Politik

Zeuge im Münchner ProzessV-Mann soll NSU-Trio geholfen haben

21.11.2013, 16:04 Uhr
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Zschäpe und ihre Mitstreiter müssen Unterstützung gehabt haben. (Foto: dpa)

André Kapke ist ein Jugendfreund von Beate Zschäpe. Er gilt als mutmaßlicher Unterstützer der rechtsextremem Terrorgruppe. Doch als Zeuge vor Gericht will er sich daran kaum erinnern, macht dafür jedoch andere Verbindungen zum NSU aus.

Ein V-Mann des Verfassungsschutzes soll nach Aussage eines Zeugen versucht haben, den mutmaßlichen NSU-Terroristen bei ihrem Weg in den Untergrund zu helfen. Nach dem Untertauchen des Trios 1998 sei in der rechten Szene diskutiert worden, wo man Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe unterbringen könnte. Dabei habe sich der später als V-Mann enttarnte Tino Brandt an ihn gewandt, sagte der Thüringer Rechtsextremist André Kapke im NSU-Prozess. Brandt war seinerzeit eine zentrale Figur in der rechtsextremen Szene Thüringens.

Brandt habe ihn unter anderem zu dem stellvertretenden NPD-Vorsitzenden Frank Schwerdt geschickt, sagte Kapke. "Der hat ja einige Kontakte", habe Brandt ihm gesagt. Außerdem habe Brandt ihm einen Kontakt vermittelt, der gefälschte Pässe besorgen sollte. Dieser habe jedoch schließlich nur drei leere Pässe übergeben, sagte Kapke. "Damit konnte ich nicht viel anfangen."

Wie der Besuch bei NPD-Vize Frank Schwerdt verlief, sagte Kapke zunächst nicht. Schwerdt selbst hatte 2012 in einem Fernsehinterview bestätigt, dass es ein Treffen mit Kapke gegeben habe. Er habe den dreien jedoch weder helfen können noch wollen.

Geldsammlungen sollten zur Flucht verhelfen

Kapke steht im Verdacht, gemeinsam mit dem in München mitangeklagten Ralf Wohlleben Rechtsrock-Konzerte organisiert zu haben. Dabei sollen sie etwa 4000 D-Mark eingesammelt haben, mit denen den NSU-Mitgliedern die Flucht nach Südafrika ermöglicht werden sollte. Kapkes Name taucht zudem auf einer Adressliste auf, die im Zuge der Ermittlungen unter alten Asservaten gefunden wurde.

In den 90er Jahren war Kapke in der Jenaer Neonazi-Szene aktiv - ebenso wie die späteren NSU-Mitglieder. Er sollte eigentlich bereits am Mittwoch gehört werden, seine Vernehmung wurde aber verschoben, weil die Befragung von Brigitte Böhnhardt länger dauerte als geplant.

Insgesamt rechnet die Anklage dem Trio zehn Morde zu. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich am 4. November 2011 mutmaßlich selbst getötet, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess.

Quelle: ntv.de, sba/dpa