Insider-Tipps vom ExpertenStreichen wie ein Maler-Profi: Das richtige Equipment erspart eine Menge Ärger

Ihre Wände brauchen neue Farbe? Dann sollten Sie nicht überstürzt loslegen, denn man kann einiges falsch machen. Mit unseren Profi-Tipps für das richtige Material und Vorgehen sparen Sie Zeit und Nerven.
Beim Streichen kann so einiges schiefgehen und oft sieht das Ergebnis alles andere als professionell aus. Auf einen doppelten und dreifachen Anstrich hat aber wohl niemand Lust. Das richtige Equipment ist dabei die halbe Miete, sagt ein Experte. Der Profi verrät, worauf sie achten sollten und wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden. Ganz nebenbei lernen Sie auch die geheime Maler-Sprache. Oder wissen Sie bereits, was ein "Mäuschen" ist?
Farbe: Die Teuerste ist nicht die Beste
Sind Sie versucht, einfach im Baumarkt die teuerste Farbe zu greifen in der Hoffnung, damit auch die beste Qualität erwischt zu haben? Keine gute Idee, findet Maler Marco Schelzke aus dem Meisterbetrieb Karl Müller in Köln. Denn viel zu oft stecke einfach nur ein cleveres Marketing-Konzept hinter einer hochpreisigen Farbe.
Aber woran soll man sich dann orientieren beim Kauf der Wandfarbe? "Qualitativ hochwertige Farbe erkennt man an zwei wichtigen Parametern: An der Nassabriebsklasse sowie am Deckvermögen" erklärt der Experte. Fünf Stufen gibt es beim Nassabrieb und NAK1 sei die beste Klasse. Diese Farben sind am scheuerbeständigsten, reinigungsfähigsten und widerstandsfähigsten, so Schelzke.
Vorsicht vor billigen Füllstoffen
Am besten soll nach einem Anstrich schon alles perfekt und streifenfrei aussehen? Dann sollten Sie unbedingt auf die Deckkraft der Farbe achten. "In qualitativ hochwertigen Farben werden viele Pigmente verwendet", sagt Marco Schelzke aus dem Malermeisterbetrieb Karl Müller. Und die sorgen für eine gute Deckkraft.
Die deckenden Pigmente sind allerdings auch das teuerste an einer Farbe, daher werden sie laut Schelzke oft durch billigere Füllstoffe ersetzt. So eine minderwertige Farbe verursacht dann Streifen, da sie "aufgrund billiger Füllstoffe keinen einheitlichen Trocknungsfilm ausbildet" erklärt der Maler. Er empfiehlt hochpigmentierte Farben, um "Zeit, Geld und Nerven" zu sparen.
Die richtige Farbrolle ist die "halbe Miete"
Mit der passenden Farbe haben Sie schon mal die vermutlich wichtigste Entscheidung getroffen. Beim Equipment lauert aber ein weiterer Fallstrick: Denn das falsche Werkzeug gehört für den Profi Marco Schelzke zu den häufigsten Fehlern beim Streichen.
Die Florhöhe (Länge der Fasern), Länge, Dicke, Größe "all´ das beinflusst die Farbauf- und abgabe", erklärt Schelzke. Das richtige Material mache "die halbe Miete" aus. Lohnenswert also, genau hinzugucken und nicht die erstbeste, günstige Rolle zu kaufen.
Welches Material empfiehlt aber jetzt der Experte für einen perfekten Anstrich? "Polyamid ist ein Multitalent", so Marco Schelzke. In seinem Unternehmen wird überwiegend damit gearbeitet. Das Material würde die Farbe gut aufnehmen und abgeben und somit für einen gleichmäßigen Anstrich sorgen. Es sei außerdem spritzhemmend, verliere keine Fusseln und habe eine lange Lebensdauer.
Was vor dem Streichen nötig ist
Ehe Sie jetzt drauflos streichen und es hinterher bereuen: Die richtige Vorbereitung erspart viel Arbeit und Nerven, sagt Maler Marco Schelzke. Der Untergrund müsse "anständig" vorbereitet werden. Das heißt für den Experten:
Die Farbe an einer unauffälligen Stelle ausprobieren
eine gleichmäßige Saugfähigkeit mit einem Tiefgrund herstellen
etwaige Spachtelarbeiten
Boden abdecken
Lichtschalter etc. mit Klebeband abkleben
Sorgen Sie auch für ausreichend Licht. Vor allem in neu zu beziehenden Wohnungen ist es ein sehr häufiger Fehler, ohne richtig helles Licht zu streichen, so Schelzke.
Erstmal abkleben oder "beschneiden"
Zugegeben: nichts für Ungeduldige. Aber ehe die große Rolle zum Einsatz kommt, sollten Ecken und Ränder mit einem hochwertigen Kreppband abgeklebt werden. Sonst gibt es Patzer an der Decke und den Übergängen, erklärt Marco Schelzke.
Wer zum exakten Abkleben zu ungeduldig ist, für den gibt es Hoffnung: Der Profi-Tipp des Experten lautet an der Stelle: beschneiden. Aber ehe Sie jetzt mit dem Teppichmesser in die Raufaser schnitzen: Damit ist gemeint, dass Flächen mit einem Pinsel von Hand abgegrenzt werden. Auch eine kleine Farbwalze ("Mäuschen" genannt) erfüllt diesen Job gut, so Maler Schelzke.
Die richtige Streichtechnik: "Feiertage" vermeiden
Hier sind wir endlich beim eigentlichen Streichen angekommen. Was kann jetzt noch schiefgehen? Zu viel oder zu wenig Farbe auf der Rolle! Ersteres verursacht die unschönen Laufnasen. Zu wenig Farbe wiederum produziert die nicht weniger hässlichen kahlen Stellen, die im Malerhandwerk auch "Feiertage" genannt werden.
Um die richtige Farbmenge zu erwischen, fangen Sie am besten in einer Ecke an und zwar vom Licht weg, also z.B. von einem Fenster aus in den Raum hinein. "Niemals mit der vollen Farbwalze am oberen oder unteren Rand ansetzen, sondern von der Mitte aus gleichmäßig von oben und unten verteilen.", rät Maler Marco Schelzke. Die Bahnen sollten sich dabei immer leicht überlappen, damit nasse Farbe auf nasser Farbe landet. Eine Walze niemals "trocken schrubben", so der Experte.
Reden wie ein Profi
Wenn Sie also mit den Experten-Tipps loslegen und erfolgreich Ihre Wände aufhübschen, können Sie sich mit diesem Vokabular aus der Malersprache endgültig wie ein Insider fühlen:
Feiertage = Stellen, die nicht ausreichend Farbe abbekommen haben
Beschneiden = mit Pinsel oder kleiner Farbwalze eine gerade Kante erzeugen
Mäuschen = kleine Farbwalze
Läufer = überschüssige Farbe, die eine Laufnase bildet
Beschichtung = Streichen
Beschichtungsstoffe = Farbe, Lacke, Grundierung
Haftungsprobe = Ausprobieren der Farbe
Materialauftrag = Streichen
Und jetzt: Immer ausreichend Farbe auf der Rolle!






