Berlin & BrandenburgExplosion vor Geschäft - Zusammenhang zu Erpressungen?

Mitten in der Nacht wird ein Geschäft im Berliner Norden Ziel eines Angriffs. Noch sind die Hintergründe unklar. Die Polizei sieht jedoch Zusammenhänge zu anderen Taten.
Berlin (dpa/bb) - Nach einer Sprengstoffexplosion vor einem Spätkauf in Berlin-Wedding geht die Polizei von einem Zusammenhang mit Schutzgelderpressung aus. Die Sondereinheit "Ferrum" (lateinisch für "Eisen") beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen, wie die Polizei mitteilte. Im Fokus steht dabei unter anderem die Herkunft der mutmaßlichen Granate, wie es hieß. So erhoffen sich die Ermittler Details zu den Hintergründen.
Nach ersten Erkenntnissen zündeten in der Nacht gegen 2.00 Uhr ein oder mehrere Unbekannte den Sprengkörper. Durch die Explosion wurden die Fassade des Hauses, die Schaufensterscheibe eines Geschäftes sowie mehrere geparkte Fahrzeuge beschädigt. Menschen wurden nicht verletzt.
Von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hieß es: "Es ist seit längerem zu beobachten, dass die Qualität der Gewalt zunimmt und die Entwicklung aus anderen Ländern wie Schweden immer mehr zu uns herüberschwappt." Die hohe Verfügbarkeit an Waffen mit dem wachsenden Trend zu Auftragstätern, die über Internetportale angeworben würden, mache es für die Polizei immer schwieriger. Erst im Dezember hatten maskierte Täter in Kreuzberg nachts eine Handgranate in einen kleinen und zu dem Zeitpunkt leeren Club geworfen.
Sondereinheiten gegründet
Nach einer deutlichen Zunahme von Schusswaffenkriminalität gehen Polizei und Justiz verstärkt gegen organisierte Kriminalität vor. Bei der Polizei wurde die Sondereinheit "Ferrum" gegründet, die Staatsanwaltschaft zog mit der Ermittlungsgruppe "Telum" (lateinisch für "Angriffswaffe") nach. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen.
Banden bedrohen Ladenbesitzer
Im Fokus stehen nach Angaben der Ermittler Banden, deren Anführer von der Türkei aus agieren und die in Berlin und anderen Städten türkisch- und kurdischstämmige Ladeninhaber bedrohen, um hohe Geldsummen zu erpressen.
Nach Erkenntnissen der Polizei werden auch junge Männer aus der Türkei für kurze Zeit eingeflogen. Sie erhalten Aufträge für Schüsse auf Geschäfte oder Autos oder auch Menschen und verschwinden nach ein oder zwei Wochen wieder aus Deutschland.
Zahlreiche Durchsuchungen
Mit Durchsuchungen haben Polizei und Staatsanwaltschaft zuletzt den Druck erhöht auf mutmaßlich kriminelle Gruppen, die für Schießereien und Erpressungen von Geschäftsleuten verantwortlich gemacht werden.
In der vergangenen Woche stellte "Ferrum" nach Polizeiangaben insgesamt sechs scharfe Schusswaffen sicher und verhafteten mehrere Männer. Es gab eine Razzia in Berlin, auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gab es Durchsuchungen.
Mehr als 50 Schusswaffen sichergestellt
Seit Bestehen der Sondereinheit "Ferrum" wurden nach den Angaben insgesamt 52 scharfe Schusswaffen, mehr als 800 Schuss Munition sowie zahlreiche weitere gefährliche Gegenstände sichergestellt. In 54 Fällen wurden demnach gegen mutmaßliche Täter Haftbefehle erlassen. Laut Polizei wurden mehr als 6.000 Menschen, knapp 3.300 Fahrzeuge sowie mehr als 860 Lokale überprüft. Insgesamt gebe es inzwischen rund 460 Ermittlungsverfahren.