Politik

Elf Tote bei neuer Runde der Gewalt Waffenstillstand hält nicht lange

Bei einem neuen Schlagabtausch zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen werden mindestens elf Menschen getötet. Kämpfer der radikalen "Dschihad Islami" feuern mit selbstgebauten Grad-Raketen nach Israel und töten einen Autofahrer. Bei Gegenschlägen der Israelis werden zehn Dschihad-Kämpfer getötet. Ein neuer Waffenstillstand wird bereits nach wenigen Stunden gebrochen.

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Auch in Ashkelon sind sich die Menschen ihres Lebens nicht mehr sicher.

(Foto: dpa)

Wieder sind Tod und Zerstörung das Ergebnis eines Schlagabtauschs zwischen der extremistischen Organisation "Islamischer Dschihad" im Gazastreifen und Israel. Am Jahrestag der Ermordung des Gründers des "Islamischen Dschihad", Fathi Schkaki, auf Malta am 26. Oktober vor 16 Jahren durch Mossad-Agenten, wurde am vergangenen Mittwoch eine Grad-Rakete russischer Bauart auf die israelische Kleinstadt Beer Tuvia abgeschossen. Dabei wurde ein Israeli leicht verletzt. Die Granate war in seine Wohnung eingeschlagen. Anstatt sofort auf den Raketenbeschuss zu reagieren, wie es der angekündigten Politik Israels seit dem Gaza-Krieg vor zwei Jahren entspricht, wartete das israelische Militär ab.

Und anstatt Schmugglertunnel an der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen zu bombardieren, wurde dieses Mal ein Militärlager des "Dschihad Islami" im Gelände der ehemaligen, im Sommer 2005 geräumten israelischen Siedlung Atzmona im Gazastreifen angepeilt. Israels Geheimdienst wusste offenbar von einem geplanten Treffen von Befehlshabern der radikalen Organisation. Drohnen filmten zudem, wie aus einem zivilen Lastwagen sechs Meter lange Rohre zu einer fest installierten Abschussrampe getragen wurden.

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Das Bild zeigt nach Angaben der israelischen Armee Palästinenser, die eine Grad-Rakete von einem Lastwagen zu einer Abschussstelle tragen.

(Foto: dpa)

Es handelte sich dabei um Gradraketen, die mit einer neuen Technologie aufgerüstet waren, sagte Militärsprecher Brigadegeneral Yoav Mordechai im Rundfunk: "Wir haben nicht nur die Raketen unmittelbar vor ihrem Abschuss auf Israel zerstört, sondern auch einen Lagerraum mit moderner Infrastruktur für diese Raketen." Eine neue Technologie sei für Israel ein "reiner Albtraum", weil sie die Reichweite der Raketen wesentlich erweitere.

Raketen erreichen Tel Aviv nicht

Am Mittwoch hatte es erstmals Raketenalarm in Rischon Lezion und Rehovot gegeben, beides sind Vororte von Tel Aviv. Es fehlen nur noch wenige Kilometer, bis auch Tel Aviv selbst in Reichweite der Raketen radikaler Terrorgruppen des Gazastreifens liegt.

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Der 56-jährige Moshe Ami überlebte den Beschuss nicht

(Foto: dpa)

Bei dem Angriff auf das Militärlager nahe Rafah im Süden des Gazastreifens sind neun Kämpfer des Dschihad getötet worden, unter ihnen der "Waffenbeschaffer" der Organisation, Ahmad Scheich Chalil. Dieser "besonders schmerzhafte Schlag", wie der Militärsprecher sagte, habe die nachfolgende Kettenreaktion am Samstag und bis in die Morgenstunden des Sonntag ausgelöst. Bei Mörser- und Raketenangriffen auf israelische Städte wurde ein 56 Jahre alter Autofahrer bei der Suche nach einem sicheren Unterstand getötet. Nahe einer Schule in der Hafenstadt Aschdod und auf dem Parkplatz neben einem neunstöckigen Wohnhaus explodierten weitere Raketen.

Überlebt mit Gottes Hilfe

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Die Menschen in Aschdod leben mit der Angst, von Grad-Raketen getroffen zu werden.

(Foto: dpa)

"Für uns hat es ein göttliches Wunder gegeben", sagte der fromme Matania Simchi. "Uns hat der Synagogendiener das Leben gerettet, weil der wegen Krankheit den Gebetssaal nicht geöffnet hatte." Das Gebet wurde etwa 50 Meter von der Raschbi-Synagoge entfernt abgehalten, als eine Raketen im Innenhof des Gotteshauses explodierte und schweren Schaden anrichtet, den wohl kaum einer im Innenraum überlebt hätte.

Weil Israels Hafenstadt Aschdod im Visier der Raketen war, mussten Kreuzfahrtschiffe nach Haifa umgeleitet werden. Am Sonntag fiel der Schulunterricht im Umkreis von etwa 50 Kilometern von der Grenze des Gazastreifens entfernt aus. Etwa anderthalb Millionen Israelis leben in diesem Gebiet von der Großstadt Beer Schewa über Kirjat Gat und bis Aschdod.

Auch in der Beduinenstadt Rahat blieben die Schulen geschlossen. Grundsätzlich wurden Versammlungen mit mehr als 500 Menschen verboten.

Netanjahu macht Hamas verantwortlich

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Nach Ansicht Netanjahus sollte die Hamas ihren Einfluss auf die radikalen Kämpfer geltend machen.

(Foto: dpa)

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu machte die im Gazastreifen herrschende Hamas für den Raketenbeschuss verantwortlich, obgleich die radikale "Dschihad Islami"-Organisation erklärt hatte, die Raketen abgeschossen zu haben. Die Hamas müsse dafür sorgen, dass auch extremistische Oppositionsgruppen in dem von der Hamas kontrollierten Gebiet nicht mit schweren Waffen Israel angreifen können.

Ein israelischer Militärsprecher deutete an, dass künftig auch Politiker der Hamas gezielt getötet werden könnten: "Wenn ein Politiker den Befehl zu einem Terroranschlag erteilt, ist er aus unserer Sicht ein Terrorist und kein Politiker."

Waffenstillstand wird gebrochen

Obgleich die "Dschihad Islami"-Organisation einem von Ägypten vermittelten Waffenstillstand für Sonntagmontag zugestimmt hat und Israel erklärt hatte, kein Interesse an einer weiteren Eskalation zu haben, griffen am Sonntagnachmittag erneut israelische Kampfflugzeuge im Gazastreifen an.

Drohnen hatten ausspioniert, wie erneut Raketen auf Abschussrampen in Stellung gebracht worden seien. Der Militärsprecher erklärte, dass durch diesen weiteren Angriff ein erneuter Beschuss israelischer Städte rechtzeitig abgewendet worden sei. Bei diesem erneuten Angriff wurde nach palästinensischen Angaben ein Kämpfer getötet und ein weiterer verletzt.

Quelle: n-tv.de

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