Pressestimmen

Schavan bangt um Titel und Amt "Wie Guttenberg und Koch-Mehrin"

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(Foto: REUTERS)

Annette Schavan schummelt bei ihrer Doktorarbeit. Ihre frühere Universität erkennt ihr 33 Jahre später den Titel ab. Und jetzt? Die Medien in Deutschland sind sich einig: Die 57-Jährige muss nun auch ihren Ministerposten räumen.

Für die Süddeutsche Zeitung ist der Fall klar. "Eine Wissenschaftsministerin, die bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit geschlampt hat - das ist ja fast so, als ob der Papst sich einst seine Priesterweihe erschummelt hätte", heißt es in dem Blatt. "Schavan sollte ihren Dr. phil. behalten und gewiss auch in der Politik bleiben dürfen - aber gewiss nicht als Wissenschaftsministerin."

Mit der Überzeugung, dass Schavan Doktor bleiben sollte, steht die Süddeutsche allerdings allein auf weiter Flur. Zwar zeigt sich die Zeit überzeugt, dass sie mit einer Klage um ihren Titel kämpfen dürfe. Allerdings nicht als Ministerin. "Denn man kann sich schlechterdings nicht vorstellen, dass eine amtierende Bildungsministerin in eigener Sache gegen eine Universität aus ihrem Wirkungsbereich Klage führt."

Ähnlich sieht das die Hannoversche Allgemeine: "Ein Politiker muss in der Lage sein, ans Podium zu treten, ohne dass die Leute im Publikum anfangen zu kichern", heißt es in der Zeitung. "Im Fall Schavan heißt die Frage: Kann diese Ministerin noch Referate halten zum Thema Exzellenz in der Wissenschaft? Diese Frage zu stellen heißt sie zu verneinen."

Auch für die Frankfurter Allgemeine ist klar: Schavan muss gehen. Hauptgrund dafür ist laut dem Blatt aber nicht, dass ihre Reputation in der Wissenschaft geschädigt wäre. Die Zeitung schreibt: "Die Opposition wird es sich in einem Wahljahr nicht nehmen lassen, in dieser Wunde immer wieder zu bohren." Bundeskanzlerin Merkel werde - volles Vertrauen hin oder her - um eine Umbildung ihres Kabinetts nicht herumkommen.

So sehen das auch die Kieler Nachrichten: "Kanzlerin Merkel wird abwägen zwischen persönlicher Verbundenheit und politischer Last", schreibt die Zeitung. "Die Opposition wird dafür sorgen, dass die Last überwiegt."

Das Hamburger Abendblatt spricht Schavan unterdessen wie keine andere Zeitung auch die charakterliche Integrität ab. "In der persönlichen Tragik der Annette Schavan lauert ihre nächste Täuschungsabsicht", heißt es da: "Sie will uns weismachen, die bemängelten Stellen seien Flüchtigkeitsfehler gewesen." Die Zeitung wirft ihr vor, forsch behauptet zu haben, früher habe man Zitate ja gar nicht mehr überprüfen können, wenn man sie auf Zettel geschrieben habe. Auch in ihrer Aussage, sie habe ihren Prüfern vertraut, erkennt das Blatt die persönlichen Abgründe der Noch-Ministerin. "Gerade hier liegt neben dem wissenschaftlichen Talent und der eigenen Forschungsleistung doch das Verdienst einer Doktorarbeit", schreibt das Blatt. "Hirn, Schweiß und Akkuratesse zeigen im Zusammenspiel, dass man für den akademischen Olymp taugt." Der Verweis auf die Prüfer sei so nassforsch wie bei den entdoktorten Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin: Hätten die Professoren doch besser nachschauen sollen.

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Thomas E. Schmitt

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