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Freitag, 11. März 2011

Gesprengte Buddhastatuen von Bamian: Wiederaufbau "nicht machbar"

Bamian machte vor zehn Jahren weltweite Schlagzeilen, als die Taliban die in den Fels gehauenen riesigen Buddha-Statuen sprengten. Die Statuen, die im 6. Jahrhundert von buddhistischen Mönchen in den Felsen geschlagen worden waren, werden nun doch nicht komplett wiederaufgebaut, nur die Nischen werden gesichert.

Anlässlich des 10. Jahrestages der Zerstörung der beiden Buddha-Figuren in Bamian versammelten sich am 7. März 2011 afghanische Regierungsvertreter und Repräsentanten internationaler Organisation vor der Felsnische, in der einst die 54 Meter hohe westliche Statue stand.
Anlässlich des 10. Jahrestages der Zerstörung der beiden Buddha-Figuren in Bamian versammelten sich am 7. März 2011 afghanische Regierungsvertreter und Repräsentanten internationaler Organisation vor der Felsnische, in der einst die 54 Meter hohe westliche Statue stand.(Foto: dpa)

Eine Rekonstruktion der gigantischen Buddha-Statuen in ihren Fels-Nischen im afghanischen Bamian-Tal ist vom Tisch. "Es geht nun darum, beide Buddha-Nischen mit ihren inneren Fragmenten zu sichern und diese Konsolidierung bis 2013 abzuschließen. Weiteres ist nach dem jüngsten Beschluss der Unesco nicht mehr vorgesehen." Das sagte der Bauhistoriker und Archäologe Prof. Michael Jansen von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

Die weltberühmten Statuen - eine ist 38 Meter, die andere 54 Meter hoch - waren im 6. Jahrhundert von buddhistischen Mönchen in einem enormen Kraftakt in den Felsen geschlagen worden. Die Taliban hatten die beiden Figuren vor zehn Jahren zerstört und damit weltweit für Entsetzen gesorgt. "Die Unesco und die Arbeitsgruppe aller beteiligten Wissenschaftler haben unter den jetzigen Bedingungen realistisch entschieden, dass eine Totalrekonstruktion nicht machbar ist", sagte Jansen als Sprecher der Arbeitsgruppe und der Unesco. Er gehört zu einem großen Team, das seit acht Jahren im Auftrag der UN-Kulturorganisation in Bamian arbeitet.

Figuren für immer verloren

"Die Sicherung der Nische für den östlichen Buddha ist jetzt soweit abgeschlossen." Schwerpunktmäßig seien bei dieser Innen-Sicherung lockere oder gelöste Elemente wieder fixiert worden. "Dort werden jetzt die Gerüste abgebaut, um die Konsolidierung der westlichen Buddha-Nische bis 2013 abzuschließen." Schemenhaft zeichnen sich die Umrisse der Figuren wieder ab, die Figuren selbst sind aber für immer verloren. Alle Trümmerteile seien inzwischen geborgen, teilweise handele es sich um viele Tonnen schwere Brocken. Vermessen sind sie noch nicht alle.

Die Kulturlandschaft und archäologischen Stätten des Bamian-Tals mit seinen Buddha-Überresten und weiteren Denkmälern waren 2003 in die Liste der Welterbestätten aufgenommen worden. "Wichtig ist, dass auch zwei islamische Stadtanlagen dazugehören. Auch dort arbeiten wir - an Grundrissen, Schadensplänen, was restauriert werden muss - und wie man Touristenwege durchlegen könnte", erklärte der Aachener Experte.

Insgesamt acht Welterbestätten in Bamian

Bis 2013 solle für das Tal erarbeitet werden, was man retten und auf welche Weise für die Nachwelt aufarbeiten könne. "Ziel ist es, die Kulturdenkmäler der Öffentlichkeit und dem Tourismus zugängig zu machen." Alle insgesamt acht Welterbestätten in Bamian sollten ein eigenes kleines Informationszentrum bekommen. Dort sollen Simulationen verdeutlichen, wie die Denkmäler einst ursprünglich aussahen.

Ein kompletter Wiederaufbau sei zwar theoretisch aus Wissenschaftler-Sicht denkbar, werde aber in der Praxis von der Unesco derzeit ausgeschlossen. "Wir haben in Aachen ein Modell entwickelt, mit dem wir alle Felsfragmente vermessen könnten und theoretisch auch wieder in die Originallage in der Höhle einbringen könnten. Einen 80-Tonnen-Brocken auf 50 Meter Höhe zu bringen, das geht schon technisch extrem an die Grenzen des Machbaren."

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Quelle: n-tv.de