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Thüringen Bis zu 27.000 Kinder ohne Schwimmunterricht in Thüringen

Blick auf die leeren Startblöcke in einem Schwimmbad. Foto: David Inderlied/dpa/Symbolbild

(Foto: David Inderlied/dpa/Symbolbild)

Während des Corona-Lockdowns ist auch der Schwimmunterricht für Kinder in Thüringen weitgehend ins Wasser gefallen. Um die Defizite auszugleichen, sollen nun in den Sommerferien Schwimmkurse angeboten werden.

Erfurt (dpa/th) - Die Thüringer Schwimm- und Wasserrettungsverbände fordern mehr Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Schwimmbädern, um den durch die Corona-Pandemie ausgefallenen Schwimmunterricht nachzuholen. "Vor uns steht eine riesige Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können", sagte der Präsident des Landesverbands Thüringen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Harry Sloksnat. Nötig seien mehr Wasserzeiten für Vereine in den Bädern. Daran hapere es aber in manchen Kommunen noch, erklärten auch die Sprecher des Thüringer Schwimmverbands und der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Derzeit läuft dem Bildungsministerium zufolge überall in Thüringen der Schwimmunterricht wieder nach Plan. Zudem arbeiteten die Schulen daran, möglichst viel des ausgefallenen Schwimmunterrichts vor Ferienbeginn nachzuholen. Nach Schätzungen der Verbände haben durch den Lockdown bis zu 27.000 Kinder im Freistaat keinen Schwimmunterricht erhalten.

"Es wird viel Kraft kosten, diesen Ausfall zu kompensieren und jedem Kind die Chance zu geben, Schwimmen zu lernen", sagte der Sprecher der Wasserwacht des DRK, Dirk Bley. Bereits vor der Pandemie seien die Wartelisten für Schwimmkurse vielerorts ausgebucht gewesen, ergänzte Jenny Joel, Geschäftsführerin des Thüringer Schwimmverbands.

Um die Defizite auszugleichen und möglichst vielen Kindern und Jugendlichen das Schwimmen beizubringen, sind laut Lisa Bönsel vom Bildungsministerium landesweit umfassende Nachholprogramme in den Sommerferien geplant. Über das Internet und örtliche Vereinen könnten sich Eltern informieren, wo Schwimmkurse angeboten werden.

Vielerorts werde das Angebot die Nachfrage aber nicht erfüllen können, befürchten die Experten. Ein Grund dafür sei der fehlende Zugang zu Wasserflächen für die Vereine, so die einhellige Meinung von DLRG und Schwimmverband. Bäder gebe es in Thüringen zwar prinzipiell genug. Manche Einrichtungen sähen die nun herrschende Nachfrage aber vor allem als Gelegenheit, Einnahmen zu generieren, so Sloksnat. Vereine wie die DLRG würden dabei als Konkurrenz wahrgenommen. "Den riesigen Nachholbedarf kann aber kein Anbieter alleine abbauen. Das gelingt nur, wenn alle an einem Strang ziehen."

Für weitere Probleme sorge die Ausbildung der Ausbilder: Weil im Lockdown keine Aus- und Weiterbildung von Rettungsschwimmern möglich gewesen war, gebe es Engpässe beim Kursangebot, hieß es. Auch bei der Fortbildung von Schwimmlehrern gebe es extremen Nachholbedarf.

Dem Bildungsministerium zufolge ist im Herbst mit ersten zuverlässigen Zahlen zu rechnen, in welchem Umfang der Schwimmunterricht aufgefangen werden konnte. Als "sicherer Schwimmer" gilt, wer mindestens 15 Minuten am Stück schwimmen kann.

Mit einer erhöhten Unfallgefahr rechnen Lebensretter aber nicht nur wegen des Ausfalls des Schwimmunterrichts: Wegen der Hygienevorschriften in den Bädern würden Badende immer wieder auf unbewachte Strände und Uferbereiche ausweichen. Das erhöhe das Risiko. Zudem fehle bei eigentlich erfahrenen Schwimmern durch die Lockdown-Schließungen nun die Schwimmpraxis. "Das kann leicht zu einer Selbstüberschätzung führen, mit dramatischen Folgen", sagte Sloksnat.

© dpa-infocom, dpa:210623-99-109894/2

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