Nordrhein-WestfalenA59-Ausbau in Duisburg startet unter Bürgerprotest

Der Bau der neuen A59-Brücke in Duisburg startet – doch starke Proteste begleiten das Projekt. Die Stadt kämpft gegen die geplante Hochstraße - falls kein Tunnel kommt, denkt sie an eine Klage.
Duisburg (dpa/lnw) - Unter lautstarkem Bürgerprotest hat in Duisburg der umstrittene Ausbau der Autobahn 59 begonnen. Beim Spatenstich für den ersten Teil des Großprojekts im Norden der Industriestadt - den Neubau der insgesamt rund 1,8 Kilometer langen Berliner Brücke - hob Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die "enorme Bedeutung" für den Anschluss an den wichtigen Duisburger Binnenhafen und für die ganze Region hervor.
In Duisburg regt sich parteiübergreifender Protest gegen den geplanten sechsspurigen Ausbau, weil er in Teilen in Hochlage erfolgen soll. Die Stadt fordert mit Blick auf die Lärm- und Umweltbelastung eine Tunnellösung. "Lebensqualität für Duisburgs Norden" und "Auch Arbeiterkinder brauchen Grün", stand auf Schildern der Demonstranten.
Rasseln, Trillerpfeifen gegen den Ausbau
Ein Bürgerverein im von den Ausbauplänen besonders betroffenen Ortsteil Meiderich sowie zahlreiche Bürger demonstrierten am Rande des Spatenstichs mit Rasseln, Trommeln und Fanfaren gegen das Projekt. Auch während des Festaktes waren Sirenen und Trommel von den rund 200 Protestierenden zu hören.
Die Autobahn GmbH lehnt einen Tunnel wegen der deutlich höheren Kosten und der wesentlich längeren Bauzeit ab. "Ein Tunnel würde doppelt so lange dauern. Diese Zeit haben wir einfach nicht mehr. Wir müssen handeln", sagte der Chef der Autobahngesellschaft, Michael Güntner, bei dem Festakt. Das erste Teilbauwerk der Berliner Brücke soll nach den Planungen 2029 fertig werden.
Insgesamt 2,5 Milliarden Euro für die A59
Insgesamt würden für den sechsspurigen Ausbau des 6,7 Kilometer langen Streckenabschnitts der Duisburger Nord-Südachse rund 2,5 Milliarden Euro bereitgestellt, sagte Schnieder. Allein für die Brücke flössen 450 Millionen Euro. "Die A59 wird damit deutlich leistungsfähiger sein." Das nütze auch den Pendlern und den Radfahrern, denn es werde ein Radweg eingerichtet.
Die Berliner Brücke selbst werde von der Stadt überhaupt nicht infrage gestellt, betonte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) bei einem Protesttermin mit Vertretern fast aller Ratsfraktionen nahe der Trasse. Das Gesamtprojekt schlage wegen der Hochlage aber eine fast 50 Meter breite Schneise durch die Stadt.
"Dann sehen manche Menschen wegen der riesigen Schallschutzwände nur noch eineinhalb Stunden die Sonne." Die Stadt werden dagegen "alles tun, was politisch geht und was juristisch geht", sagt Link. Wenn der Bund von seinen Planungen nicht abrücke, würden Stadtspitze und Stadtrat eine Klage prüfen, sagte auch der Stadtentwicklungsbeigeordnete Martin Linne. Eine solche Klage könnte den Bau vermutlich um Jahre verzögern.
Schnieder: "Hochstraßenvariante erfüllt alle Vorgaben"
Schnieder betonte, dass die Erweiterung der Autobahn von vier auf sechs Spuren dringend nötig sei. Schon jetzt führen über 100.000 Fahrzeuge über die Brücke. Nach Prognosen sollten es 2030 bereits rund 120.000 Fahrzeuge sein. Bei der Planung seien alle Varianten geprüft worden - auch die von der Stadt geforderte Tunnellösung. Die aktuelle Vorzugsvariante - mit teilweiser Hochlage - erfülle alle Vorschriften.
Aus Sicht der Anwohner droht dem Duisburger Norden eine Autobahn mit einer "Regelbreite" von 46 Meter - teils mit nur zehn Metern Abstand zur nächsten Bebauung und riesigen Schallschutzwänden in den Vorgärten. Anwohner und Stadt kämpfen seit Jahren gegen die Pläne.
"Jahrelanger Protest ignoriert - das ist menschenverachtend"
"Unser Auflehnen seit über sieben Jahren, über 1.400 schriftliche Einwendungen gegen die Hochtrasse (...) – warum wird das in keinster Weise berücksichtigt? Das ist menschenverachtend!", schreibt der Bürgerverein in einem Protestaufruf.
Die Brücke war als Nord-Süd-Achse durch Duisburg 1963 vom damaligen regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (SPD), eröffnet worden. Sie sei heute eine "Lebensversicherung für den größten Binnenhafen der Welt", betonte Güntner. Ein Ausfall der stark mitgenommenen Brücke wäre "eine Katastrophe", sagte er. Deshalb müsse schnell gehandelt werden, bevor es zu spät sei.
Mit dem Neubau kämen erhebliche Lärmschutzmaßnahmen, die für die Anwohner in den betroffenen Stadtteilen erhebliche Entlastung brächten. Die Autobahn GmbH versuche im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Verkehrsausbau und Lebensqualität nicht als Gegensatz umzusetzen, sagte Güntner.
Angesichts des bundesweiten Sanierungsstaus sei allerdings ein hohes Neubautempo nötig, betonte Bundesverkehrsminister Schnieder. In zehn Jahren müssten deutschlandweit rund 4.000 Brücken saniert oder neu gebaut werden - das seien rechnerisch 400 im Jahr.