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Mecklenburg-VorpommernDenkmalpreis MV verliehen: Streit um Denkmalförderung

10.09.2023, 13:15 Uhr

Eggert Gustavs gilt als Hiddensees bedeutendster Maler und Grafiker. Sein Werk zu bewahren und bekannt zu machen, ist Ziel der Eggert Gustavs Gesellschaft. Sie ist Preisträgerin des Landesdenkmalpreises MV 2023. Die Opposition kritisiert unterdessen die Denkmalförderung.

Schwerin (dpa/mv) - Tausende Besucher sind am Tag des offenen Denkmals am Sonntag zu historischen Bauten gepilgert, um bei Sonderführungen hinter die Kulissen zu schauen und mit Denkmaleigentümern ins Gespräch zu kommen. In Schwerin übergab Kulturministerin Bettina Martin (SPD) bei einer Festveranstaltung den Landesdenkmalpreis 2023 und den Förderpreis für junge Menschen, die sich für den Erhalt des historischen Erbes einsetzen. Aus der Opposition kamen am Denkmaltag kritisch Töne - die Denkmalförderung in MV sei viel zu gering und der einmaligen Kulturlandschaft nicht angemessen, hieß es.

Der mit 4000 Euro dotierte Friedrich-Lisch-Denkmalpreis ging an die Eggert Gustavs Gesellschaft. Die 2009 in Neuruppin (Brandenburg) gegründete Gesellschaft will das Leben und Werk des Malers und Grafikers Eggert Gustavs (1909-1996) einem breiteren Publikum zugänglich machen. Gustavs wurde auf Hiddensee geboren und hat die Insel in vielen Gemälden und Zeichnungen porträtiert. Später zog er nach Neuruppin, verbrachte aber die Sommer auf Hiddensee und malte und zeichnete dort.

Ministerin Martin lobte die Arbeit der Eggert Gustavs Gesellschaft. Sie habe nicht nur das Werk von Gustavs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern darüber hinaus das Gebäude des Eggert-Gustavs-Museums auf Hiddensee auf vorbildliche Weise saniert und behutsam erweitert.

Der mit 700 Euro dotierte "Denk mal!"-Preis für Kinder und Jugendliche ging an die AG Kriegsgräber der Europaschule Rövershagen (Landkreis Rostock). Die Arbeitsgemeinschaft besteht laut Ministerium seit 1999. Jüngstes Projekt sei gewesen, die wechselhafte Historie der 1912 erbauten Villa Baltic an der Strandpromenade von Kühlungsborn aufzuarbeiten, so Martin. Die Villa war einst in jüdischem Besitz und wurde später von den Nazis enteignet. Heute ist der Bau stark sanierungsbedürftig, es gibt Pläne für eine Rettung.

Der Landesdenkmalpreis und der "Denk mal!"-Preis für Kinder und Jugendliche werden in Mecklenburg-Vorpommern jährlich zum Tag des offenen Denkmals vergeben. Am Denkmaltag beteiligen sich bundesweit laut Ministerium etwa 5500 Denkmale. In MV waren es dieses Jahr den Angaben zufolge 184.

Teile der Opposition machten am Sonntag auf die aus ihrer Sicht zu geringe Unterstützung des Landes für Eigentümer von Denkmalen aufmerksam. Die CDU-Kulturpolitikerin Katy Hoffmeister sagte, die rot-rot Regierungskoalition wolle auch mit dem Haushaltsentwurf für 2024/2025 keine zusätzlichen Mittel für den Denkmalschutz bereitstellen, obwohl dies dringend nötig sei.

Sowohl beim Staatlichen Amt für Kultur und Denkmalpflege als auch bei den unteren Denkmalschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte fehle es an Personal und Mitteln. Zusätzliche Geld von außen könne deshalb nicht in vollem Umfang genutzt werden. "Dies betrifft auch Bundesmittel", so Hoffmeister. Es stünden auch keine zusätzlichen Mittel des Landes mehr für die Sanierung der Dorfkirchen zur Verfügung. "Der Denkmalschutz wird von Rot-Rot sträflich vernachlässigt", konstatierte sie.

Der Vorwurf des AfD-Landtagsabgeordneten Thore Stein an die Landesregierung lautet ähnlich. Vom Land würden die vielen Enthusiasten, die historische, denkmalgeschützte Bauten sanierten und retteten, zunehmend allein gelassen. Der Denkmalschutz werde unzureichend unterstützt, sagte er. "Auch im diesjährigen Haushaltsentwurf ist keinerlei Erhöhung der Haushaltsmittel für die Denkmalpflege vorgesehen." Kulturministerin Bettina Martin (SPD) habe sich offenbar nicht durchsetzen können, wenn es um den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft gehe. Stein sprach von einem "Dilemma des Denkmalschutzes".

Im Denkmalreport 2022 hatte Landeskonservatorin Ramona Dornbusch darauf hingewiesen, dass die Nachfrage nach Denkmalfördermitteln das dafür vorgesehene Budget bei weitem überschreitet: 84 Anträge in Höhe von rund 9,8 Millionen Euro waren demnach 2022 gestellt worden - und nur 28 Anträge mit einem Volumen von rund zwei Millionen Euro seien bewilligt worden. Etwa zwei Drittel der Summe sei für Notsicherungen ausgegeben worden, für Maßnahmen also, die lediglich den Verfall aufhalten sollen.

Quelle: dpa

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