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Mecklenburg-VorpommernKlimaschutz durch nasse Moore: Neues Projekt bei Malchin

21.12.2022, 15:55 Uhr

Mehr als der Autoverkehr tragen in Mecklenburg-Vorpommern Ausgasungen aus trockengelegten Mooren zum Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bei. Die Wiedervernässung der Flächen soll das Klima schützen. Das hat Folgen aber auch für die Landwirtschaft.

Malchin (dpa/mv) - Die Wiedervernässung einst trockengelegter Moore ist nach den Worten von Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz. "Als moorreiches Bundesland hat Mecklenburg-Vorpommern eine besondere Verantwortung für einen ambitionierten Moorschutz", betonte Backhaus am Mittwoch in Malchin (Mecklenburgische Seenplatte).

In der Biergraben-Niederung am Rande der Kleinstadt soll auf einer Fläche von 134 Hektar der Wasserstand wieder schrittweise angehoben und damit die Freisetzung des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) verringert werden. Das von der Stadt selbst initiierte und zunächst bis 2025 laufende Moorschutzprojekt wird laut Backhaus vom Land mit 1,77 Millionen Euro aus dem EU-Fonds für Landwirtschaft gefördert.

Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie machen Moorböden mit etwa 300.000 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern rund 13 Prozent der Landesfläche aus. Sie wurden allerdings über Jahrhunderte hinweg entwässert, um sie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Weil trockengelegte Moore CO2 ausstoßen, gilt ihre Wiedervernässung als wichtige Klimaschutzmaßnahme. Zudem seien nasse Moore enorm wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt, hieß es. Monokulturen wie etwa auf großflächigen Mais- und Rapsschlägen und der Einsatz von Pestiziden werden maßgeblich dafür verantwortlich gemacht, dass seit Jahren die Zahl von Insekten und Vögeln sinkt.

Landwirte stehen den Bestrebungen vielfach skeptisch gegenüber, weil nasse Böden nur noch eingeschränkt genutzt werden können, mit der Folge geringerer oder gänzlich fehlender Erträge. Sogenannte Paludikulturen - wie der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wie Schilf, Röhricht oder Erlen - werden zwar finanziell gefördert, finden aber nur langsam Anklang.

Für das Niedermoor bei Malchin ist eine nasse Grünlandbewirtschaftung geplant. "Das stellt eine echte wirtschaftliche Alternative in den landwirtschaftlich genutzten Mooren dar und bringt uns gleichzeitig dem Ziel näher, das Land Mecklenburg-Vorpommern bis 2040 klimaneutral zu machen", erklärte Backhaus. Durch die Anhebung der Wasserstände in der Niederung werde die Torfzersetzung vermindert oder ganz gestoppt. Berechnungen von Fachleuten zufolge werden derzeit durch die Moore im Nordosten rund sechs Millionen Tonnen CO2 pro Jahr freigesetzt, rund ein Drittel der Gesamtemission des Landes.

Laut Backhaus standen in der aktuellen, noch bis 2025 laufenden Förderperiode EU-Mittel in Höhe von insgesamt 24,3 Millionen Euro für Moorschutzprojekte in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung. Seit 2017 seien damit 9 Moorschutzstudien und 27 Umsetzungsprojekte auf einer Fläche von rund 2850 Hektar unterstützt worden. Interessierte Kommunen könnten weiter Förderanträge für Moorschutzprojekte stellen.

Backhaus verwies auf die Anfang des Jahres von seinem Ministerium gegründete "Taskforce Moorschutz". Das Gremium aus Wissenschaftlern, Verbandsvertretern und Mitarbeitern der Verwaltung beschäftige sich intensiv mit Fragen der Rechtssetzung, der Flächenverfügbarkeit, mit Nutzungsalternativen und der Finanzierung. Zusätzliches Geld komme durch den Verkauf der in MV entwickelten Umweltaktie MoorFutures herein. Zudem sei es der Taskforce gelungen, beim Bundumweltministerium zusätzliche Mittel für den Aufbau einer Moorschutzagentur einzuwerben.

Diese solle Landwirten Beratung bieten bei der Umstellung auf klimafreundliche Bewirtschaftungsmethoden wie die moorschonende Stauhaltung oder Paludikulturen. Backhaus zufolge wurden im Nordosten seit 1998 über 30.000 Hektar Fläche wiedervernässt. Dadurch seien beträchtliche Mengen an CO2 im Boden geblieben.

Quelle: dpa

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