Atemtrainer im CheckEin 30-Euro-Tool soll den Blutdruck deutlich senken
Von Sebastian Priggemeier
Dass Ausdauertraining und Krafttraining bei Bluthochdruck zu empfehlen sind, ist bekannt – offenbar gilt das aber auch für Atemtraining mit einem speziellen Tool. Fünf Minuten Atmen pro Tag sollen einer Studie zufolge ähnlich effektiv sein wie ein leichtes Medikament.
Nicht jeder hat Zeit, mehrmals pro Woche joggen zu gehen oder im Fitnessstudio Muskel aufzubauen. So sinnvoll das auch wäre, gerade für die Gesundheit und besonders für Menschen mit Bluthochdruck. Mediziner empfehlen 150 Minuten Workout pro Woche für die Herzgesundheit, doch für viele ist das schwer machbar. Ein Training, das sich innerhalb von fünf Minuten auf der Couch durchziehen lässt? Das klingt dagegen sehr verlockend. Forscher der University of Colorado in Boulder (USA) haben im Jahr 2021 mit Hilfe einer Studie gezeigt, dass regelmäßiges Atemtraining mit einem speziellen Gerät den systolischen Blutdruckwert um neun Millimeter Quecksilber senken kann. Fünf Minuten Atemtraining pro Tag reichen offenbar aus, um diesen Effekt zu erreichen.
Ein Atemtrainer kräftigt die Atemmuskulatur und das Zwerchfell
"Während der Blutdruck in der Kontrollgruppe unverändert blieb, sank der systolische Wert bei den Probanden mit dem Atemtraining von durchschnittlich 135 auf 126 mmHg", zitiert der Südkurier aus der US-Studie, an der allerdings nur 36 Probanden mit Bluthochdruck im Alter von 50 bis 79 Jahren teilgenommen hatten. Dennoch ist das Ergebnis erstaunlich. Die Probanden nutzten sechs Wochen lang einen Atemtrainer, um ihre Atemmuskulatur und das Zwerchfell zu kräftigen. "In der Atemtrainingsgruppe war der Widerstand des etwa handgroßen Geräts beim Einatmen so hoch eingestellt, dass zwischen 65 und 75 Prozent der maximalen Sogkraft nötig waren, um genügend Luft zu bekommen. In der Kontrollgruppe waren hingegen nur 15 Prozent Einatemwiderstand als Placebo eingestellt", berichtet die Zeitschrift für Physiotherapeuten. Atemtrainer sind online oder in der Apotheke ab etwa 30 Euro zu bekommen, es gibt jedoch auch Geräte, die mehrere Hundert Euro kosten.
Puls und Blutdruck sinken durch regelmäßiges Atemmuskeltraining
Eigentlich kommen die Atemtrainer vor allem in der Therapie von Patienten mit chronischen Lungenleiden oder zur Rehabilitation nach schweren Atemwegserkrankungen zum Einsatz. Doch das "inspiratorische Muskeltraining" hat eben auch positive Effekte auf den Blutdruck. Noch ist unklar, wodurch genau die blutdrucksenkende Wirkung entsteht. Den US-Forschern zufolge könnte der erhöhte Atemwiderstand die Blutgefäße dazu bringen, vermehrt Stickstoffmonoxid zu bilden, was die Dehnbarkeit der Adern erhöht und so den Blutdruck senkt. Folgestudien sind in Planung.
Auch der Mediziner Dr. Moritz Binder ist von den Vorzügen der Atemtrainer überzeugt. In seinem Buch Dein Bluthochdruck. Dein Plan beschreibt er die kompakten Geräte als "Mini-Fitnessstudio fürs Zwerchfell", die den Ruhenerv Parasympathikus aktivieren sowie Puls und Blutdruck senken. "Wer fünf Minuten am Tag übt – morgens vor dem Frühstück oder abends beim Lesen auf der Couch –, erzielt einen Effekt, der jedes durchschnittliche Blutdruckmedikament in den Schatten stellt", so der Arzt. Bei der Auswahl des Atemtrainers sei wichtig, dass das Gerät speziell für Atemmuskeltraining entwickelt wurde und dass es einen regulierbaren Widerstand habe.
Um das Training auszuprobieren, reichen einfache Geräte ohne Display völlig aus. Luxusvarianten sind mit digitalem Display und App-Steuerung ausgestattet, aber diese Tools sind auch entsprechend teurer als die analogen Atemtrainer für 20 bis 30 Euro.
Der Kardiologe Professor Dr. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum in München gibt laut Südkurier zu bedenken, dass die Studie der US-Forscher nicht zeigt, inwieweit das Atemmuskeltraining "auch Patienten mit hohen systolischen Blutdruckwerten von über 150 helfen könnte". Einen Versuch sei der Ansatz aber durchaus wert. Schließlich sei Atemtraining "absolut unschädlich, man riskiert also nichts", so Schunkert.
Ebenfalls effektiv: Bewusst langsame Atmung
Es geht aber auch ganz ohne Geräte – Atem-Yoga oder bewusst langsames Atmen senken nachgewiesenermaßen den Blutdruck (dafür am besten sechs Atemzüge pro Minute anpeilen). "Für die sofortige Wirkung reichen schon dreißig Sekunden langsamer und tiefer Atmung", berichtet die Krankenkasse AOK, die ein Online-Coaching zum Thema Bluthochdruck anbietet. Eine typische Atementspannungsübung dauere jedoch zehn bis zwanzig Minuten. In dieser Zeit sinke der Blutdruck stetig. "Die langfristige Wirkung auf den Blutdruck liegt durchschnittlich im Bereich von 5 bis 6 mmHg. Das ist in Studien zur Blutdrucksenkung bei langsamem Atmen gut belegt." Laut AOK gilt: Die langsame Atmung wirkt umso besser, je häufiger sie trainiert wird. Menschen "mit über siebzig Minuten Entspannung durch langsame Atmung pro Woche" können demnach eine Senkung des Blutdrucks um mehr als 15 mmHg erreichen.


