Politik
Mittwoch, 15. November 2006

30 Jahre TeeGschwendner: Von Trier in die Welt

Angefangen hat alles mit einem kleinen Laden in Trier und einer guten Idee. Hochwertigen Tee – und zwar viele verschiedene Sorten – wollte Albert Gschwendner verkaufen, als er sein erstes Geschäft vor genau 30 Jahren in der Moselstadt eröffnete. Als Teeliebhaber störte es ihn damals, dass es keine Tee-Fachgeschäfte gab. "Tee gab es nur in Kaffee-Tee-Süßwaren-Läden, in denen der Tee eine untergeordnete Rolle spielte", sagt der 52-Jährige. Über Bonn, Mainz, Frankfurt und Köln breitete sich die Tee-Fachgeschäftsfamilie zunächst als "Der Teeladen" und seit 1999 als "TeeGschwendner" in ganz Deutschland aus. Etwa 120 Läden sind es heute bereits bundesweit.

Seit 2004 expandierte das Unternehmen, das seinen Sitz in Meckenheim bei Bonn hat, auch ins Ausland. In Brasilien gibt es bereits acht "TeeGschwendner"-Geschäfte, in Saudi-Arabien vier, in den USA drei und in Kuwait einen. Es werde überall das gleiche Sortiment mit rund 350 Teesorten angeboten, sagt Geschäftsführer Gschwendner. Gekauft werde dort aber anders. In den USA zum Beispiel werde Tee vor allem wegen der Gesundheit und nicht wegen des Genusses getrunken – in Deutschland umgekehrt. Deshalb gehe der Trend in den USA auch zum Grünen und Weißen Tee.

Weißer Tee aus China (Fujian), der seinen Namen den Knospen -eigentlich dem silbrigen, seidenartigen Flaum, der sie umgibt – verdankt, erlebe gerade in Deutschland "einen kleinen Boom". Nach Rooibos und Grünem Tee sei er auch bei den deutschen Teetrinkern "in". Gschwendner hat bereits zehn Sorten in sein Sortiment aufgenommen, hofft aber, dass die Riesennachfrage ausbleibt. "Von dem Tee gibt es nicht so viel." Der größte Tee-Facheinzelhändler Deutschlands beschäftigt in seiner Zentrale etwa 80 Mitarbeiter, in der Gruppe gehören 1100 Mitarbeiter dazu. Zahlen zum Umsatz veröffentlicht das Familienunternehmen nicht.

Die Tee-Fachgeschäfte in Deutschland konnten nach Angaben des Deutschen Teeverbandes (Hamburg) 2005 ihre Position auf dem deutschen Markt ausbauen: Mit einer Steigerung ihres Marktanteils um fast zwei Prozentpunkte auf 18,1 Prozent setzten sie sich als zweitwichtigste Einkaufsquelle durch und verwiesen die Discounter (18,0) Prozent auf den dritten Platz. Der meiste Tee (knapp 42 Prozent) wird im Lebensmittel-Einzelhandel gekauft. 2005 wurden laut Verband bundesweit mehr als 18.000 Tonnen Tee verkauft. Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche knapp 25,5 Liter Tee im Jahr.

Mit einer weltweiten Jahresproduktion von rund 3,4 Millionen Tonnen (plus 7,2 Prozent im Vergleich zu 2004) sei Tee nach Wasser das beliebteste Getränk der Welt, hieß es beim Verband. Die wichtigsten Lieferländer sind China, Indien, Indonesien, Kenia, Sri Lanka und Japan. Bei dem Meckenheimer Unternehmer prüft ein "Tea-Taster" (Tee-Verkoster) die Sorten auf Qualität und Geschmack. "In der Hochsaison verkostet er 300 Tassen Tee am Tag", sagt Gschwendner. Im "Kreativteam" werden dann die wohlklingenden Namen der Kreationen wie "Grüner Kokos" und "Arabische Nacht" erdacht.

Auf zwei große "Einschnitte" blickt Gschwendners Unternehmen in seinen 30 Jahren zurück: Auf den Einstieg ins Franchising 1980 und auf die Umbenennung 1999 von "Der Teeladen" in "TeeGschwendner". "Mit dem ersten Namen wurden wir immer wieder am Markt mit anderen Anbietern verwechselt", sagt der Inhaber. Der neue Name dagegen sei einmalig und mit einem neuen Konzept verbunden. Rund 80 aller Partnerbetriebe in Deutschland seien bereits umgestellt, die übrigen sollen bis 2008 folgen.

Und dann? Viele neue Geschäfte in Deutschland werden nicht mehr dazukommen. "Der deutsche Markt ist weitgehend gesättigt", sagt der gebürtige Trierer. Marktchancen sieht er allerdings noch in Hotels und Restaurants. Und Expansionspläne schmiedet er natürlich fürs Ausland. "Vor allem die USA sind interessant für uns", sagt er. Nicht ohne Grund gibt es seit 2004 auch ein eigenes Unternehmen in den USA, die TeaGschwendner Inc. mit Sitz in Chicago (Illinois).

Von Birgit Reichert, dpa

Quelle: n-tv.de