Rheinland-Pfalz & SaarlandIW-Ranking: Mainz rutscht ab, Koblenz punktet bei Dynamik

Forscher haben untersucht, wie sich die Regionen in Deutschland entwickeln. In Rheinland-Pfalz gibt es einiges an Bewegung – nicht nur aufwärts. Wie erklären die Regionen die Entwicklungen?
Mainz/Koblenz/Frankenthal (dpa/lrs) - Während Koblenz im Ranking der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschland große Fortschritte macht, fällt Mainz zurück. Das zeigt eine Studie der Gesellschaft IW Consult des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft. Für das Regionalranking werden seit 2016 alle zwei Jahre 400 Landkreise und kreisfreie Städte anhand von Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität untersucht.
Das Niveauranking zeigt, wo die Lage in Deutschland aktuell am besten ist. Hierbei liegt Mainz auf Rang 14, im Vorjahr lag es noch auf Platz 2. Frankenthal in der Pfalz ist unter den schwächsten zehn Regionen auf Platz 391 von 400.
Im Dynamikranking wird dargestellt, welche Regionen die größten Fortschritte gemacht haben. Hier landet Koblenz auf Platz 4 hinter Cottbus, Neumünster und dem Kreis Tirschenreuth. Dagegen landet Mainz mit geringen Fortschritten auf Platz 398. Schlusslicht auf Platz 400 ist der Landkreis Birkenfeld.
Shootingstar Koblenz
Für das gute Abschneiden von Koblenz gibt aus der Sicht der IHK Koblenz mehrere Gründe: Zum einen verweist sie auf ein starkes Gründungsklima, "was begünstigt wird durch die ausgeprägte Hochschullandschaft, das Technologiezentrum sowie eine vergleichsweise junge Bevölkerung", sagte eine Sprecherin. Demnach bietet Koblenz attraktive Lebensbedingungen ohne die hohen Kosten klassischer Metropolregionen.
Generell sei der breite Branchenmix eine besondere Stärke der Region Koblenz. "Es gibt keine einseitige Abhängigkeit, sondern eine stabile Struktur aus Industrie, Dienstleistungen und öffentlichem Sektor", sagte die Sprecherin. Das mache den Standort krisenresistenter.
Aktuelle Herausforderungen sieht die IHK im Transformationsdruck, insbesondere durch steigende Energie- und Arbeitskosten. Auch ein ausgewogenes Flächenmanagement für Wirtschaft, Wohnen und Leben werde immer wichtiger.
Absteiger Mainz
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen wertet das schwache Abschneiden von Mainz im Dynamikranking des IW-Regionalrankings 2026 auch als Folge des zuvor starken Aufstiegs der Stadt in den vergangenen Jahren. Dass sich diese Entwicklung nicht dauerhaft in gleichem Tempo fortsetzen lasse, sei erwartbar gewesen, erklärte eine Sprecherin. Zugleich belasteten inzwischen deutlich gestiegene Standortkosten die Entwicklung. Auch eine insgesamt schwächer gewordene Steuerkraft wirke sich negativ aus.
Der Absturz vom Spitzenplatz 2024 auf Rang 398 von 400 Kommunen im Dynamikranking sei ein deutliches Signal an die Politik, "die Weichen zu stellen, um wieder auf einen Dynamikpfad zurückzukehren, und beispielsweise Standortkosten und Standortbedingungen in eine bessere Balance zu bringen", so die Sprecherin.
Als Bremsfaktoren nennt die IHK zudem Infrastrukturprobleme wie den stockenden Ausbau der A643, Defizite am Mainzer Autobahnring sowie unzuverlässige Zugverbindungen. Um Gründungen, Unternehmensansiedlungen und die Fachkräftebindung zu stärken, fordert die IHK unter anderem schnellere Genehmigungsverfahren und mehr verfügbare Flächen.
Und was sagt Frankenthal?
Entgegen der Platzierung in der IW-Studie sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz den Wirtschaftsstandort Frankenthal solide aufgestellt. Die eigene repräsentative Standortumfrage komme für die pfälzische Kommune auf die Schulnote 2,6, teilte die Kammer mit. Beide Untersuchungen arbeiten jedoch mit unterschiedlichen Methoden. Während die IHK Unternehmen direkt befragt habe, nutze das IW makroökonomische Vergleichsdaten aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland.
Besonders positiv bewerteten die Unternehmen laut IHK die Verkehrsanbindung Frankenthals. Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und den Schienenfernverkehr werde gut bewertet. Weitere Pluspunkte seien das Schulangebot und die Gesundheitsversorgung.
Kritisch sieht die Kammer den negativen Gewerbesaldo in Frankenthal. Zuletzt stark gestiegene kommunale Steuern motivierten nicht zur Gründung von Unternehmen. Schwache Werte bei Parametern wie Überschuldung, Kriminalität oder naturnahen Flächen erklärt die IHK unter anderem mit der kleinteiligen Stadtstruktur. Der "grüne und reichere Speckgürtel" liege im Rhein-Pfalz-Kreis und werde Frankenthal statistisch nicht zugerechnet.
Die Kriminalitätslage selbst bewertet die IHK als unauffällig. Die IHK kommt deshalb zum Schluss, dass beide Studien unterschiedliche Dinge messen würden: Die Unternehmen selbst bewerteten den Standort deutlich besser, als es die IW-Studie vermuten lasse.
Schlusslicht Birkenfeld
Dem Landrat des Kreises Birkenfeld, Miroslaw Kowalski (CDU), zufolge leiden die Region und die dort ansässigen Zulieferer unter anderem unter den Entwicklungen in der Automobilindustrie. Zudem laufe die Entwicklung von Konversionsflächen nach Truppenabzügen teils schleppend. Zuletzt machte die Ankündigung des Pharmakonzerns Biontech, den Produktionsstandort in Idar-Oberstein zu schließen, dem Kreis zu schaffen.
Gleichzeitig ist Birkenfeld ländlich geprägt: Ein großer Teil der Fläche wird vom Nationalpark Hunsrück-Hochwald eingenommen. Das erschwere die Ansiedlung von Unternehmen, so der Landrat. Ein weiterer großer Punkt ist laut Kowalski die Erreichbarkeit, also der Verkehrsanschluss. Derzeit werde an einem Anschluss an die Autobahn 62 gearbeitet, um dieses Problem zu verbessern.