Politik

Unruhen in Albanien Zivilisten erschossen

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Die aufgebrachten Albaner fordern den Rücktritt ihrer korrupten Regierung.

(Foto: dpa)

Dicke Rauchwolken über dem Zentrum von Tirana. 20.000 Menschen protestieren gegen die korrupte Regierung. Polizeiautos brennen; es kommt zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Drei Zivilisten werden offenbar aus nächster Nähe erschossen.

Bei gewaltsamen Protesten gegen die albanische Regierung sind in der Hauptstadt Tirana drei Menschen erschossen worden. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, sagte ein Chirurg des Militärkrankenhauses. "Sie wurden aus nächster Nähe mit einer kleinkalibrigen Pistole erschossen." Sie seien bei der Einlieferung ins Hospital tot gewesen. Insgesamt 22 Zivilisten sowie 70 Polizisten und Soldaten wurden zudem verletzt, drei davon schwer, wie der Leiter der Notaufnahme des Militärkrankenhauses, Sami Koceku, sagte.

Zu der Demonstration mit schätzungsweise 20.000 Teilnehmern hatten die oppositionellen Sozialisten aufgerufen. Sie fordern wegen Korruptionsvorwürfen den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Sali Berisha sowie vorgezogene Neuwahlen. Berisha, dessen Regierung im Parlament nur eine hauchdünne Mehrheit hat, hatte vergangene Woche seinen Vize Ilir Meta abgelöst, der wegen einer Korruptionsaffäre zurücktreten musste.

Hochspannung in der Stadt

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Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

(Foto: REUTERS)

Mehrere Polizeiwagen gingen in Flammen auf, über der Stadtmitte standen dichte Rauchwolken. Die Demonstranten warfen Steine, Knüppel und Molotow-Cocktails auf die Polizisten, die mit dem Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern und später auch Gummigeschossen reagierten. Zeitweilig durchbrachen die Randalierer die Polizeiabsperrungen, drangen auf das Gelände von Berishas Amtssitz vor und versuchten, das Gebäude zu stürmen. Über ihre Köpfe hinweg gaben die Sicherheitskräfte Warnschüsse mit scharfer Munition ab. Bei dem Sturm auf das Regierungsgebäude wurden mehrere Bäume in Brand gesetzt, das Portal wurde aus den Angeln gerissen.

Präsident Bamir Topi und Sozialistenchef Edi Rama forderten ihre Landsleute zur Ruhe und Besonnenheit auf. Vertreter der Regierungspartei warfen der sozialdemokratischen Opposition einen Umsturzversuch vor. Rama dagegen erklärte, die Demonstranten seien durch den Tränengas- und Wasserwerfereinsatz der Polizei provoziert worden.

Wie andere Balkanländer gilt Albanien als eines der korruptesten Länder Europas. In der neuen weltweiten Korruptionsliste der Organisation Transparency liegt der Adriastaat gemeinsam mit Indien, Jamaika und Liberia auf dem 87. Platz.

Quelle: ntv.de, dpa/rts/AFP

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