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Lernstoff für Kita-Kinder Was Vorschul-Übungshefte taugen

Werden die Kita-Kinder im Lockdown vergessen? Spezielle Übungshefte sollen Vorschulwissen vermitteln.

Werden die Kita-Kinder im Lockdown vergessen? Spezielle Übungshefte sollen Vorschulwissen vermitteln.

(Foto: iStockphoto)

Im Lockdown müssen viele Eltern ihre Kita-Kinder zuhause betreuen und Vorschulwissen vermitteln. Bunte Übungshefte voller Rechen- und Schreib-Aufgaben sollen dabei helfen. Aber sind die wirklich zu empfehlen und worauf sollte man bei der Auswahl achten? Wir haben Experten befragt.

Nicht nur Schulkinder leiden unter dem Pandemie-bedingten Lockdown. Vorschulkinder werden oft vergessen, wenn Distanzunterricht diskutiert wird. In vielen Kitas gibt es nur eine Notbetreuung – die wichtige Vorschulzeit fällt damit für Tausende 5- bis 6-Jährige flach oder Förderangebote für Vorschulkinder finden nur reduziert statt. Macht es also Sinn, dass Eltern ihre Kinder selbst fördern, zum Beispiel mit sogenannten Vorschul-Übungsheften aus dem Online-Handel oder vom Discounter?

  • Es gibt Kinder-Zeitschriften, die Kids ans Lesen und an den Sachunterricht heranführen sollen und Geschichten und Aufgaben enthalten.
  • Und es gibt reine Übungshefte und -blöcke, in denen die Kids von der Schwungübung bis zu ersten Buchstaben und Zahlen hauptsächlich selbst aktiv werden.

Manche bereiten eher aufs Lesen vor, andere aufs Schreiben oder Rechnen oder gleich auf alles zusammen.

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Angela Kluczynski, stellvertretende Schulleiterin an einer Kölner Grundschule, findet die Vorschulhefte "grundsätzlich gut, wenn man auf die Qualität achtet" und nur Kinder damit arbeiten lässt, die wirklich schon im Vorschulalter sind.

Worauf Eltern bei Vorschul-Übungsheften achten sollten

Ein gutes Heft ist für die Pädagogin optisch nicht überfrachtet. "Zu viele bunte Bildchen oder zu volle Seiten lenken die Kinder von der eigentlichen Aufgabe ab." Hauptsächlich sollen Vorschulblöcke die Konzentrationsfähigkeit der Kinder verbessern. Angela Kluczynski empfiehlt Ausgaben, in denen nicht die Eltern die Aufgabenstellung vorlesen müssen, sondern Piktogramme den Kids zeigen, was zu tun ist. "Ich würde zudem darauf achten, dass Aufgabenformate sich wiederholen und dass das Kind die Aufgaben auch alleine erledigen kann. Wenn die Eltern dabeisitzen und helfen, wird die Selbstständigkeit nicht gefördert."

Daniel Schnock von der Stiftung Lesen teilt ihre Einschätzung: "Kinder lieben es, die Hefte selbst durchzublättern. Die Themen sollten in der Realität von Kindern angesiedelt sein und ihnen von der Aufmachung her Spaß machen. Es sollte nicht zu viel drin sein und nicht zu wenig", rät er. Kinderzeitschriften, die diese Kriterien erfüllen und insbesondere eine gute Leseförderung bieten, können Eltern am Siegel der Stiftung Lesen erkennen. Auch kostenlose Hefte wie 'medizini' aus der Apotheke oder das 'Yummie'-Magazin von Edeka empfiehlt die Stiftung.

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Feinmotorikübungen, wie Bilder ausmalen oder Schlangenlinien nachzeichnen, findet Angela Kluczynski sinnvoll, "aber nur, wenn sie aus dem Handgelenk gestaltet werden können und nicht das Ellbogen- oder Schultergelenk mit eingesetzt wird". Sie plädiert dafür, dass Eltern sich vorher die richtige Handhaltung und Schreibrichtung zeigen lassen. Erzieher oder die künftigen Lehrkräfte wissen, worauf zu achten ist.

