Hamburg & Schleswig-HolsteinNeue Müllverbrennungsanlage wird teurer und später fertig

Es ist ein wichtiges Projekt für die Energie- und Wärmewende. Und eigentlich sollte die neue Müllverbrennungsanlage am Volkspark längst fertig sein. Doch weder Kosten- noch Zeitplan hauen hin.
Hamburg (dpa/lno) - Die Fertigstellung von Hamburgs neuer Müllverbrennungsanlage am Volkspark verzögert sich weiter. Auch die bisherige Kostenplanung ist nicht mehr zu halten, wie die Umweltbehörde der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.
So habe eine von der neuen Geschäftsführung der Stadtreinigung Anfang des Jahres extern in Auftrag gegebene Projektüberprüfung ergeben, dass der für den Bau des Zentrums für Ressourcen und Energie (ZRE) freigegebene Kostenrahmen von 534 Millionen Euro "nach derzeitiger Einschätzung nicht eingehalten werden" kann.
Anlage soll Wärmewende in Hamburg voranbringen
Die ZRE ist ein wichtiger Baustein der Hamburger Wärme- und Energiewende. Die Anlage soll künftig im Winter bis zu 75 Megawatt Fernwärmeleistung liefern und im Sommer – wenn weniger Wärme nachgefragt wird – bis zu 22 Megawatt Strom.
Baubeginn war im April 2023. Ursprünglich war man von einer Fertigstellung 2025 ausgegangen. Auch die kalkulierten Kosten waren von erwarteten 450 Millionen Euro zwischenzeitlich auf über eine halbe Milliarde Euro nach oben korrigiert worden. Ursprünglich war die Stadtreinigung sogar von nur rund der Hälfte ausgegangen.
Über den Umfang der nun erwarteten, abermaligen Kostensteigerung wurden keine Angaben gemacht. "Eine genaue Schätzung ist aktuell noch Gegenstand der Prüfung und noch nicht abgeschlossen", hieß es aus der Umweltbehörde. Auch der ursprüngliche Terminplan sei nicht mehr zu halten. Die Belastbarkeit eines neuen Terminszenarios werde derzeit noch verifiziert.
Der Aufsichtsrat sei Ende April über die Kostensteigerungen "und die verzögerte Fertigstellung des Projektes" informiert worden. Die Aufsichtsratsvorsitzende, Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne), habe daraufhin eine Sondersitzung einberufen, um über die weiteren Schritte zu beraten.
CDU-Abgeordneter Kappe kritisiert Projektplanung
Baufortschritt und aktuelle Kostenplanung beim ZRE hatte der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Sandro Kappe in einer Kleinen Anfrage an den rot-grünen Senat abgefragt. "Beim ZRE sind die Kosten von ursprünglich rund 234 Millionen Euro zunächst auf 534 Millionen Euro gestiegen – und nun räumt der Senat sogar ein, dass selbst diese Summe nicht ausreichen wird", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".
Kappe fühlt sich an die Kostenexplosion bei der Erweiterung und Sanierung der Klärschlammanlage Vera II durch Hamburg Wasser im Hafen erinnert. "Wie bei Hamburg Wasser erwarte ich eine lückenlose Aufklärung", sagte er.
Senat: Keine Auswirkung auf Abschaltung des Kraftwerks Wedel
Auswirkungen auf die geplante Abschaltung des Kohle-Heizkraftwerks Wedel haben die Verzögerungen beim ZRE laut Senat nicht. Auch änderten sie "nichts an dem grundsätzlich eingeschlagenen Dekarbonisierungspfad der Wärmeversorgung und der Zielerreichung 2030", schreibt der Senat in seiner Antwort auf Kappes Anfrage.
Laut den Hamburger Energiewerken soll das in den 1960er-Jahren erbaute Kraftwerk Wedel Mitte kommenden Jahres stillgelegt und durch den noch im Bau befindlichen Energiepark Hafen abgelöst werden.
Jahrelang sei auch das ZRE als wichtiger Baustein der Wärmewende dargestellt worden, sagte Kappe dem "Abendblatt". "Jetzt, wo Probleme sichtbar werden, klingt es plötzlich nur noch nach einem ergänzenden Baustein." Der CDU-Politiker mahnte: "Wenn Wedel endlich abgeschaltet werden soll, brauchen wir jetzt vor allem eins: Tempo und Verlässlichkeit."