Politik

"Eine große Deutsche"Trauerfeier für Marion Dönhoff

22.03.2002, 16:22 Uhr

Politiker und Weggefährten haben bei einer Trauerfeier in Hamburg Abschied von der verstobenen "Zeit"-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff genommen.

Elf Tage nach dem Tod der "Zeit"-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff haben Politiker, Kollegen, Freunde und Angehörige bei einer Trauerfeier in der Hamburger Kirche St. Michaelis Abschied von der Journalistin genommen.

Marion Gräfin Dönhoff war am 11. März im Alter von 92 Jahren auf Schloss Crottorf (Rheinland-Pfalz) im Kreise ihrer Familie gestorben. Dönhoff galt als "große alte Dame" der deutschen Publizistik. 1971 hatte sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Vor 2.500 Trauergästen erinnerte Bundespräsident Johannes Rau Dönhoff an Dönhoffs "Leidenschaft", mit der sie für Gerechtigkeit gekämpft und den Opfern ihre Stimme gegeben habe. Er verwies auf das Eintreten der gebürtigen Ostpreußin für die Aussöhnung mit Polen.

"Wir erinnern uns an eine große Deutsche, eine herausragende Journalistin, an eine kluge und liebenswerte Frau, die aufrecht und bescheiden war, vornehm und unprätentiös und voller Zuversicht", sagte Rau.

Unter den Trauergästen waren Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ehemalige polnische Ministerpräsident Mieczyslaw Rakowski, der Herausgeber des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Rudolf Augstein, sowie der frühere "Zeit"-Chefredakteur Theo Sommer. Auch der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust, und der amerikanische Historiker Fritz Stern, ein persönlicher Freund Dönhoffs, würdigten die Verstorbene.

In seiner Predigt bezeichnete Prälat Stephan Reimers Dönhoff als "Ritterin für die Bewahrung der Menschlichkeit und des Zusammenlebens der Völker". Er erinnerte an ihren "aktiven Widerstand gegen Hitler", ihren Beitrag zur Versöhnung mit Polen und ihr Engagement im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.

Der frühere Bundeskanzler und jetzige "Zeit"-Herausgeber Helmut Schmidt würdigte in einer sehr persönlichen Ansprache "Marions" Rolle als eine der "letzten noch Lebenden aus dem Widerstand gegen den Verderber Hitler". Dadurch sei sie nach dem Krieg zu einem "Symbol des anständigen, des aufgeklärten Deutschland geworden". Sie habe "politische und moralische Führung gegeben, ohne dafür einen eigenen Anspruch zu erheben. Sie war ein Vorbild in der Erfüllung ihrer Pflichten".