Sachsen-AnhaltMehr Fälle von Diskriminierung in Sachsen-Anhalt registriert

Beleidigungen und Benachteiligungen: Die Zahl gemeldeter Diskriminierungsfälle in Sachsen-Anhalt ist deutlich gestiegen. Beratungsstellen warnen vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung.
Magdeburg/Halle (dpa/sa) - Die Antidiskriminierungsberatungsstellen in Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Fälle registriert. 2025 seien insgesamt 322 Diskriminierungsfälle erfasst worden und damit rund 50 mehr als im Vorjahr, teilte das Sozialministerium in Magdeburg mit. Die Beratungsstellen warnten vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung und einer "Normalisierung diskriminierender und menschenfeindlicher Aussagen".
Ministerin zeigt sich besorgt
Sozialministerin Petra Grimm-Benne äußerte sich besorgt über die Entwicklung. "Diskriminierung ist Gift für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft, in der jeder Mensch gleiche Chancen haben soll", sagte die SPD-Politikerin. Beratungsangebote stärkten Betroffene, gäben Orientierung und hälfen dabei, Rechte geltend zu machen.
Die zentrale Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt registrierte nach eigenen Angaben 168 Fälle und damit 35 mehr als im Vorjahr. Am häufigsten ging es um rassistische Zuschreibungen oder ethnische Herkunft, gefolgt von Mehrfachdiskriminierung und Benachteiligungen wegen einer Behinderung. Besonders häufig seien Diskriminierungserfahrungen bei Behörden, am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen gemeldet worden.
Beratungsstellen warnen vor Verrohung
"Wir erleben derzeit eine rasante gesellschaftliche Verrohung, welche insbesondere die migrantisch wahrgenommenen Personen beängstigt, einschüchtert und bedroht", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt Mika Kaiyama. Für Menschen mit Migrationsgeschichte sei Rassismus zunehmend ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob sie in Sachsen-Anhalt bleiben wollten.
Antisemitische Vorfälle im Alltag
Die Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung Sachsen-Anhalt (OFEK) betreute 31 Ratsuchende. Zwei Drittel der Fälle hätten verbale oder digitale antisemitische Gewalt betroffen. OFEK-Beraterin Elitsa Kirova erklärte, Antisemitismus präge den Alltag vieler Betroffener.
Die Beratungsstellen bieten Betroffenen vorjuristische Unterstützung an, etwa beim Verfassen von Beschwerden nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Ministerin Grimm-Benne forderte zudem eine langfristige Absicherung der Finanzierung entsprechender Angebote durch Bund und Länder.