Politik

Tempolimit für Autobahnen? Tödliche Unfälle passieren meist auf Landstraßen

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An vielen Autobahnstreckenabschnitten gilt bereits eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

(Foto: dpa)

Einmal mehr wird eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen diskutiert - diesmal hat sie SPD-Chef Sigmar Gabriel ins Spiel gebracht. Er erhofft sich weniger schwere Unfälle davon. Doch Gegner glauben nicht, dass ein Tempolimit helfen würde und die Statistiken scheinen ihnen Recht zu geben.

Immer und immer wieder wird eine Sau namens Tempolimit über die Autobahnen der Republik getrieben. Passiert ist in Sachen Geschwindigkeitsbegrenzung bislang aber noch nichts. Kein Ja, kein endgültiges Nein, nur ein stetiges Wiederaufwärmen der Debatte - aktuell von SPD-Chef Sigmar Gabriel. "Tempo 120 auf der Autobahn halte ich für sinnvoll, weil alle Unfallstatistiken zeigen, dass damit die Zahl der schweren Unfälle und der Todesfälle sinkt", sagte er der "Rheinischen Post". "Der Rest der Welt macht es ja längst so."

Ausländische Beobachter bemerken des Öfteren verwundert, den Deutschen sei die Erlaubnis zu Rasen wohl heilig. Ähnlich irritiert über die Liebe der Deutschen zum schnellen Gefährt äußerte sich einst Grünen-Politiker und Ministerpräsident des Autolandes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, bei einem Besuch bei Porsche. Er habe nicht dieses "libidinöse Verhältnis zu diesen Autos, wie diejenigen, die sie gerne fahren".

Vielleicht schafft es Deutschland deshalb nicht, sich endlich für ein Tempolimit zu entscheiden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Bild doch nicht ganz so eindeutig ist, wie Gabriel es zeichnet.

Vergleichsweise wenige Unfälle auf Autobahnen

Tempolimit-Gegner wie der ADAC führen immer wieder an: "Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen ist nicht feststellbar". Ohnehin gebe es bereits auf zahlreichen Streckenabschnitten Tempolimits. "Derzeit sind bereits knapp 30,4 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, weitere 4,1 Prozent sind mittels Streckenbeeinflussungsanlagen limitierbar - somit also schon etwa mehr als ein Drittel des Autobahnnetzes." Immer und überall unbegrenzt Vollgas? Fehlanzeige.

Ein Blick in die Statistik bestätigt die Darstellung des ADAC zunächst: Fast 70 Prozent aller Unfälle, bei denen Menschen verletzt werden, geschehen in Städten oder Dörfern. Unfälle mit Toten passieren meist außerorts auf Landstraßen. So starben laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2011 453 Menschen bei Unfällen auf Autobahnen. Auf anderen Straßen außerhalb von Ortschaften kamen 2441 Menschen ums Leben.

"Es kommt vergleichsweise selten zu Unfällen auf der Autobahn", sagt auch der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) Siegfried Brockmann. Der UDV ist nach eigenen Angaben einer der größten Auftraggeber für universitäre und außeruniversitäre Verkehrssicherheitsforschung. Auf Autobahnen gebe es weder Gegenverkehr, noch Fahrradfahrer oder Fußgänger. Die hätten ein großes Risiko, bei einem Unfall zu sterben oder schwer verletzt zu werden, da sie weniger geschützt seien als Autofahrer.

Ein Tempolimit könnte das Unfallrisiko senken

Doch das Aufgerechne bei dieser Endlosdebatte wird der Sache letztlich nicht gerecht. Denn auch wenn es seltener auf Autobahnen als auf anderen Straßen kracht: Kommt es dort zu Unfällen, sind die in der Regel schwer, sagt Brockmann. Meist gebe es Verletzte oder sogar Tote.

Bei den Unfällen spiele Geschwindigkeit immer wieder eine Rolle - etwa, weil auf den verschiedenen Fahrstreifen unterschiedlich schnell gefahren werde, erklärt Brockmann. Rechts 80 und Links 180 km/h sei "natürlich immer unglaublich gefährlich". Ein Tempolimit könne zu einer "Harmonisierung" führen.

Eine Auswertung der Unfallstatistiken hat Brockmann zufolge zudem gezeigt, dass pro Jahr etwa 70 Menschen bei Unfällen sterben, bei denen eine besonders hohe Geschwindigkeit mit ursächlich war - und zwar auf Autobahnstreckenabschnitten ohne Tempolimit. Insofern sei die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung "zumindest überdenkenswert".

Quelle: n-tv.de

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