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Niedersachsen & BremenJugendkriminalität häufiger in "benachteiligten" Landkreisen

19.05.2026, 06:01 Uhr
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(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert - sogar die Kinder- und Jugendkriminalität hat danach zugenommen. Warum das vor allem bestimmte Regionen betrifft.

Hannover (dpa/lni) - Je ungünstiger die wirtschaftliche Lage in einem Landkreis, desto höher ist einer neuen Untersuchung zufolge das Ausmaß der Jugendkriminalität. Kinder und Jugendliche aus "strukturell benachteiligten Landkreisen" würden häufiger als Tatverdächtige registriert, teilte das Landeskriminalamt Niedersachsen zum Forschungsprojekt "Jugendkriminalität in Niedersachsen" mit.

"Das soziale Umfeld spielt dabei eine zentrale Rolle: Familiäre Beziehungen und Freundeskreise prägen Jugendliche entscheidend", betonte Projektleiter Lukas Boll. "Wo Bindungen stabil sind und positive Vorbilder existieren, schützt das – andernfalls steigt das Risiko für Straftaten", sagte er. Der Präsident des Landeskriminalamts Niedersachsen, Thorsten Massinger, betonte: "Jugendkriminalität darf nicht isoliert betrachtet werden."

Zahl minderjähriger Verdächtiger steigt nach Pandemie

Nach Angaben der Behörde hat sich die Kinder- und Jugendkriminalität in Niedersachsen nach der Corona-Pandemie verstärkt: 2022 wurden rund 29.000 Minderjährige landesweit als Tatverdächtige registriert, ein Jahr später schon rund 32.000. Mittlerweile gehen die Zahlen den Angaben zufolge leicht zurück - 2024 wurden 31.444 minderjährige Tatverdächtige erfasst, im vergangenen Jahr sank ihre Zahl auf 29.918.

Besonders wichtig sind laut Studie sogenannte sozioökonomische Rahmenbedingungen: Familien in prekären Lebenslagen verfügen demnach oft nicht über genügend Zeit, Geld oder auch stabile Strukturen, um ihren Kindern Förderung, Aufsicht und strukturierte Freizeit zu ermöglichen. Fehle dies aber, könne sich die Bindung an gesellschaftliche Normen abschwächen. Steigende Inflation oder Arbeitslosigkeit verschärften die Lage weiter.

Komplexes Zusammenspiel

Impulsivität, geringe Selbstkontrolle, Risikobereitschaft oder Aggressionsneigungen erhöhen laut Landeskriminalamt die Wahrscheinlichkeit von Straftaten – Empathie, soziale Kompetenzen, Lernfähigkeit und moralisches Bewusstsein wirken dagegen schützend. Deutlich werde, dass Jugendkriminalität "aus einem komplexen Zusammenspiel von Umfeld, Schule und individuellen Eigenschaften" entstehe. Mangelnde Angebote für Kinder und Jugendliche könnten Langeweile, Frust und erhöhten Medienkonsum auslösen.

Boll sagte, die Forschung zeige auch, dass die Wahrnehmung staatlicher Institutionen als fair, transparent und legitim die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass Normen befolgt würden. "Die Polizei prägt für viele Jugendliche diesen ersten Eindruck – das bietet die Chance, Vertrauen, Werte und Regeln früh positiv zu vermitteln", sagte er.

Behrens: konsequent durchgreifen

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens rief dazu auf, "risikorelevante Entwicklungen für Jugendliche frühzeitig zu erkennen". Wichtig sei, konsequent einzugreifen, bevor sich "delinquentes Verhalten verfestigt und kriminelle Lebensläufe entstehen".

Massinger sprach sich für "eine Kombination aus präventiven Maßnahmen und konsequenter Strafverfolgung" aus. Wichtig sei, frühzeitig zu handeln, um problematische Entwicklungen zu verhindern und junge Menschen wirksam zu unterstützen: "Dies gelingt nur gemeinsam mit Kommunen, Schulen, betroffenen Eltern und der Jugendhilfe."

Quelle: dpa

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