Politik

Gegen Rumäniens Regierungschef Universität erhebt Plagiatsvorwurf

2012-07-20T183419Z_01_RSS36_RTRMDNP_3_ROMANIA-POLITICS-PM.JPG3340057115495559288.jpg

Regierungschef Victor Ponta befindet sich wegen Schummeleien in seiner Doktorarbeit in der Kritik.

(Foto: REUTERS)

Zuerst das zweifelhafte Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten, jetzt Schummeleien in der Doktorarbeit: Rumäniens Regierungschef Victor Pontas gerät zunehmend unter Beschuss. Während die Universität Bukarest die Plagiatsvorwürfe gegen Ponta bestätigt, sieht dieser sich als Opfer einer politischen Kampagne.

Die Universität von Bukarest hat Plagiatsvorwürfe gegen den rumänischen Regierungschef Victor Ponta bestätigt. Eine Ethikkommission der Hochschule teilte am Freitag mit, bei der 2003 eingereichten Dissertation über den Internationalen Strafgerichtshof handele es sich um ein "massives Plagiat". Ponta, der in der EU wegen eines Amtsenthebungsverfahrens gegen den konservativen Präsidenten Traian Basescu in der Kritik steht, habe ein Drittel der rund 300 Seiten über das Kopieren und Einfügen fremder Texte erstellt und damit absichtlich von anderen Autoren abgeschrieben.

Ponta wies die Anschuldigungen zurück. Es handele sich um die "politische Entscheidung" einer Kommission, die extra für seinen Fall gebildet worden sei, sagte er der Nachrichtenagentur Mediafax. Ponta hatte die Plagiatsvorwürfe bereits im Juni zurückgewiesen und sich damit gerechtfertigt, dass er seine Doktorarbeit nach den vor neun Jahren gültigen Regeln verfasst habe. Es sei damals etwa nicht notwendig gewesen, Zitate mit Anführungszeichen kenntlich zu machen, solange die genutzten Arbeiten im Literaturverzeichnis genannt würden.

Mögliche Aberkennung von Pontas Doktortitel

Die Ethikkommission der Universität wies Pontas Auffassung am Freitag ausdrücklich zurück. Die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten seien schon seit "mehr als 200 Jahren" dieselben, erklärte der Professor Marian Popescu, der die Kommission leitet. Wer Textpassagen aus fremden Arbeiten übernehme, müsse die Zitate mit Anführungszeichen und Fußnoten kenntlich machen.

Der Rektor der Universität, Mircea Dumitru, will den Kommissionsbericht nun dem Senat der Hochschule vorlegen, der über eine mögliche Aberkennung von Pontas Doktortitel entscheiden muss. Die endgültige Entscheidung wird dann jedoch vom Bildungsministerium getroffen, wie Dumitru betonte. Am Donnerstag hatte der Nationale Ethikrat, den das Ministerium kurz nach Pontas Amtsantritt im Mai umbesetzt hatte, noch zugunsten des Ministerpräsidenten entschieden und geurteilt, dass seine Dissertation die akademischen Anforderungen erfülle.

Regierung in der Krise

Pontas Mitte-links-Regierung war Anfang Mai vereidigt worden. Schon eine Woche später trat Bildungsminister Ioan Mang wegen schwerer Plagiatsvorwürfe zurück. Vor der Regierungsbildung war bereits die ursprünglich vorgesehene Kandidatin für das Bildungsministerium an Plagiatsvorwürfen gescheitert.

Rumäniens Regierungschef sieht sich zur Zeit einer Welle von Kritik ausgesetzt. Nicht nur seine Doktorarbeit, sondern auch das von ihm eingeleitete Amtsenthebungsverfahren gegen den kürzlich suspendierten Päsidenten Traian Basescu sorgt auch international für Kritik.

Quelle: ntv.de, AFP