Politik

Das Morden in Homs geht weiter Syrien verweigert Helfern Zutritt

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Seit fast einem Jahr wehren sich die Syrer gegen ihren Machthaber Assad.

(Foto: REUTERS)

In Syrien ist keine Besserung der Lage in Sicht. Machthaber Assad schlägt weiterhin mit aller Gewalt sein Volk nieder. Hilfsorganisationen wird der Zutritt zu Krisengebieten verweigert, auch die UN-Hilfsbeauftragte darf nicht nach Homs reisen, um sich ein Bild zu machen. Die Türkei spricht mit Blick nach Syrien von "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Rund 20.000 Menschen warten in der umkämpften syrischen Stadt Homs weiter auf internationale Hilfe. Nachdem die Truppen von Präsident Baschar al-Assad internationalen Helfern den Zugang zu dem Stadtviertel Baba Amr formal genehmigt hatten, erhielten Rotes Kreuz und Roter Halbmond bislang jedoch zunächst keinen Zutritt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Damaskus auf, Helfern ohne Vorbedingungen Zugang zu gewähren.

Verwirrung gab es über einen möglichen Einsatz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in der Protesthochburg Homs. Nachdem ein IKRK-Vertreter gesagt hatte, Helfer seien seit Freitagmorgen in dem umkämpften Viertel Baba Amr, dementierte dies IKRK-Sprecher Saleh Dabbakeh später. Noch werde mit den syrischen Behörden über den Zugang zu dem Viertel verhandelt, das am Donnerstag von Truppen Assads eingenommen worden war. Nach Angaben von Dabbakeh befanden sich weder IKRK-Vertreter noch Angehörige des Roten Halbmonds in Baba Amr.

"Massaker" in Homs

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Die Oppositionellen (im Bild ein syrischer Freiheitskämpfer) kämpfen verzweifelt gegen die Armee, die Assad untersteht.

(Foto: dpa)

Unterdessen gehen die unter dramatischen Umständen aus der syrischen Protesthochburg Homs entkommenen französischen Journalisten William Daniels und Edith Bouvier bei dem Angriff auf sie von einer gezielten Militäraktion aus. "Wir hatten das Gefühl, direkt attackiert zu werden", sagten sie der Tageszeitung "Le Figaro", für die beide arbeiten. Der ebenfalls gerettete britische Fotograf Paul Conroy berichtete von "Massakern" in Homs.

"Es gab mindestens fünf Explosionen in Folge", sagten Daniels und Bouvier der Zeitung. Am 22. Februar sei das als Pressezentrum der syrischen Opposition genutzte Haus, in dem sie sich zusammen mit anderen Kollegen aufgehalten hatten, bereits ab dem frühen Morgen beschossen worden. "Die syrischen Aktivisten bei uns waren an solche Bombardements gewöhnt und erkannten die Gefahr umgehend", sagten die beiden Journalisten. Die Aktivisten hätten daraufhin zur sofortigen Flucht gedrängt.

Bei der seit fast vier Wochen andauernden Offensive der syrischen Armee gegen die Protesthochburg Homs sind nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rund 700 Menschen getötet worden. Tausende weitere seien durch den Beschuss der Stadt verletzt worden, erklärte die in New York ansässige Organisation unter Berufung auf Journalisten und geflohene Einwohner am Freitagabend. Den Berichten zufolge werde das besonders umkämpfte Viertel Baba Amr jeden Tag ab 06.30 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang unter Beschuss genommen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte in New York Unverständnis darüber, dass der UN-Nothilfebeauftragten Valerie Amos die Einreise nach Syrien verweigert wurde. Die Lage dort sei "inakzeptabel" und "unerträglich".

Selbstmordanschlag in Grenznähe

In Daraa starben nach Regierungsangaben bei einem Selbstmordanschlag mindestens zwei Zivilisten. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana wurden 20 weitere Menschen verletzt, als ein "Terrorist" eine Autobombe im Stadtzentrum gezündet habe. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London berichtete von einer Explosion in Daraa mit zwei Toten und mehreren Verletzten. Die Regierung macht immer wieder "Terroristenbanden" für Anschläge verantwortlich. Die Rebellen werfen Assad dagegen vor, selbst hinter den Anschlägen zu stehen.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, die syrische Armee habe eine Offensive nahe der Grenze zur Türkei gestartet. In dem Dorf Ain al-Beida gingen rund 2000 syrische Soldaten mit Panzern gegen Oppositionelle vor. Augenzeugen hätten berichten, die Armee setze Häuser in Brand.

Mehrere Verletzte seien über die Grenze in die Türkei zur Behandlung gebracht worden. Bewohner des türkisches Grenzdorfes Güveççi bestätigten, sie hätten am Morgen Maschinengewehr- und Artilleriefeuer gehört. Seit Beginn der Proteste gegen die syrische Führung im März 2011 flohen etwa 7500 Syrer über die Grenze in die Türkei.

Die Türkei hat den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wegen der Niederschlagung der Protestbewegung scharf kritisiert. "Das syrische Regime begeht tagtäglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu am Samstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem italienischen Amtskollegen Giulio Terzi. "Ich sage dies ganz deutlich nach all den Massakern und Verbrechen, die den Charakter von Kriegsverbrechen haben." Mit ihrer kompromisslosen Haltung habe die syrische Führung alle Türen für einen Dialog zugeschlagen.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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