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Nordrhein-WestfalenStreit um Sprachförderung: Wie viel Zwang darf sein?

18.05.2026, 14:48 Uhr
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(Foto: Maximilian von Klenze/dpa)

Können Eltern verpflichtet werden, ihre Kinder ein Jahr zur Sprachförderung in die Kita zu schicken? Und was wäre überhaupt das Beste für die Kleinen? Im Landtag wird heftig um ABC-Klassen gerungen.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Vorschulische Sprachförderung gehört nach Auffassung der SPD-Opposition nicht in Schulen oder an externe Orte, sondern direkt in die Kitas. SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott stellte in Düsseldorf einen Gegenentwurf zu den von der Landesregierung geplanten "ABC-Klassen" vor. Dort sollen Kinder mit mangelhaften Sprachkompetenzen ab dem Schuljahr 2028/29 eine verbindliche vorschulische Förderung erhalten.

Gemeinsamkeit beider Konzepte: Alle Vierjährigen müssen an einem Sprachtest teilnehmen. Danach gabeln sich jedoch die Wege, die die schwarz-grüne Koalition und die Opposition einschlagen möchten.

Was haben Regierung und Opposition mit den Kita-Kindern vor?

  • Die Landesregierung sieht für Kinder mit starkem Unterstützungsbedarf zwei mal zwei Stunden verbindliche Förderung pro Woche vor - aus Sicht der SPD "eine reine Alibi-Veranstaltung".

  • Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten sollen Kinder mit einem ausgeprägten Sprachförderbedarf im Jahr vor der Einschulung zu einer umfassenden Fördermaßnahme verpflichtet werden können: Auch für jene, die noch gar keine Kita besuchen, soll das "den Besuch eines Chancenjahrs in der Kita mit einem Umfang von mindestens 35 Stunden pro Woche" bedeuten. 

  • Aus Sicht des Schulministeriums stößt ein verpflichtendes Kita-Jahr hingegen auf verfassungsrechtliche Bedenken, weil es nur schwer mit dem geschützten Erziehungsrecht der Eltern in Einklang zu bringen wäre. 

  • Räumlich sollen die "ABC-Klassen" entweder an öffentlichen Schulen, Kitas oder an anderen geeigneten Orten angedockt werden - etwa an Volkshochschulen oder Pfarrheimen mit entsprechendem Platz. 

  • Für die SPD wäre eine Räumlichkeit außerhalb der Kitas hingegen nur eine Notlösung. In ihrem Konzept heißt es: "Die gezielte Förderung erfolgt eingebettet in die soziale und gewohnte Umgebung der Kinder durch alltagsintegrierte Sprachbildung, einschließlich von Gruppen- und Einzelförderung."

Die ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz geht davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Kinder einen ausgeprägteren Förderbedarf bei sprachlichen, mathematischen und sozial-emotionalen Kompetenzen haben. Das Schulministerium hält fest: "Kinder ohne zusätzlichen Förderbedarf brauchen keine verpflichtende Vorschule." Nach Zahlen des Statistischen Landesamts besuchen etwa 92 Prozent der Vierjährigen in NRW eine Kindertagesbetreuung.

Viel Contra für die Regierungspläne: Was sagen die Experten?

Für Mittwoch ist im Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags eine Sachverständigenanhörung zu den geplanten "ABC-Klassen" angesetzt. Zahlreiche Kritiker aus Bildungs- und Kita-Verbänden haben Zweifel geäußert, dass das Konzept personell, räumlich und organisatorisch aufgeht. Die bisherigen Rückmeldungen seien "desaströs" für die Landesregierung, bilanzierte Ott.

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) gibt sich hingegen optimistisch: "Gemeinsam mit Kommunen, Kitas und Schulen werden wir pragmatische und rechtssichere Lösungen entwickeln, die den Kindern wirklich helfen. Wir haben keine Zeit zu verlieren."

Quelle: dpa

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