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Scheiden tut weh Fehler beim Versorgungsausgleich

Scheiden tut weh - diesen Spruch können die meisten Menschen, die schon einmal vor dem Scheidungsrichter standen, sicher bestätigen. Doch nicht immer geht es bei der Aufteilung von Vermögen, Einkommen und Altersversorgung ganz gerecht zu. So sind jahrelang viele Ehefrauen bei der Scheidung benachteiligt worden. Sie erhalten weniger Altersentgelt, als ihnen eigentlich zusteht.

Jede dritte Ehe in Deutschland wird vorzeitig durch eine Scheidung beendet. Es geht um Unterhaltszahlungen, Kindesunterhalt, den Zugewinn - also die Aufteilung des Vermögens - und den schwierigsten Punkt: den Versorgungsausgleich, also die Aufteilung von Renten und Pensionen.

Per Ehevertrag ausschließen, also darauf verzichten, kann man den Versorgungsausgleich fast nie, erklärt Klaus Weil vom Deutschen AnwaltVerein (DAV): "Rein theoretisch ist die möglich, zulässig ist es nur dann, wenn es eine anderweitige Absicherung der Ehefrau gibt. Also wir stellen uns vor, die Ehefrau hat soviel Vermögen, dass der Ehemann mit ihr den Vertrag schließt, sie wollen den Versorgungsausgleich ausschließen. Denn sie ist auf die Rentenanwartschaften ja nicht angewiesen."

Gerechte Absicherung im Alter

Wertvolle Immobilien können z.B. ein Grund sein, warum ein Scheidungsrichter auf den Versorgungsausgleich verzichtet. Doch dies passiert sehr selten. Der Staat will die Bürger im Alter gesichert sehen. Darum müssen Renten, Pensionen, Betriebsrenten, Lebensversicherungen und andere Verträge zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden.

Der Gang vor den Richter ist der alles Entscheidende. Später anfechten kann man eine Entscheidung nicht, auch wenn sie nachweislich falsch ist. Dies kann fatale Folgen haben, erläuter Klaus Weil vom DAV: "Jetzt bekommt der Richter manchmal zehn, zwölf Altersversorgungen auf den Tisch. Der muss sich darauf verlassen, dass die Angaben korrekt sind, sind sie aber teilweise nicht. Man muss sich klar machen, dass immer noch die Hälfte der Auskünfte falsch ist."

Kann Versorgungsausgleich neu aufgerollt werden?

Nur in einem Fall kann der Versorgungsausgleich neu aufgerollt werden - bei alten Scheidungen bis zum Jahr 2009. Beispiel: Der Ehemann hat Anspruch auf eine Zahlung aus einem Versorgungswerk in Höhe von 1800 Euro. Der Mann bekommt also die Hälfte abgenommen, bei der Ehefrau kommen allerdings keine 900 Euro sondern nur 300 Euro an. Der Grund: ein altes Rentenberechnungsverfahren.

Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Verfahren als verfassungswidrig eingestuft, weil es tausende von Ehefrauen schwer benachteiligte. Diese können sich jetzt wehren, erläutert Klaus Weil: "Dieses Verfahren kann nur durch sehr geschulte Anwälte durchgeführt werden, die eben wissen, wie diese Abänderungverfahren durchzuführen sind. Das hat zur Konsequenz, dass die Ehefrauen teilweise 200 bis 700 Euro monatliche Rente mehr bekommen. Das ist eine Menge Geld, das die Ehefrauen momentan nicht in ihrem Beutel haben."

Voraussetzung ist aber der Gang zum Fachanwalt und zum Gericht. Nachteile drohen beim Versorgungsausgleich auch oft Frauen, wenn ein Versorgungsträger sie mit Geld abzufinden versucht: "Wenn sie wissen, dass diese Versorgungsträger mit Verzinsungen von 5 bis 6 Prozent im System rechnen, aber die Ehefrau am Markt heute, wenn sie großes Glück hat, 1 bis 1,5 Prozent erzielt. Dann wird aus einer Rente, die im System des Ehemannes vielleicht 600 Euro betrug, im neuen Zielversorgungssystem vielleicht eine Rente von 100 bis 200 Euro. Diesen Transferverlust, den trägt die Ehefrau alleine, den muss sie versuchen zu verhindern.", so Klaus Weil.

Der Versorgungsausgleich ist der komplizierte Teil einer Scheidung. Ohne anwaltliche Hilfe droht hier oft ein finanzieller Verlust.

Quelle: ntv.de