Hat sich die falsche Handhaltung schon eingeprägt, "bekommen wir das in der Schule nur noch schwer umgelernt bei einem Lehrer-Schülerverhältnis von 1:27", berichtet die Klassenlehrerin einer altersgemischten Gruppe aus Erst- und Zweitklässlern.

"Bei den Heften geht es ums Spielerische"

"Eltern sollten gerade im Vorschulalter nicht versuchen, krampfig mit ihren Kindern lesen zu üben. Man kann spielerisch darangehen, einzelne Buchstaben oder auch Wörter zu erkennen", rät Daniel Schnock von der Stiftung Lesen. Viel vorzulesen sei die wichtigste Leseförderung im Vorschulbereich. "Bei den Heften geht es ums Spielerische. Die pädagogische Kompetenz für den Lese-Erwerb liegt bei der Grundschule."

Angela Kluczynski sagt: "Ich habe in den letzten Jahrzehnten die Erfahrung gemacht, dass der Leselernprozess auf einmal bei den Kindern anfängt. Man könnte zugespitzt sagen: Die stehen morgens auf und können lesen. Den Lernprozess kann man zwar durch gezielte Übungen unterstützen, aber die Kinder müssen erst einmal die Reife erlangt haben." Eine Voraussetzung sei, dass die Kids alle Buchstaben gut kennen und das Prinzip verstanden haben, wie sie zusammengezogen werden – die sogenannte "Verschleifung". "Und wenn das nicht der Fall ist, zwingt man sie nur zu einer Aufgabe, die einfach nicht gelingen kann. Das führt zu Frustration", weiß die Grundschullehrerin aus Erfahrung.

Umgekehrt empfiehlt sie, die Kinder auch nicht zu bremsen, wenn sie vor dem Schulstart schon lesen lernen möchten. "Bestärken Sie die Kinder in dem, worauf sie Lust haben. Kinder wissen sehr gut, wo sie stehen. Alles, was mit negativen Gefühlen belasten könnte, bringt uns eher nach hinten als nach vorne", sagt die Pädagogin.

Angela Kluczynski weiß: "Wenn Kinder schon weiter sind und alle Buchstaben kennen, wird ihnen ein solches Heft keinen Spaß mehr machen. Es gibt aber genauso Kinder, die das einfach überfordert." Vielleicht spricht die Thematik das Kind auch einfach nicht an. "Beziehen Sie Ihr Kind bei der Auswahl ein", schlägt Daniel Schnock vor. "Nur ob Spielmaterial beigepackt ist, sollte keine Rolle spielen."

Dass bekannte Figuren wie Bibi Blocksberg oder Biene Maja durchs Heft führen, muss grundsätzlich erstmal kein Nachteil sein, wenn ansonsten der Aufbau des Hefts stimmt. "Für die Motivation ist das gut, aber die Ablenkung ist im Zweifelsfall auch groß", gibt Angela Kluczynski zu bedenken.

Solange die Kinder Lust darauf haben, können die Vorschulhefte Kinder also auf spielerische Weise an Inhalte heranführen, denen sie in der Schule begegnen. Und sie können lernen, zehn Minuten lang an einer Sache zu sitzen. "Alles, was wir für die Schule brauchen – Selbstständigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentration, Durchhaltevermögen, optische Differenzierung, Feinmotorik – das kann man auch im normalen Leben schulen", findet Angela Kluczynski. "Dafür braucht man im Prinzip keine Hefte. Man muss nur ein bisschen kreativ sein."

Wenn aber die Zeit dafür fehle, seien die Vorschulhefte eine gute Alternative – und vor allem "sinniger, als die Kinder schon im Vorschulbereich zu digitalisieren", meint die Lehrerin. "Die Kinder müssen auf die Schule schon ein wenig vorbereitet werden, weil der Übergang vom Kindergarten zur Schule wirklich ein großer Einschnitt ist."

Quelle: ntv.de

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