Sachsen-AnhaltZu wenig Personal in Psychiatrien in Sachsen-Anhalt

Ab dem kommenden Jahr müssen psychiatrische Einrichtungen mit finanziellen Sanktionen rechnen, wenn sie nicht ausreichend Personal beschäftigen. Wie sieht es aktuell aus?
Magdeburg (dpa/sa) - In vielen psychiatrischen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt fehlt Personal vom Psychiater über Spezialtherapeuten bis zu Pflegekräften. Das hat der Medizinische Dienst bei Qualitätskontrollen festgestellt. Im vergangenen Jahr nahmen die Prüfer 16 stationäre Einrichtungen und Tageskliniken unter die Lupe. 31,3 Prozent erfüllten die vorgegebenen Mindestanforderungen, 68,7 Prozent verfehlten sie.
Betrachtet wurde die Zahl der Patienten und der Schweregrad ihrer Erkrankungen sowie die Menge des vorgehaltenen Personals, wie es hieß. Es fehlte nicht nur an Psychiatern, sondern auch an Ergo- und Bewegungstherapeuten sowie an Pflegern für den Nachtdienst.
Ab 2027 drohen Abschläge bei der Vergütung
Künftig drohen den Einrichtungen, die die Mindestanforderungen an die Personalausstattung nicht erfüllen, Abschläge bei der Vergütung. Mit etwa ein bis drei Prozent weniger rechneten die Häuser ab 2027, hieß es weiter. Die Frage sei, wie sich das auf die Patientinnen und Patienten auswirkt. Es bestehe die Sorge, dass Behandlungsplätze gestrichen werden und Patienten länger auf eine Behandlung warten müssen.
In Psychiatrien geht es um Menschen in akuten Krisen, Menschen mit Suizidalität, chronisch Erkrankte sowie Kinder und Jugendliche, die eine Therapie brauchen.
Wo sieht der Medizinische Dienst mögliche Lösungen?
Der Medizinische Dienst plädiert für mehr Flexibilität im System. Zielführend wäre eine Entlastung des stationären Bereichs durch den Ausbau ambulanter Strukturen, um frühzeitige Behandlungen zu ermöglichen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt, Jens Hennicke. Der Medizinische Dienst regt zudem sogenanntes Hometreatment an, bei dem Patienten im häuslichen Umfeld begleitet werden. Von Bedeutung sei zudem, dass Sachsen-Anhalt und die Arbeitsplätze hier so attraktiv wie möglich sind, um Personal zu gewinnen.
Der Bereich der Psychiatrie stach dem Medizinischen Dienst zufolge bei den Prüfungen besonders negativ hervor. Bei anderen Prüfungen in Kliniken, bei denen es um besonders komplexe Behandlungen ging wie etwa in der Intensivmedizin, seien alle organisatorischen, personellen und fachlichen Voraussetzungen erfüllt worden.