einem Anstieg aus, ganz klar", sagte Wieler. "Wir müssen die Ausbreitung der Varianten zumindest verlangsamen. Wir müssen verhindern, dass neue besorgniserregende Varianten entstehen." Die bereits bekannten Varianten seien ansteckender und breiteten sich auch in Deutschland aus. Neue Daten dazu seien in der kommenden Woche zu erwarten.

Gesundheitsminister Spahn kündigte zudem eine Neufassung der Teststrategie an. Künftig sollen Ärzte bei Patienten wieder einen PCR-Coronatest durchführen können, sofern Symptome vorliegen, die auf eine Infektion hindeuten. Seit November 2020 war dies in Deutschland angesichts eines hohen Testaufkommens neu geregelt worden: Tests wurden nur durchgeführt, wenn neben Symptomen auch ein Kontakt zu einem Infizierten vorlag.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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